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Das LSA von Czech Sport Aircraft

Pilot Report: PS-28 Cruiser

Ist die Rede vom europäischen LSA, führt kein Weg an der PS-28 Cruiser aus Tschechien vorbei. Der beliebte Metall-Tiefdecker steht für den Start der neuen Klasse. Höchste Zeit, uns selbst ein Bild von seinen Qualitäten zu machen.

Cruiser als Inbegriff einer Flugzeugklasse

Ohne großes Aufsehen zu erregen, ist die PS-28 Cruiser von Czech Sport Aircraft zum Inbegriff einer ganzen Flugzeugklasse avanciert. Der tschechische Ganzmetall-Tiefdecker hat am 16. April 2012 als erstes Muster die EASA-Zulassung als europäisches CS-LSA (Certification Specifications for Light Sport Aeroplanes) erhalten. 40 Exemplare wurden seitdem in 13 Länder Europas ausgeliefert, 14 weitere waren bei Redaktionsschluss in Produktion. Kaum eine Woche vergeht, in der das Unternehmen aus Kunovice nicht mindestens eine Vertragsunterzeichnung oder Auslieferung meldet. Dazu gehören auch Exporte in die USA, wo mehr als 200 Stück mit dortiger LSA-Zulassung unter dem Namen SportCruiser unterwegs sind. Der Bestand, der auch ältere Modelle mit einschließt, beläuft sich weltweit auf rund 500 Exemplare, heißt es beim Hersteller.

In den vergangenen Monaten hat Czech Sport Aircraft seine Produktion noch einmal ordentlich gestrafft: Die knapp 50 Mitarbeiter sind jetzt in der Lage, auf 7000 Quadratmeter Produktionsfläche 50 bis 60 Flugzeuge im Jahr zu produzieren. Zahlen, die neugierig machen: Was macht die PS-28 Cruiser so erfolgreich?

Giorgio Pezzoni von Metropol Aviation hilft uns, diese Frage zu beantworten. Er ist einer von zwei Händlern, die Czech Sport Aircraft in Deutschland vertreten. Seine PS-28 Cruiser mit der Kennung D-EMPG verdient ihr Geld in der Flugschule Köln/Bonn – und dort ist sie beinahe mehr in der Luft als am Boden. „Schüler, die einmal mit der Cruiser geflogen sind, wollen danach nicht mehr in die Katana steigen“, schmunzelt Pezzoni, der bereits den Kauf eines zweiten Exemplars plant.

Glascockpit oder Uhrenladen

Die Cruiser gefällt mit guter Verarbeitung und moderner Ausstattung. Foto und Copyright: Holland-Moritz

In der Tat trifft die PS-28 Cruiser einen Nerv. Ihre Linie: sportlich-elegant. Die Verarbeitung: gelungen. Der Rotax-Motor: bewährt, sparsam und mit seinen 100 PS völlig ausreichend für maximal 600 Kilogramm Lebendgewicht. Der Innenraum: modern und komfortabel.
Flugzeuge wie dieses LSA könnten die zeitgemäße Antwort auf durstige Viersitzer sein, deren Unterhaltskosten nicht nur wegen der hohen Avgas-Preise zunehmend aus dem Ruder laufen. Im Vergleich zu Ultraleichtflugzeugen mit 472,5 Kilogramm MTOW versprechen LSAs mehr Zuladung. Allerdings brauchen LSA-Piloten den PPL(A) oder den LAPL – die UL-Lizenz genügt nicht.

Gut 380 Kilogramm wiegt der gut ausgestattete Zweisitzer leer. Ein Rettungssystem von BRS kostet knapp 6000 Euro Aufpreis und bringt zwölf Kilogramm mehr Masse mit sich. Giorgio Pezzoni hat sich mit Blick auf den Schulbetrieb gegen dieses Sicherheitsplus und für ein Mehr an Zuladung entschieden. Mit randvollen Tanks, entsprechend 82 Kilogramm für 114 Liter Sprit, bleiben knapp 140 Kilogramm für die Kabine übrig. Wunder sollte man also auch dann nicht erwarten, wenn ein Echo-Kennzeichen den Rumpf ziert.

