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PAL-V One

Der Carcopter

PAL-V One schlägt die Brücke zwischen Auto, Motorrad und Tragschrauber. Bis zur Serienreife ist es aber noch ein weiter Weg, denn viele Fragen sind unbeantwortet.

Das Wichtigste: PAL-V One fliegt !

Mal wieder ein fliegendes Auto! Unzählige Konstrukteure haben sich an dieser Idee bereits die Zähne ausgebissen, doch keines der vielen Projekte war von bleibendem Erfolg gekrönt. Nun gibt es einen weiteren Anlauf, diesmal aus Holland: Das 2001 gegründete Unternehmen PAL-V Europe hat mit PAL-V One einen Tragschrauber entwickelt, der mit seinen drei Rädern auf der Straße rasante Fahreigenschaften irgendwo zwischen Sportwagen und Motorrad bieten soll. Das Kürzel PAL-V steht für „Personal Air and Land Vehicle“.

Als der aerokurier das Werk in Raamsdonksveer besucht, drängt sich uns der Begriff „Carcopter“ auf – PAL-V One ist ein Gefährt, das halb Auto, halb Gyrokopter sein möchte. Eigene Fotos dürfen wir während unserer Stippvisite nicht schießen. Das Projekt steht unter einer gewissen Geheimhaltung, da viele Ideen noch nicht als Patent geschützt seien. Das derzeitige Gefährt mit der Kennung PH-PAV sei demnach als Prototyp zu verstehen, an dem es noch die eine oder andere Änderung geben werde.

Seit 2009 arbeitet das Team um Firmenchef Robert Dingemanse und Ingenieur Mike Stekelenburg an PAL-V One.  Die Idee dahinter ist eine neue Form persönlicher Mobilität. Staufrei sollen PAL-V-Piloten an ihr Ziel gelangen, am Boden oder eben in der Luft. Dazu haben sich die Konstrukteure an den europäischen und amerikanischen Vorschriften für leichte Hubschrauber und Straßenfahrzeuge orientiert.

Zwei wichtige Hürden auf dem weiten Weg zur Serienreife sind bereits genommen. PAL-V One fährt und ist Anfang 2012 zum Erstflug gestartet. Seither wurden am Fliegerhorst Gilze en Rijen mehrere Testflüge absolviert.

Viele Fragen sind noch offen

So stellt sich der Hersteller aus den Niederlanden die Zukunft vor. Foto und Copyright: PAL-V Europe N.V.

Technisch ist PAL-V One schon jetzt ein Meisterstück. Binnen weniger Minuten verwandelt sich der Tandemsitzer vom Tragschrauber in ein Straßenfahrzeug und zurück. Auf Knopfdruck senken sich Rotor und Leitwerk, so dass ein schnittiges Straßenfahrzeug entsteht. Der Schubpropeller klappt zusammen,  wenn der Motor stoppt.

Fliegerisch soll sich PAL-V wie ein typischer Tragschrauber verhalten. Er startet und landet mit geringer Geschwindigkeit und soll ausgesprochen einfach zu bedienen sein.

Für den Antrieb sorgt ein nicht näher benannter Wankelmotor mit 170 Kilowatt (230 PS), der sich mit bleifreiem Sprit begnügt. Im Flug verbraucht er stattliche 36 l/h, am Boden knapp 12 l/100 km. Die Reichweite im Flugbetrieb beträgt je nach Modell und Nutzlast zwischen 350 und 500 Kilometer. Im Fahrbetrieb kommt PAL-V One ohne Tankstopp 1200 Kilometer weit. Künftig soll es auch alternative Antriebe für Bioethanol und Diesel geben. Nach Papierlage genügen 165 Meter Rollstrecke für den Start. Sowohl in der Luft als auch am Boden werden maximal 180 km/h erreicht.

Im Vergleich zu ultraleichten Tragschraubern ist PAL-V ein schwerer Brocken. Die Leermasse beträgt 680 Kilogramm, die maximale Abflugmasse gibt der Hersteller mit 910 Kilogramm an. Das Unternehmen rechtfertigt die hohe Masse damit, dass ihr Produkt schließlich die Eigenschaften von Auto oder Motorrad und Tragschrauber vereine. In welcher Form PAL-V auch immer zugelassen werden soll, als UL oder LSA eignet sich das Gefährt definitiv nicht.

Seine Wurzeln als Fahrmaschine hat PAL-V übrigens in einem dreirädrigen Sportfahrzeug namens Carver One, dessen Spezialität eine ausgeklügelte Neigetechnik für eine optimale Kurvenlage ist. Somit soll sich der Tragschrauber auf der Straße wie ein reinrassiger Sportwagen anfühlen.

Die niederländische Politik habe das Konzept von PAL-V Europe offenbar überzeugt, heißt es beim Hersteller. Gleich drei Ministerien würden das innovative Projekt unterstützen. Polizei, Militär und Rettungsdienste sollen bereits ihr Interesse an PAL-V One bekundet haben. Zudem sucht das Unternehmen nach Investoren. Gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen werde die Entwicklung vorangetrieben.

Die Firma wagt jedenfalls eine mutige Prognose für fahrende Fluggeräte wie PAL-V One. Behörden verschiedener Länder würden sich auf einen Anstieg des Flugverkehrs mit „Personal Air Vehicles“ vorbereiten, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Auch bei den erforderlichen Lizenzen sind die Holländer optimistisch: 20 bis 30 Flugstunden sollen genügen, um PAL-V One zu fliegen. Welche Lizenz es dafür geben soll, bleibt wie so vieles vorerst im Halbdunkeln verborgen.

René L. Uijthoven

aerokurier Ausgabe 04/2013

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