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Einladung an die Welt-Elite

Stendal-Borstel: Bewerbung um Segelflug-WM 2020

Gibt es in drei Jahren wieder eine Segelflug-WM in Deutschland? Stendal-Borstel hat sich jetzt beworben. Der Flugplatz könnte bis zu 130 Teilnehmer-Flugzeuge aufnehmen.

Stendal, wo liegt das? Das wird heute kaum mehr jemand fragen. Der große, aus den 1930er Jahren stammende Flugplatz, etwas mehr als 100 Kilo­meter westlich von Berlin in der Altmark gelegen, war bereits mehrfach Austragungsort für Qua­li­fikations­meisterschaften. 2015 flogen hier Offene und 18-m-Klasse die Deutschen Meisterschaften aus. Die Holländer wählten Stendal-Borstel wiederholt als Austragungsort für ihre Staatsmeisterschaften. 2008 trainierten hier eine Reihe WM-Teilnehmer für die Titelkämpfe in Lüsse.

Im Frühjahr entscheidet die Internationale Segelflugkommission über die Bewerbung des
Deutschen Aero Clubs für die Weltmeisterschaften 2020 in Offener, 18-m-Klasse und Renn- beziehungsweise 20-m-Doppelsitzerklasse. Für die Organisation vor Ort stehen der DAeC-Landesverband Sachsen-Anhalt und der Aero-Club Stendal hinter der Bewerbung. Henning Schulte, Präsident des Luftsportverbandes Sachsen-Anhalt, hält sich als Direktor der Weltmeisterschaft bereit. Erfahrung bringt Schulte, der 1981 zum Segelflug kam, als Leiter von elf Segelflug-Wettbewerben mit, darunter vier Qualifikationsmeisterschaften und die DM 2015.

Das sportliche Kernteam um Henning Schulte wollen als Sportleiter Dennis Krull und als Auswerter Jan Braune bilden. Die Zusammenarbeit haben die drei bereits sechs Mal beim Elbe-Saale-Pokal auf dem Flugplatz Schöne-beck geübt. Stendal-Borstel kann mit gleich drei wichtigen Voraussetzungen für Segelflug-Weltmeisterschaften punkten. Da ist einmal das riesige Flugplatzareal, das sogar 130 Teilnehmerflugzeuge locker aufnehmen kann; ferner die offene Luftraumsituation, die Abflüge in alle Richtungen erlaubt, und die thermikgünstige Umgebung.

Stendal in der Altmark liegt in dem Sandgürtel, der sich im Nordwesten bis Hamburg und im Osten bis nach Polen hinein erstreckt. Der sandige Boden dieses flachen Geländes begünstigt die Thermik und eine schnelle Erholung des Wetters nach Frontdurchgängen und Regenfällen. Von der Elbe mit weniger gutem Einfluss auf die Thermik liegt der Flugplatz rund zehn Kilometer entfernt. Die Nähe zu dem Strom bewirkt einen etwas späteren Thermikbeginn als im rund 80 Kilometer südöstlich
gelegenen Lüsse. Ansonsten dürften die Piloten in Stendal ganz ähnliche Bedingungen vorfinden wie zu den Weltmeisterschaften 2008 dort.

Schnelle Flüge im Hochsommer

Stendal-Borstel: Das riesige Flugplatzareal kann leicht eine Weltmeisterschaft mit 130 Teilnehmer-Flugzeugen aufnehmen. Das Campinggelände bietet 200 Stellplätze. Foto und Copyright: AC Stendal

Wetterbestimmend sind konkurrierend maritime Luftmassen und kontinentale Hochdruckbedingungen, wobei Fronten nach der Überwindung von Harz und Thüringer Wald bereits geschwächt über die Altmark wegziehen. Auch die Lüneburger Heide bekommt bei Schlechtwetter mehr Regen ab als die Altmark.

Nach einem Frontdurchgang stellen sich mit Hochdruckeinfluss meist mehrere Tage mit guten Streckenflugbedingungen ein. Die Arbeitshöhe steigt mit der Temperatur. Die Tage sind im Hochsommer, wenn die WM ausge-tragen wird, schon wieder deutlich kürzer, sie erlauben aber schnelle Flüge.

Bei der DM 2015 beispielsweise flog Tagessieger Matthias Sturm bei einer Basis in 2300 Metern die 406 Kilometer der letzten Tagesaufgabe der 18-m-Klasse mit einer Schnittgeschwindigkeit von 138 km/h. Kein Teilnehmer blieb unter 100 km/h. In der Offenen Klasse mit einer 417-km-Aufgabe gewann Stefan Langer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 139,5 km/h. Es wird weitgehend ein Wettbewerb im Flachland werden. Im Randbereich des Wettbewerbsgebietes dürften die WM-Piloten aber Bekanntschaft mit den Mittelgebirgen Weserbergland, Harz, Thüringer Wald und Erzgebirge machen. Nach Norden kann über die Mecklenburger Seenplatte bis zur Ostsee geflogen werden.

Auch bei einem sehr großen Teilnehmerfeld sollten im vorgesehen Zeitraum von Ende Juli bis Anfang August Aufgaben in der Größenordnung bis 700 Kilometer geflogen werden können.

Beschränkungsgebiete dürften keine Hindernisse darstellen. Was die wenigen ED-Rs betrifft, hofft man, dass sie für den Zeitraum der WM inaktiv bleiben. Beschränkungen bedingt durch den neuen Berliner Flughafen, sollte er denn bis 2020 eröffnet sein, erwartet man für den weiteren Bereich um Stendal nicht.
Auf dem Flugplatz selbst geht es mehr als großzügig zu. Die Betonbahn (08/26) ist 2000 Meter lang und 52 Meter breit, daneben erstreckt sich über 1800 mal 100 Meter die Grasbahn für den Segelflug. Eine kleinere von 700 mal 40 Meter ergänzt sie. Außerdem gibt es großräumige Parkflächen für die Flugzeuge.

Das Briefing kann im Hangar aus dem Jahre 1934 stattfinden. 4000 Quadratmeter stehen hier zur Verfügung. Der angrenzende Campingplatz besitzt 200 Stellplätze. Weitere Unterkünfte bietet die 38 000 Einwohner zählende Stadt Stendal in drei Kilometern Entfernung. Ein Restaurant gibt es gleich am Platz.

Mit seiner inzwischen größtenteils erneuerten Infrastruktur ist Stendal-Borstel nicht nur für
Segelflugwettbewerbe mit mehr als 100 Teilnehmern beliebt. Hubschraubermeisterschaften, Motorkunstflug-Meisterschaften und große Sommerferienlager niederländischer Segelflugvereine haben die Gastfreundschaft der Stendaler schon genossen. Die AOPA führt hier Trainingscamps durch. Die C42-Piloten kommen in Stendal zu ihrem großen jährlichen Treffen zusammen, und für 2018 hat der Vintage Glider Club seine traditionelle Rallye in Stendal geplant. Für eine Segelflug-Weltmeisterschaft erfüllt Stendal-Borstel alle Voraussetzungen.

aerokurier Ausgabe 02/2017

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