1,17 Meter misst die Kabine der PS-28 Cruiser in der Breite – laut Hersteller besitzt sie damit das geräumigste Cockpit am LSA-Markt. Der Einstieg ist vorbildlich. Eine Hand greift nach dem stabilen Metallgriff zwischen den Sitzen, die andere nach dem Griff im Panel. So kommt man bequem rein, ohne auf die Sitzflächen treten zu müssen. Die Pedale sind verstellbar, die Sitze nicht. Allerdings ist die Bordwand recht hoch, so dass kleinere Piloten ihre Sitzposition mit einem Kissen individuell anpassen müssen. Nettes Detail: Die nach vorn öffnende Haube wird über einen Hebel in der Mitte verriegelt. Geschieht dies nicht, warnt eine Lampe im Panel.

Zahlreiche Ablagen, so auch in der zentralen Armlehne, machen es leicht, die kleinen Dinge des Pilotenalltags zu sortieren. Praxisgerecht ist auch die 12-Volt-Buchse, um Handy oder Tablet unterwegs zu laden.

Auch für große Touren ist das LSA gewappnet. Das geräumige Gepäckfach hinter den Sitzen darf mit 18 Kilogramm beladen werden. Zwei weitere Staufächer für jeweils zehn Kilogramm Zuladung sind in die Flügel integriert. Sie lassen sich mit einem Schraubendreher öffnen.

Die beiden 57-Liter-Flügeltanks ermöglichen laut Handbuch bei sparsamem Powersetting im Idealfall 616 nautische Meilen (1141 km) Reichweite in 3000 Fuß. Realistischer dürften bei 75 Prozent Leistung und angemessener Reserve gut 500 nautische Meilen (926 km) sein.

Czech Sport Aircraft bietet die PS-28 Cruiser in den Versionen „Classic“ und „Glass“ an. Die Basisversion gibt es ab 116.500 Euro, mit der extra Portion Glas kostet das Flugzeug mindestens 129.590 Euro. Die Topversion beinhaltet im Wesentlichen das Dynon EFIS-D100, das Motorüberwachungssystem Dynon EMS-D120 und ein Garmin 695.  Die Ledersitze unterstreichen das edle Ambiente des Innenraums. Derart komfortabel ausgestattet, rollen wir zur Piste 29 in Bonn/Hangelar.

Vom Start weg fühlt man sich in der Cruiser wohl

Die Cruiser-Kabine bietet viel Komfort auch auf längeren Flügen. Foto und Copyright: Holland-Moritz

Das Bugrad ist nicht angesteuert, mit Hilfe der hydraulischen Fußspitzenbremsen lässt sich das Flugzeug jedoch problemlos entlang des gelben Strichs führen. Die Bedienung ist übersichtlich, der Vorflugcheck schnell erledigt. Allenfalls der Tankwahl-schalter ist einen gesonderten Blick wert, denn eine Stellung für beide Tanks gleichzeitig gibt es nicht.

Wer zuvor schon mal den ein oder anderen Tiefdecker geflogen ist, wird mit der Cruiser schnell warm werden. Von den ersten Metern an vermittelt die Tschechin ein sicheres Gefühl. In ihrer 12-Grad-Position erleichtern die (stufenlos) elektrisch verstellbaren Klappen den Start. Bei knapp 45 KIAS, also rund 80 km/h, nimmt sie das Bugrad nach oben und geht dann mit 62 KIAS (115 km/h) in den Steigflug über. Mit zwischenzeitlich eingefahrenen Klappen – der weiße Bereich endet bei 75 KIAS (139 km/h) – geht es bei 70 KIAS (130 km/h) am Stau mit 700 bis 800 ft/min rauf zum Kölner „Deckel“ in 2500 Fuß.

