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UNESCO-Initiative

Taugt Dübendorf als Weltkulturerbe?

Der Flugplatz Dübendorf ist die Wiege der Schweizer Luftfahrt und einer der ältesten zivil gegründeten Flugplätze der Welt. Nun engagieren sich verschiedene Akteure um eine Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Aufnahmekriterien für die UNESCO-Welterbeliste sind klar definiert. Schützenswert, so besagen es die Richtlinien, ist beispielsweise ein Typus von Gebäuden, architektonischen und technologischen Ensembles, die bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen. "Die Berninabahn wurde als Meisterleistung des Schweizer Bahnbaus in das Weltkulturerbe aufgenommen", erklärte Architekt Pit Wyss unlängst in einem Interview. "Was liegt da näher, als den Flugplatz Dübendorf, der bekanntlich die Wiege der schweizerischen Luftfahrt ist, ebenfalls aufzunehmen?" Der einstige Präsident der Stadtzürcherischen Vereinigung für Heimatschutz setzt sich seit geraumer Zeit für den Erhalt des Dübendorfer Flugplatzes ein. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen, reichte er beim Kanton Zürich eine Einzelinitiative ein: Der Erhalt des Flugplatzes soll künftig durch einen kantonalen Verfassungsartikel garantiert und die Unterschutzstellung als UNESCO-Weltkulturerbe aktiv gefördert werden.

Ideelle Unterstützung erhielt er von Adolf Flüeli. Der Zürcher reichte beim schweizerischen Bundesamt für Kultur einen Antrag zur Aufnahme des Flugplatzes Dübendorf als UNESCO-Weltkulturerbe der Luftfahrt ein. Im Zentrum des Antrags steht das Argument, dass der Dübendorfer Flugplatz der vermutlich älteste zivil gegründete, nahezu vollständig erhaltene sowie permanent genutzte Flugplatz der Welt ist, der mit einer bogenförmigen Anordnung historisch wertvoller Gebäude die Gründungsepoche einzigartig repräsentiert. Der Flugplatz soll vollumfänglich erhalten und in seiner ganzen Vielfältigkeit weiter betrieben werden – im Gegensatz zum Berliner Flughafen Tempelhof, den die Bürger des Wahlbezirks Schöneberg-Tempelhof zwar als UNESCO-Weltkulturerbe unter Schutz stellen wollten, der aber dennoch geschlossen wurde.

Kritiker verweisen auf Denkmalschutz

Copyright: Archiv ETH Bibliothek Zürich

Kritiker werfen ein, dass einzelne Gebäude auf dem Militärflugplatz bereits unter Denkmalschutz stehen und weitere Auflagen künftige Entwicklungen beeinträchtigen könnten. Flüeli sieht keinen Grund zur Sorge: „Der ,Historic Arc‘, der den westlichen Teil des Flugplatzes umfasst, würde als Ensemble geschützt und museal ausgestaltet. Der östliche Teil böte als ‚Future Space‘ ausreichend Raum für weitere Entwicklungen.“ Der Zürcher Kantonsrat ließ sich davon nicht überzeugen und lehnte die Initiative von Pit Wyss ab. Inzwischen haben weitere Sympathisanten wie etwa der Fluglehrer Hans-Ulrich Binz das Wort ergriffen und setzen sich für die Gründung eines Vereins und die Lancierung einer Volksinitiative ein.

Eine Kommission des Bundesamts für Kultur klärt nun ab, ob die Faktenlage einen Antrag auf Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe rechtfertigt. Sollte es der Flugplatz auf die Liste Indicative schaffen, kann das Amt der UNESCO ein Dossier zur Prüfung vorlegen. Ob der Flugplatz Dübendorf Chancen hat, ins Weltkulturerbe aufgenommen zu werden, ist schwer absehbar. Angesichts der Tatsache, dass die Anerkennung von Industriedenkmälern gefördert wird und noch kein Flugplatz im UNESCO-Weltkulturerbe verzeichnet ist, geben sich die Initianten zuversichtlich und hoffen auf einen positiven Vorentscheid.

Flugplatz Dübendorf: Wiege der Schweizer Luftfahrt

Foto: Jean Gabarell, Copyright: Archiv ETH-Bibliothek Zürich

Der Flugplatz Dübendorf wird im Jahr 1910 gegründet. Ausschlaggebend ist die Austragung des Gordon-Bennett-Cups im Oktober 1909, an dem auch der französische Motorflieger Reynold Jaboulin teilnimmt. Der Pilot ist von der Lage des Startgeländes in Dübendorf so begeistert, dass er beschließt, ein Flugfeld für künftige Flugspektakel anzulegen. Bereits 1910 organisiert er die ersten Flugtage und lockt damit über 100000 Besucher an den Flugplatz. Im Zuge des ersten Weltkriegs wird Dübendorf zum Militärflugplatz umfunktioniert und die erste Schweizerische Fliegertruppe wird unter der Leitung von Oskar Bider ins Leben gerufen.

Nach dem Weltkrieg, 1919, startet der erste Militärpostflug ab Dübendorf und legt damit den Grundstein für den kommerziellen Luftpostverkehr in der Schweiz. 1931 fusionieren die beiden Fluggesellschaften Ad Astra Aero und Balair zur Swissair - Schweizerische Luftverkehr AG. Mit dreizehn Maschinen werden nun ab Dübendorf Destinationen wie Amsterdam, Berlin, Paris, Prag und Wien angeflogen. Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs existieren Militär- und Zivilluftfahrt einträchtig nebeneinander. 1948 zieht die Swissair nach Zürich-Kloten um und das Militär übernimmt den Flugplatz. Die Infrastruktur wird kontinuierlich ausgebaut und Dübendorf entwickelt sich zu einem der wichtigsten strategischen Standorte der Schweizer Luftwaffe.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs werden Sparmaßnahmen eingeleitet und das in Dübendorf ansässige Bundesamt für Militärflugplätze aufgelöst. Nach Spitzen von 46.000 Flugbewegungen im Jahr 1985, 31.000 davon durch Jets, wird der Jetflugbetrieb laufend reduziert und 2005 gänzlich eingestellt. 2014 gibt die Schweizer Regierung bekannt, den Flugplatz Dübendorf neu als ziviles Flugfeld mit Bundesbasis, als militärischen Heliport und als Standort für einen Innovationspark nutzen zu wollen. Aufgrund dieser Dreifachnutzung ist eine Pistenkürzung vorgesehen. Als künftige Betreiberin fungiert die Flugplatz Dübendorf AG, zu deren Aktionären unter Anderem der Aero-Club der Schweiz, die AOPA Switzerland und die Schweizer Luftrettungsorganisation Rega zählen.

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