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Lars Reinhold

Augsburg Air Service: Die Profis für Jet, Turboprop und SEP

Augsburg Air Service Die Profis für Jet, Turboprop und SEP

Ob Citation, Phenom, King Air oder Beech Bonanza – bei Augsburg Air Service haben Flugzeuge für nahezu alle Wartungs- und Reparaturarbeiten ein Zuhause. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie aus einem Traditionsbetrieb ein moderner Maintenance-Dienstleister wurde.

Wenn man mit Florian Kohlmann, Geschäftsführer von Augsburg Air Service, einen Termin hat, kann es durchaus sein, dass man ein paar Minuten warten muss, weil er gerade mit seinem Kopf sowie Taschenlampe und Spiegel im Leitwerk einer Citation oder unter der Cowling einer King Air steckt und akribisch überprüft, was seine Mitarbeiter zuvor instandgesetzt haben. „Ja, hier kontrolliert der Chef mitunter noch selbst“, sagt Kohlmann, ein dynamischer Mittdreißiger, mit einem sympathischen Lächeln.

Wer ihn durch die Hallen begleitet, dem fällt direkt der Respekt auf, mit dem alle Beschäftigten ihrem Chef begegnen. Das verwundert kaum, wenn man seinen Lebenslauf kennt. Kohlmann hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Einem Praktikum bei der Fluglinie OLT folgte eine Ausbildung bei der Hanseatischen Luftwerft, HLW, zum Fluggerät-mechaniker, 2003 begann eine zehnjährige Laufbahn bei Atlas Air Service, während der er sich zum Prüfer nach FAA A&P und nach EASA B1 fortbildete und schließlich als Maintenance Supervisor und Technical Manager arbeitete. 2013 wechselte er als Technischer Direktor nach Augsburg.

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Florian Kohlmann ist Geschäftsführer von Augsburg Air Service, greift aber als Prüfer selbst regelmäßig zu Lampe und Spiegel.

„Meinen Weg nach Augsburg hat Hans Obermeier, der damalige Geschäftsführer, geebnet“, sagt Kohlmann, und auch hier ist wieder Respekt zu hören, und zwar gegenüber dem Mann, der seit 1975 im Unternehmen gearbeitet und es ab 1987 erfolgreich geführt und geprägt hat. Gegründet wurde Augsburg Air Service 1972 als Wolfgang Denzel GmbH, und im Jahr 1985, nach der Übernahme durch den (inzwischen verstorbenen) Bauingenieur Hans Schneider, in Beechcraft Vertrieb und Service GmbH umbenannt. Seit Mai 2014 gehört das Unternehmen als eigenständige Tochtergesellschaft zur Atlas Air Service AG mit Hauptsitz in Ganderkesee.

Probleme angehen, Positives erhalten

„Als ich hier angetreten bin, hat man der Firma noch angemerkt, wie sehr ihr der Eigentümer seinen Stempel aufgedrückt hat“, sagt Kohlmann. „Zum einen waren da die erstklassige Reputation im Bereich der Beechcraft- und Hawker-Muster und das familiäre Klima innerhalb der Belegschaft, zum anderen aber ein erkennbarer Investitionsbedarf in Bezug auf Gebäude und Ausrüstung.“ Die Probleme angehen und das Positive erhalten – mit diesem Anspruch leitete Kohlmann die Modernisierung ein.

„Wir haben im Millionenbereich investiert, Gebäude inklusive Grundstück und das Vorfeld vor unserer Halle gekauft, um laufende Kosten wie Mieten zu vermeiden und Planungssicherheit zu bekommen.“ Auch vermeintliche Nebenschauplätze werden aufgearbeitet: Die Buchhaltung, die Dokumentation sowie die Abteilung für Zollangelegenheiten wurden jeweils auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Bei seinem Engagement spielt Kohlmann in die Karten, dass ihm manch wichtiger Kunde von Atlas zu Augsburg gefolgt ist. „Man kennt sich und hat Vertrauen zueinander, das ist vielen Flugzeugbesitzern immens wichtig. Die wollen den Chef erreichen können, auch wenn es mal nur um eine Kleinigkeit geht, die unsere Serviceabteilung genauso gut abwickeln könnte.“

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Jets und Turboprops wie die King Air gehören zu den häufigen Gästen in den Augsburger Werkstatthallen.