Fürs Erste nehmen wir Kurs auf Bad Neuenahr-Ahrweiler im Süden. Dort ist der Luftraum frei, und die Wolkenbasis hebt an – perfekt, um mich auf der Cruiser mit ausreichend Luft unter den Rädern warmzufliegen. Zwar ist es oben bockiger als noch beim Start gedacht, doch die Cruiser lässt sich von ein paar Böen nicht aus dem Konzept bringen. Allenfalls ein ganz leichtes Tänzeln um die Hochachse könnte man ihr nachsagen. Ich gebe ein paar Impulse auf den Steuerknüppel, doch auch davon lässt sich das Flugzeug nicht beeindrucken. Derartige Störungen bügelt sie weg und geht rasch wieder in den Horizontalflug über. Dank der elektrischen Trimmung um Quer- und Längsachse folgt die PS-28 Cruiser treu ihrem Kurs.

Im Langsamflug beweist die Cruiser gute Qualitäten: Ohne Klappen und ohne Leistung meldet das Dynon 40 KIAS (75 km/h) Fahrt, als die Überziehwarnung trötet. Volle Klappen bringen weitere fünf Knoten Reserve nach unten, das Fahrtmesserband zeigt nun 35 KIAS (65 km/h) an.

Cruiser entspricht jetzt dem aktuellen Lärmschutz

Wir entscheiden uns, noch eine Runde durch die Kölner Kontrollzone zu drehen, und nehmen Kurs auf den Pflichtmeldepunkt Sierra. „Landen dürfen wir eh noch nicht“, sagt Giorgio Pezzoni. Er spricht damit eine Schwachstelle der PS-28 Cruiser an. Das Flugzeug entspricht noch nicht den Anforderungen an den erhöhten Lärmschutz und unterliegt damit an vielen Flugplätzen in Deutschland Restriktionen. So auch in Hangelar: In der Mittagspause müssen wir während unseres Flugs im Winter 2013/14 mindestens eine Stunde wegbleiben. Zwischenzeitlich liefert Czech Sport Aircraft die PS-28 Cruiser nicht mehr mit einem Woodcomp, sondern mit einem leiseren Sensenich-Propeller aus. Das Zulassungsprozedere bei der EASA ist abgeschlossen, die Bestandsflotte lässt sich nachrüsten.

Mit angezeigten 93 Knoten (172 km/h) nähern wir uns der Kontrollzone. Der Motor dreht dabei mit 5000 U/min, der Ladedruckmesser meldet 25 in Hg. Die PS-28 Cruiser ist eben kein Rennpferd, eher ein gemütlicher Haflinger, um es in der Reitersprache auszudrücken. Einfach zu beherrschen und komfortabel, aber eben nicht schnell. Auch diese Werte im Reiseflug werden sich mit dem neuen Propeller noch um den einen oder anderen Knoten verbessern.

Nach einem Überflug über die Piste 14 R drehen wir nach rechts weg, verlassen die Kontrollzone und fliegen zum Ford-Werk und dem Fühlinger See im Kölner Norden. Von dort folgen wir dem 1500-ft-Korridor zurück nach Bonn/Hangelar.

Im Anflug zeigt sich noch einmal, was ich schon bei den Übungen im Langsamflug vermutet habe: Das Setzen der Klappen ändert die Lastigkeit der PS-28 Cruiser spürbar und erfordert ein gewisses Nachtrimmen. Die Landung selbst ist ein Kinderspiel: Mit 60 KIAS im Endanflug ist man auf der sicheren Seite, das Abfangen ist kinderleicht.

Fazit: Viel Flugzeug fürs Geld!

Die Daten der PS-28 Cruiser.

Fazit: Nach diesem Flug ist klar, weshalb viele Piloten auf die PS-28 Cruiser schwören. Zum Preis eines hochwertigen ULs gibt’s ein zertifiziertes Echo-Klasse-Flugzeug von einem Hersteller, der sich international einen Namen gemacht hat. Platzangebot, Flugeigenschaften und Verarbeitung sind tadellos. Die Cruiser ist – der Name ist Programm – ein gemütliches Alltagsflugzeug, das auch Gelegenheitspiloten nicht überfordert.

Fazit
+ gute Flugeigenschaften
+ gefällige Optik
+ geräumiges Cockpit
+ gute Ausstattung
- tiefe Sitzposition
- noch kein erhöhter Lärmschutz
- mäßige Reisegeschwindigkeit

aerokurier Ausgabe 02/2014

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