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Flugbericht

Stemme S12 für die Offene Klasse

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Gerade mal ein Plus von zwei Metern Spannweite unterscheidet die neue Stemme S12 von der S10, von der sie unter Wahrung des Konzepts von Mittelmotor und einklappbarem Bugpropeller abgeleitet wurde.

Die Flügelerweiterung könnte man fast marginal nennen, sie beträgt nicht einmal zehn Prozent. Im Erscheinungsbild wird aber ein riesiger Unterschied deutlich. Das breite Side-by-Side Cockpit verstärkt noch einmal den Eindruck der imposanten Spannweite des Tragwerks, das in aufgebogene Außenflügel mit Winglets mündet. Unverkennbar Offene Klasse. Erst recht lässt der Blick von innen über den für moderne Segelflugzeuge typisch zurückschwingenden Flügel keinen Zweifel daran aufkommen, in einem Hochleistungs-Segelflugzeug zu sitzen. Und die S12 fliegt auch so, davon konnte ich mich bei einem kurzen Testflug in leider noch stabiler Luftmasse während der Deutschen Meisterschaft der Offenen Klasse in Stendal überzeugen.

Das gegenüber der S10 deutlich vergrößerte Seitenleitwerk verhilft dem 25-m-Flügel zur gewünschten Wendigkeit. Der Wechsel von einem Kreis mit 45 Grad Schräglage in den entgegengesetzten mit 45 Grad Schräglage lässt keinen Nachteil gegenüber anderen Offene-Klasse-Flugzeugen erkennen. Kraft erfordern die Steuereingaben schon und – wie für große Flugzeuge üblich – einen länger anhaltenden Seitenruderausschlag. 

Einmal im Kreis etabliert, dreht die S12 stabil weiter. Im Vorflug schießt die neue Stemme mit kaum unter den Horizont abgesenktem Bug dahin. Im Cockpit bleibt es auch bei hohen Geschwindigkeiten angenehm ruhig. Die beste Gleitzahl gibt der Hersteller mit 53 an. Getrimmt wird elektrisch, eine segensreiche Verbesserung gegenüber der mechanischen Trimmung der S10.

Dass verlustarm schnell geflogen werden kann, dazu trägt auch die hohe Maximalmasse von 900 kg bei. Sie kann mit Ballasttanks in den Flügeln (100 l) auch einsitzig hergestellt werden. Die damit mögliche maximale Flächenbelastung von 45 kg/m2 gilt bei Flügeln mit hoher Streckung noch nicht als nachteilig in schwacher Thermik.

Ein Hecktank schafft die Möglichkeit, auch bei hoher Zuladung im Cockpit mit einem leistungsoptimalen Trimm zu fliegen.

Das Flügelprofil wurde bei der S12 gegenüber der S10 nicht verändert. Das HQ-41-Profil setzt sich im neuen Außenflügel fort. Außen findet es im Übergang zu den Winglets eine Anpassung an die kleineren Reynoldszahlen dort. Im strukturellen Aufbau musste das Tragwerk allerdings verstärkt werden Bei der Entwicklung der S12 ging es nicht allein um eine Optimierung der Segelflugleistungen. Auch für die S12 wurde das Beste aus der Welt des Segelflugs und des Motorflugs angestrebt. Im Motorflug wird man sie deshalb mit auf 21,4 m reduzierter Spannweite fliegen können, was dann der Turbulenztoleranz zugute kommt. Dass sie im Reiseflug in 8000 ft auf die angestrebten 130 KTAS kommt, ließ sich schon während des kurzen Probeflugs nachvollziehen. Für den Motorflug gibt es für die S12 standardmäßig einen Autopiloten von Dynon. Verbessert wurde das Treibstoffmanagement. Mit einem 5-l-Feedertank im Rumpf gibt es nun eine verlässliche Low-Fuel-Anzeige. Das Einziehfahrwerk erhielt eine 20 cm breitere Spur, was auch bei unebenem Untergrund bei der großen Spannweite ein Schaukeln weitgehend verhindert.

Technische Daten

Stemme S12

Triebwerk

Motor: Rotax 914 F2/S1 Turbo
Leistung: 115 PS / 18 kW
Propeller: klappbarer Stemme-Zweiblatt, Zweistellungspropeller
Propellerdurchmesser: 1,63 m
Benzintank: 2 x 45 l (60 l)

Abmessungen

Spannweite: (21,4) / 25 m
angeklappt: 11,4 m
Flügelfläche: 19,95 m2
Rumpflänge: 8,42 m
Cockpitbreite: 1,16 m

Massen

max. Abflugmasse: 900 kg
max. Flächenbelastung: 45 kg/m2
Wasserballast im Flügel: 80 l
Wasserballast im Heck: 15 l

Leistung

Steigleistung: 4,20 m/s
Reisegeschwindigkeit in FL 100: 259 km/h      
Verbrauch bei 55 %: 13 l/h
Reichweite: 1759 km
beste Gleitzahl: 53

aerokurier Ausgabe 11/2015

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