In den ersten drei Jahren ist Kohlmann viel unterwegs, besucht Kunden, Partner, Lieferanten. Und arbeitet bis heute selber am Objekt. Die Objekte – das sind bei Augsburg Air Service vor allem die kleineren und mittleren Muster der Business Aviation und die größeren und mittleren der Privatfliegerei. „Wir sind durch die Länge der Piste in Augsburg begrenzt, was die Größe der Flugzeuge angeht“, erklärt der Geschäftsführer. So rollen – auch der eigenen Firmengeschichte folgend – vorrangig Muster wie die Beechcraft King Air, frühe Citation-Muster sowie Hawker- und Embraer-Phenom-Jets in die große Halle 1, wohingegen Typen wie die Beech Bonanza und andere Kolben­-maschinen seit November 2018 in der Halle 2 ihren Service bekommen. Zuvor war dieser Unternehmensteil in der deutlich kleineren Halle 3 am westlichen Ende des bebauten Flugplatzareals untergebracht. Auf die steigende Nachfrage nach SEP- und MEP-Maintenance allerdings musste man reagieren. „Unser Kundenkreis im Bereich der Kolbenmotorflugzeuge wächst stetig, und der Umzug in die modernisierte und größere Halle 2 ermöglicht es uns, künftig auch größere MEP in unsere Capability List aufzunehmen“, so Kohlmann.

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Für die SEP-Wartung hat AAS eine separate Halle.

Wer Augsburg Air Service aber als reinen Turboprop- und SEP-Dienstleister wahrnimmt, irrt. „Gerade in Bezug auf die Jets von Beechcraft – hier ist vor allem der Premier-Jet zu nennen, eins der wenigen vorrangig aus Faserverbundwerkstoffen gefertigten Geschäftsreiseflugzeuge – haben wir ein top Renommee, und auch die Light- und Midsize-Jets von Textron gehören zu unseren Stamm­kunden.“ Textron habe zwar in den vergangenen Jahren viel Maintenance zurück ins eigene Haus geholt, sagt Kohlmann, sich damit aber vor allem in Europa aufgrund der anderen Mentalität als in den USA nicht unbedingt einen Gefallen getan. „Europäer wollen ihren gewohnten Ansprechpartner, die sind da nicht besonders flexibel.“ Weiterhin sei Augsburg Air Service inzwischen auch autorisierter Instandhaltungsbetrieb für Embraer Executive Jets.

Vielfältige Geschäftsfelder

Was den Geschäftsbetrieb angeht, machen Maintenance und Repair Operations, kurz MRO, den Löwenanteil der Aufträge von Augsburg Air Service aus. Rund 870 Vorgänge werden in diesem Segment jährlich abgearbeitet. Dazu kommen rund 360 Instandsetzungsaufträge, 450 Direct Sales sowie rund 70 CAMO-Aufträge. Eine Sparte der MRO ist dabei besonders im Wachstum begriffen: Modifikationen. „Hier tut sich eine Menge“, sagt Kohlmann, „vor allem im Bereich von Avionik-Upgrades.“ ADS-B und EFIS seien die Stichworte der Zeit, weiterhin werde der Bereich Connectivity, also Kommunikation und Internet an Bord, noch mehr an Bedeutung gewinnen. Aber auch aerodynamische Verbesserungen wie Winglets oder Optimierungen von Triebwerken stehen hoch im Kurs.

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Auch die Instandsetzung von Avionik gehört zum AAS-Portfolio.

Wer sein eigenes Flugzeug auf den neuesten Stand bringen lasse, spare nicht nur Geld, sondern vor allem die Wartezeit auf ein neues Flugzeug. Neben der klassischen Blech- und Elektronikarbeit gehören zudem Sattlerarbeiten und die Lackiererei zum Portfolio, wobei Lackierarbeiten direkt im eigenen Haus erledigt werden. Zudem werden Spezialumbauten für Flugzeuge wie beispielsweise die Einrüstung von medizinischen Komponenten in Ambulanzflugzeuge angeboten.

Auch der Handel mit Ersatzteilen ist ein wichtiges Standbein für die Augsburger. „Rund 11 000 Artikel sind bei uns sofort lieferbar“, sagt Kohlmann und weist darauf hin, dass das Ersatzteillager AEO-zertifiziert ist. AEO steht für „Authorized Economic Operator“, auf Deutsch „Zugelassener Wirtschaftsbeteiligter“. So werden im Zollrecht der EU geprüfte Unternehmen bezeichnet, die bestimmte Privilegien genießen und beispielsweise innerhalb der gesamten Europäischen Union in einem vereinfachten Verfahren ohne erneute umfangreiche Überprüfung Bewilligungen für Zollverfahren erlangen und so vereinfacht Warenaustausch realisieren können. Kurz und knapp: AEOs garantieren eine sichere Lieferkette vom Versender bis zum Empfänger und sind von Zollmaßnahmen über Ländergrenzen hinweg weitgehend befreit.

