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Tipps für Trips: Wilhelmshaven

Nah am Wasser gebaut

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„Schlicktown“ wird Wilhelmshaven oft genannt. Doch der leichte Spott wird der Stadt am Jadebusen nicht gerecht. Mit ihrem stadtnahen Flugplatz ist sie ideal für den Kurztrip.

Mariensiel ist nicht mehr. Wilhelmshavens Einfallstor für fliegende Zeitgenossen heißt heute JadeWeser-Airport. Ein etwas hochtrabender Name vielleicht für den gut ausgebauten Verkehrslandeplatz, doch mit mehr oder weniger marketingstrategischem Hintersinn dem neuen JadeWeserPort angelehnt. Dass Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen noch die Schiffe fehlen, ist eine Sache. Dass Wilhelmshaven trotzdem für Piloten ein prima Flugziel für einen Erlebnistrip mit maritimem Einschlag ist, eine andere.

Auf kleinem Raum bietet die Stadt am Jadebusen viel, mehr als mancher erwartet. Wer will, kann seinen Ausflug in den Norden zu einem regelrechten Bildungsurlaub machen. Nur etwa 15 Fahrradminuten sind es vom JadeWeserAirport ins touristische Leben. Und das spielt sich vor allem am Südstrand mit seiner langen Promenade ab. Hier reihen sich Hotels, Restaurants verschiedener Preisklassen und Sehenswürdigkeiten aneinander. Alles dreht sich um die See, den Hafen und die eng mit der Marine verwobene Geschichte der Stadt. Wilhelmshaven ist jung, wurde erst 1869 wegen seiner einzigartigen Lage von König Wilhelm I. von Preußen als Marinegarnison gegründet und ist bis heute der größte deutsche Marinestützpunkt.

Wer genau hinschaut, entdeckt auf der Tour zum Südstrand auf dem sogenannten Fliegerdeich noch Reste der ab 1913 hier gebauten Seefliegerstation. Das ehemalige Kasino und ein weiteres Gebäude stehen noch. Eine Schautafel erzählt die Geschichte der Seefliegerstation bis 1945. Die Seeflieger waren übrigens die ersten Luftfahrer in Wilhelmshaven, der Flugplatz folgte erst 1927.

Nur ein paar Pedaltritte weiter beginnt die Südstrandpromenade. Lohnenswerte erste Station: das UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum. Eigentlich ein Muss für Wilhelmshaven-Neulinge. Auf mehreren Etagen werden die Besucher hier in diesen einzigartigen Lebensraum hineingezogen, der die gesamte Nordseeküste prägt. Viele interaktive Stationen bringen so manches Aha-Erlebnis zu Tier- und Pflanzenwelt, Fischerei und vielem mehr. Dabei kommen auch Kinder auf ihre Kosten. Ein Highlight ist das Skelett eines 14 Meter langen Pottwals, der vor zehn Jahren vor Baltrum gestrandet war. Sogar ein
kompletter und nun begehbarer Krabbenkutter wurde in die Ausstellung integriert.

JadeWeserPort-Cup ist das Oktober-Highlight

Direkt gegenüber vom Haupteingang des Wattenmeer Besucherzentrums wartet schon die nächste Attraktion, das Deutsche Marinemuseum. Neben dem Eingangsportal thront ein Lockheed F-104 Starfighter. Allerdings sind die Marineflieger hier nur ein Randthema. Das Museum zeichnet die Geschichte der deutschen Marine von 1848 bis heute nach. Unter anderem kann man hier den ehemaligen Lenkwaffenzerstörer „Mölders“, ein Minensuch- und ein U-Boot besichtigen. Wem das noch nicht genügt, dem bietet das Marinemuseum auch noch Hafenrundfahrten durch das Marine­arsenal an. Von April bis Oktober legen zwei Barkassen viermal täglich zu den einstündigen Touren ab.

Etwas ausgedehnter sind die Hafenrundfahrten, die die Reederei Warrings anbietet. Deren Schiffstouren führen weiter hinaus bis zum JadeWeserPort und den Löschbrücken für die Riesentanker.

In der Hauptsaison fahren die Schiffe ebenfalls viermal am Tag vom Helgo­landkai ab, der nur wenige Schritte vom Marinemuseum entfernt liegt. Im Okto­ber sollte man sich jedoch vorher nach den nächsten Abfahrtsterminen erkundigen (Tel. 04464/94950), weil diese in der Randsaison von der jeweiligen Auslastung abhängen. Ein kleiner Tipp: Am Parkplatz des Helgolandkais finden Sie, das ergab jedenfalls der aerokurier-Test, Wilhelmshavens beste Fischbude.

Wollen Sie auch einmal in die Unterwasserwelt abtauchen? Dann lohnt sich ein Besuch des Seewasseraquariums. Es liegt gleich neben dem Helgolandkai. Auch hier geht es natürlich um das Leben in der Nordsee. Außerdem kann man hier auch Fische und Pflanzen vom arktischen bis in die tropischen Meere erleben. Vor allem für Kinder sind die regelmäßigen Pinguin- und Seehundfütterungen ein Höhepunkt.

Für Kurzentschlossene hält Wilhelmshaven noch einen besonderen Leckerbissen bereit. Vom 3. bis zum 5. Oktober verwandelt der JadeWeserPort-Cup die Stadt in einen Traditionsseglerhafen mit Piratencity. Bei Redaktionsschluss waren bereits 15 historische Segelschiffe gemeldet, die an dem Wochenende am Bontekai und in Aktion zu be­wundern sein werden. Bei den zwei Regatten der Oldtimer vor dem Hafen können auch Landratten als Gäste an Bord gehen. Die städtische Wilhelmshaven-Touristik (www.wilhelmshaven-touristik.de) vermittelt die Plätze.

Wer von seiner maritimen Entdeckungstour immer noch nicht genug hat, kann auf dem Rückweg zum Flugplatz noch einen Abstecher ins Küstenmuseum (Weserstraße 58) machen. Aber Vorsicht, aus dem Abstecher könnte ein längerer Besuch in dem Museum werden, das sehr anschaulich die Geschichte der Küstenregion und seiner Bewohner aufarbeitet.

Zum Schluss noch etwas, mit dem Sie sich als wahrer Wilhelmshaven-Kenner outen können. Der Name „Schlicktown“ geht auf die kaiserliche Kolonialzeit zurück, als besonders viele Wilhelmshavener Marinesoldaten im chinesischen Tsingtau stationiert waren. Sie prägten, zurück in Deutschland, in Anspielung auf den Schlick im Wilhelmshavener Watt den Begriff Schlicktau für die Stadt. Erst unter britischer Besatzung wurde daraus Schlicktown – Wissen, mit dem man bei unerfahrenen Touristen bleibenden Eindruck schindet.

Info: Wilhemshaven (EDWI)

Wilhemshaven (EDWI)

RWYs:
02/20 1459 x 30 m ASPH, 16/34 615 x 15 m ASPH
Funk: Wilhelmshaven INFO 129.250 MHz, ATIS 124.325
Luftraum F: Bei IFR-Verkehr (GPS-Stand-Alone) wird der Luftraum F aktiviert. Status im Anflug bei Wilhelmshaven INFO erfragen.
Service: Fahrräder gibt es am Platz gegen einen kleinen Obolus. Taxi oder Mietwagen am besten vorbestellen. Restaurant am Platz.
Weitere Platzinfos im Web: www.jadeweserairport.de

aerokurier Ausgabe 10/2014

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