Nach tödlichem Crash
Pflichtinspektion für Turbinen-Otter

Ein fehlender Sicherungsring könnte der Grund für den tödlichen Absturz einer "Turbine Otter" am 4. September in den USA gewesen sein. DHC-3-Betreiber müssen diesen nun überprüfen.

Pflichtinspektion für Turbinen-Otter
Foto: Viking

Am 4. September 2022 stürzte eine de Havilland DHC-3 Turbine Otter des Betreibers Friday Harbor Seaplane Tours in die Mutiny Bay bei Seattle im Bundesstaat Washington, USA. Alle zehn Personen an Bord des Wasserflugzeugs kamen bei dem Unfall ums Leben. Noch hat die zuständige Flugunfall-Untersuchungsbehörde, das US-amerikanische National Transpirtation Safety Board (NTSB), seinen Abschlussbericht nicht fertiggestellt. Erste Erkenntnisse haben aber haben die Behörde veranlasst, eine Sicherheitsanweisung für DHC-3-Betreiber zu erlassen, die eine Inspektion der Höhenrudertrimmung erfordert.

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Gewindeverbindung gelöst

Eine offenbar vom NTSB für möglich erachteter Absturzgrund ist das Versagen der mechanischen Höhenrudertrimmung der Turbinensingle. Deren Aktuator, der den Einstellwinkel des gesamten Höhenleitwerks verstellt, fanden die Unfalluntersucher in zwei Teile vor. Dabei war das Bauteil nicht gebrochen, es hatte sich lediglich eine Gewindeverbindung gelöst. Ein Sicherungsring, der dies verhindern sollte, konnte im Wrack nicht gefunden werden.

NTSB
Die obere Befestigung des Stellantriebs fanden Unfallermittler gelöst vor.

Die Höhenrudertrimmung der DCH-3 "Turbine Otter" erfolgt durch Kabel, die vom Trimmrad zum Rumpfheck führen, dort mehrfach um den zylindrischen Trimaktuator laufen und diesen drehen, sobald der Pilot die Trimmung verstellt. Durch ein Gewinde wird dadurch die Länge des Stellantriebs verändert. Das Ausfahren oder Einfahren ändert den Einstellwinkel des Höhenleitwerks und reduziert für den Piloten so die Steuerkraft.

Viking
Der Sicherungsring muss durch eine visuelle Kontrolle geprüft werden.

Am Wrack der geborgenen Maschine fand sich die obere Befestigung vom Stellmechanismus gelöst. Um dies zu verhindern, ist das Bauteil mit einem ringförmig gebogenen Draht gesichert. Den konnten die NTSB-Experten jedoch nicht im Wrack vorfinden.

Noch ist nicht geklärt, ob sich die Befestigung des Trimaktuators durch den Unfall gelöst hat oder ursächlich für den Absturz ist. Auch ist nicht geklärt, ob der Sicherungsring vor dem Aufschlag auf dem Wasser bereits nicht installiert war oder warum er im Wrack nicht gefunden wurde.

Viking
Der Sicherungsring erfüllt seine Funktion nicht, wenn er inkorrekt montiert ist.

"Der Aktuator ist das einzige Mittel, um das Höhenleitwerk in seiner Position zu halten, und der Sicherungsring verhindert, dass sich die Baugruppe aus dem Gewinde löst", schreiben die Ermittler. "Ein Lösen der Klemmmutter und des Zylinders während des Flugs würde zu einem frei beweglichen Höhenleitwerk führen, wodurch es sich unkontrolliert um sein Gelenk drehen könnte. Das würde zu einem möglichen Verlust der Kontrolle über das Flugzeug führen.

Die NTSB-Erklärung deckt sich zumindest mit dem Flugverlauf, den Zeugen unmittelbar vor dem Absturz beobachtet hatten: Sie berichteten, dass sich das Flugzeug im Horizontalflug befand, bevor es in einen leichten Steigflug überging und dann in einen fast senkrechten Sinkflug überging. Das Flugzeug setzte seinen spiralförmigen, fast senkrechten Sinkflug fort, bis es in der Bucht von Mutiny auf dem Wasser aufschlug.

Sichtprüfung nötig

Der Hersteller hat auf Drängen der NTSB eine Inspektionsanleitung erstellt, mit der sich das Vorhandensein und die korrekte Montage des Sicherungsrings kontrollieren lässt. Die US-Zivilluftfahrtbehörder Federal Aviation Administration (FAA) hat Flugzeugbetreiber verpflichtet, diese durchzuführen und den Befund bis 19. Dezember der Behörde zu melden. in den USA sind 66 Maschinen betroffen, weltweit sind 160 Maschinen registriert.

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