Der Flugzeughandel hat bei Augsburg Air Service eine sekundäre Bedeutung. „Allerdings bleibt es bei einem großen Maintenance-Dienstleister wie uns nicht aus, permanent Marktwerte zu beobachten und Kontakte zu vermitteln, und so wechselt auch mal das ein oder andere Flugzeug über uns als Vermittler den Besitzer“, so Kohlmann. Wichtig seien aber Dienstleistungen rund um den Verkauf wie Pre-Buy Inspections, Unterstützung bei Überführung aus dem Ausland und Zulassung in Deutschland oder der Suche nach dem passenden Kaufobjekt.

Engagements in der Nische

Abgerundet wird das Portfolio der Augsburger von einigen interessanten Nischengeschäften wie der Wartung und Prüfung von Airline-Trolleys und Cirrus-Gesamtrettungssystemen sowie der Unfallbergung. „Es gab mal einen Unfall, bei dem ein Passagier von einem umherrollenden Trolley verletzt wurde, und ein Kunde hat angefragt, ob wir diese Trolleys reparieren und prüfen können. Da haben wir einen unserer Kollegen auf einen entsprechenden Lehrgang geschickt, und nun können wir auch das anbieten. Das ist vor allem ein Füller, wenn in den Hauptgeschäftsfeldern mal etwas weniger zu tun ist.“ Und was die Unfallbergung angehe, da profitiere Augsburg Air Service von seinem technischen Know-how. „Wir wissen eben, wo man ein Flugzeug anheben kann, ohne noch mehr Schaden zu verursachen.“

Dieses breite Portfolio kann die Augsburger Werft nur anbieten, weil sie auf einen zuverlässigen Mitarbeiterstamm bauen kann. Knapp 90 Frauen und Männer sind insgesamt in allen Bereichen beschäftigt. „Drei Azubis pro Lehrjahr, dazu ein Avioniker – das ist das Ziel, um uns den notwendigen Nachwuchs zu sichern“, sagt Florian Kohlmann, wohl wissend, dass seine eigene Karriere auch mal als „Stift“ angefangen hat. Die Luftfahrt habe seiner Beobachtung nach noch immer große Anziehungskraft, allerdings hätten es Mittelständler wie Augsburg Air Service schwer, ausgebildete Fachkräfte zu halten. „Wir stehen da in Konkurrenz zu den Großen wie Lufthansa Technik in München oder Airbus Defense and Space in Manching, die dort die A400M warten. Und gerade mit Letzterem als staatlich subventioniertem Militärdienstleister können wir nicht mithalten. Die werben von uns ausgebildete Fachkräfte mit mehr Geld, 35-Stunden-Woche und mehr Urlaub ab. So richtig fair ist das nicht.“

Allerdings, betont Kohlmann, habe auch die Arbeit in Augsburg ihre Vorteile. „Hier ist ein Mitarbeiter keine Nummer, man kennt und schätzt sich. Wir fordern Flexibilität von unseren Leuten, gewähren die aber auch umgekehrt, wenn es mal notwendig ist.“ Regelmäßige gemeinsame Aktivitäten für Teambuilding wie Wasserski fahren oder Ausflüge gehören dazu, und hin und wieder gibt es auch mal die Chance für einen Mitflug in einem Flugzeug, das man aus der Werft kennt.„ Viele der Augsburg-Kunden seien bodenständig geblieben, schätzten den persönlichen Kontakt zu den Mechanikern und seien offen dafür, auch mal gemeinsam mit dem, der ihre Schätzchen in Schuss hält, in die Luft zu gehen.

Für die Zukunft sieht Florian Kohlmann Augsburg Air Service gut aufgestellt. Die Capability List werde beständig erweitert, insbesondere die Nachfrage nach Maintenance-Dienstleistungen für SEP und MEP steige stetig. Durch den guten Kontakt zu Zulieferern wie beispielsweise MT-Propeller in Atting könne man benötigte Teile zügig beschaffen und Aufträge schnell abarbeiten. “Das Mitbewerberumfeld in der Maintenance ist tatsächlich eher freundschaftlich. Wie generell in der Luftfahrt kennt man sich auch hier, und es gibt kaum einen Betrieb, der über fehlende Arbeit klagen muss.„ Letzteres sei aber auch eine Folge davon, dass viele sehr kleine Instandsetzer schließen mussten, da sie den immer strengeren Dokumentationsanforderungen nicht gerecht werden konnten. “Wir sind gespannt, was kommt, und sollte sich die Luftfahrt tatsächlich auch in Richtung elektrische oder Hybridantriebe bewegen, werden wir auch da mit dabei sein und top Service anbieten.„