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Fotomontage: Harald Hornig

Für Lilium-Artikel: aerokurier erhält Hugo-Junkers-Preis

Auszeichnung für Lilium-Artikel aerokurier erhält Hugo-Junkers-Preis

Der aerokurier ist für seine kritische Berichterstattung zum deutschen E-VTOL-Projekt Lilium mit dem Hugo-Junkers-Preis für herausragenden Luftfahrtjournalismus 2020 ausgezeichnet worden.

Das Donnerwetter bei der Veröffentlichung Ende Januar 2020 hatten wir erwartet: Kaum waren unsere niederschmetternden Recherche-Ergebnisse zu Liliums Flugtaxi samt der wachsweichen Antworten des Unternehmens auf die kritischen Fragen erschienen, erhielten wir aus der Firmenzentrale in Weßling nahe München eine Mail mit dem Hinweis, dass man sich vorbehalte, wegen geschäftsschädigender Äußerungen rechtliche Schritte gegen den aerokurier einzuleiten. Passiert ist seitdem: nichts. Möglicherweise hat man auch bei Lilium einsehen müssen, dass die eigenen, höchst ambitionierten Angaben zu Geschwindigkeit, Reichweite und Flugdauer der Konstruk­tion einer kritischen Überprüfung nur bedingt standhalten würden.

Ausgangspunkt unserer Berichterstattung war ein Dokument mit Berechnungen zum Energiebedarf des Lilium-Flugtaxis, das uns ein Luftfahrtingenieur anonym zugespielt hatte. Zwei Professoren für Flugzeugbau und Luftfahrtsysteme hatten wir um fachliche Prüfung der Abhandlung gebeten, und die Wissenschaftler bestätigten uns, dass sich die Ausführungen mit ihren eigenen Berechnungen zu diesem Projekt deckten. Am Ende stand ein achtseitiges Dossier, das neben den rein technischen Fakten auch einen Fokus auf den Stand der Zulassungsvorschriften für E-VTOLs und die öffentliche Förderung für solche Projekte legte. Zusätzlich pikant: Frank Thelen von Freigeist Capital, der selbst einen erheblichen Betrag in Lilium investiert hat, gab sich auf unsere Nachfrage hin äußerst dünnhäutig, warf uns mangelnde Einblicke in die tatsächlichen Parameter und allgemein eine negative Einstellung gegenüber neuen Technologien vor. Zudem drohte er, dass wir schon in den nächsten Wochen und Monaten unsere Behauptungen zurücknehmen müssten.

Die vom Luftfahrt-Presse-Club und dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie verliehene Auszeichnung ist für die aerokurier-Crew Ansporn und Motivation, bei aller Faszination für die Fliegerei und technische Innovationen weiterhin kritisch zu bleiben und stets zu hinterfragen, ob das, was Unternehmen behaupten, auch tatsächlich realistisch ist. Die Luftfahrt braucht Pioniere, Wegbereiter und kreative Spinner, keine Frage. Aber wenn Luftschlösser gebaut und dafür Investoren- oder – schlimmer noch – Steuergelder verbrannt werden, dann ist es unsere Aufgabe, dies öffentlich zu machen. Bei aller Unterhaltung, die wir mit jedem Heft bieten, haben wir keine Angst vor solch kritischen Themen.

Recherche gegen Widerstände

Der Hugo-Junkers-Preis der deutschen Luft- und Raumfahrt-Presse ist die älteste und renommierteste Auszeichnung für hervorragenden Journalismus auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt. Er wird getragen vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) und von Bernd Junkers, dem Enkel von Prof. Hugo Junkers, der als herausragender deutscher Luftfahrtpionier und Unternehmer in die Geschichte der Luftfahrt einging.

Die Auszeichnung des aerokuriers begründete die Jury damit, dass sich das aerokurier-Team bei seiner sachlich-kritischen Berichterstattung über den Lilium Jet auch von vielerlei Widerständen nicht habe beirren lassen und sich dabei stets auf fachliche wissenschaftliche Unterstützung habe berufen können. Neben dem aerokurier wurde auch Dirk Schneider vom MDR für seine Dokumentation "LEJ exklusiv: Der Flughafen Leipzig-Halle", ausgezeichnet. Überdies ging ein Sonderpreis an Wolfgang Horch vom Hamburger Abendblatt, der die Auswirkungen von Corona auf die Luftfahrt umfangreich beleuchtet hatte.

Lilium macht weiter wie bisher

Lilium sammelt unterdessen weiterhin Investorengelder ein und verkündete jüngst eine Kooperation mit der angeschlagenen Lufthansa Aviation Training zur Ausbildung künftiger Piloten des Lilium Jets. Außerdem gibt es laut Pressemitteilungen Vereinbarungen mit den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf für einen Flugtaxi-Service ab 2025, und auch in Lake Nona, Orlando im US-Bundesstaat Florida will man ab 2025 mit lokalen Partnern eine Basis für regionale Urban Air Mobility betreiben. Was man ungern kommuniziert: Dass bereits im Februar 2020 einer der Prototypen abgebrannt ist. Wirkliche Neuigkeiten bezüglich Flugerprobung oder Zertifizierung sucht man indes im Newsroom der Website vegebens.

Fazit

Der aerokurier wird sich weiter intensiv mit den Themen Elektroflug und Urban Air Mobility beschäftigen. Der Hugo-Junkers-Preis des LPC ist Ansporn dafür, es weiterhin mit der gebotenen kritischen Distanz zu tun. Und nach wie vor sind wir offen dafür, uns von Lilium von der Machbarkeit ihres Flugtaxis überzeugen zu lassen. Aber bitte mit Fakten anstatt Phrasen.

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