Kurz mal nach Rotterdam Ossip van Duivenbode

Tipps für Trips: Kurz mal nach Rotterdam

Tipps für Trips Kurz mal nach Rotterdam

Einen Katzensprung von Nordrhein-Westfalen entfernt liegt die zweitgrößte Stadt der Niederlande mit dem größten Tiefseehafen Europas. Kathrin Kaiser und zwei Freundinnen haben sich mit der Grumman Traveler auf den Weg in die vielseitige Metropole Rotterdam gemacht.

Herbstanfang. Die Tage werden spürbar kürzer, und langsam macht sich Torschlusspanik breit: Mit den VFR-Tagestrips ist es wohl bald vorbei. Also schaue ich mich im kleineren Radius um, was denn fliegerisch noch so Interessantes möglich wäre. Die Niederlande sind am nächsten, und bisher kenne ich von dort nur Berichte anderer Piloten, die schon öfter auf Texel gelandet sind. Der Luftraum ist stark verschachtelt in Militärzonen, EDRs, TMZs und – aufgepasst: Es gibt hier auch den Luftraum Alpha. Wann welcher Luftraum aktiv ist, lässt sich auf Basis der NOTAMs aber gut bei der Planung berücksichtigen. Noch einfacher ist es, wenn man samstags oder sonntags fliegt, denn an diesen Tagen sind die meisten Militärsperrgebiete aufgehoben. Wie heißt es so schön: "Am Wochenende ist kein Krieg!"

Um den Tag voll auszunutzen, starte ich mit meiner Grumman Traveler um acht Uhr morgens in Bonn/Hangelar. Erstmal fliege ich nach Borkenberge, wo zwei Freundinnen zusteigen und ich noch mal tanke. So haben wir genügend Avgas für Hin- und Rückweg und etwas Sightseeing auf der rund 190 Kilometerlangen Strecke. Zu dritt rollen wir nach dem Tanken zum Abflug, als ein dumpfer Knall und ein Linksruck die Gespräche an Bord verstummen lassen. Sofort ist mir klar, dass der Reifen soeben seinen Geist aufgegeben hat. Nachdem der erste Schreck überwunden ist, sende ich meinem Schutzengel ein Dankeschön, dass dieses Malheur hier und nicht bei der Landung in Rotterdam passiert ist. Sogleich cancele ich die Flugpläne, die man für einen VFR-Flug ins Ausland rechtzeitig aufgeben muss.

Der Fliegerklub Borkenberge ist zum Glück bestens ausgestattet, nicht nur mit technischem Know-how, sondern auch mit Reifen. Im Handumdrehen machen Wennemar Frye, sein Sohn Michael und Harald mein Flugzeug wieder flott. Mit moderaten zweieinhalb Stunden Verzögerung steht unserem Ausflug jetzt nichts mehr im Wege. Am Ende ist der verspätete Start sogar nützlich, da das Wetter inzwischen deutlich besser geworden ist.

Michael Frische
Mit der Grumman Traveler ist es ein kurzweiliger Flug in die Niederlande.

Über Tulpenfelder zur Küste

Wir folgen erst der Lippe und dann dem Rhein, der ab der Grenze Waal heißt. In 1200 Fuß düsen wir bei mäßigem Wetter über das flache Holland. Größere Städte sehen wir nicht, dafür aber gigantische, knallbunte Tulpenplantagen unter Gewächshausdächern. Wir passieren großflächige Windparks, die hier ebenso wie in Deutschland aus dem Boden sprießen.

Nach rund 40 Minuten Flugzeit sehen wir ihn schon, den größten Tiefseehafen Europas. Er ist nahezu 40 Kilometer lang und rund 100 Quadratkilometer groß. Fast 15 Millionen Container sind hier versammelt. Riesige Schiffe werden von noch gewaltigeren Kränen beladen. Wir sehen ein- und auslaufende Schiffe und dazwischen immer wieder kleine Boote. 320 000 Menschen haben einen Arbeitsplatz, der direkt mit dem Hafen zu tun hat. Zum Vergleich: Als zweitgrößte Stadt der Niederlande hat Rotterdam 650 000 Einwohner. Wir folgen dem Fluss noch bis zum Meer, drehen nach rechts Richtung Stadt und über die westliche Anflugroute zum Rotterdam The Hague Airport.

Iris van den Broek
In der Hafenstadt Rotterdam bewegt sich der Verkehr auch auf dem Wasser.

Vor dem Start die Verfahren lernen

Die Landung auf einem internationalen Flughafen ist ein Erlebnis. Die Beleuchtung ist eingeschaltet, und mit einer langen Landung, mit der ich mich ans strenge Procedere halte, setze ich mit nigelnagelneuem Reifen rechtzeitig vor der Ausfahrt V3 auf. Ein Follow-me bringt uns zum Vliegclub Rotterdam, wo Margot uns bereits erwartet. Mit ihr war ich im Vorfeld in Kontakt, denn die Abrechnung des Handlings ist über den Verein deutlich günstiger als über den Flughafen. Man muss sich nur strikt an das mehrere Seiten lange Anflugbriefing halten (es steht sogar etwas über Verspätungen drin), dann ist es im Grunde ganz einfach.

Airport Rotterdam Den Haag (EHRD)

Piloteninformationen EHRD  
Elevation -14 Fuß
Lage 3 km NNW von Rotterdam
Luftraum In der ohnehin komplexen Luftraumstruktur der Niederlande gibt es zudem Luftraum A.
Runway 06/24, 2200 m x 45 m
Treibstoff Avgas und Jet A-1 (BP Sterling Card erforderlich)
Web www.rotterdamthehagueairport.nl und www.vliegclubrotterdam.nl
Telefon +31 10 446 3450
Hinweis Erforderlich sind Flugplan und General Declaration (GenDec). Die Verfahren laut AIP (im Part 3 unter AD2) müssen eingehalten werden. Es ist sehr empfehlenswert, die Anflugkarten sowie die Vorgaben zum Rollen vor dem Abflug zu verinnerlichen.
Spartipp Landung und Handling über den lokalen Fliegerklub abzurechnen spart viel Geld. Informationen dazu findet man auch auf der Website. Landung inklusive sechs Stunden Abstellenkostete für die Grumman Traveler auf diesem Weg 60 Euro zzgl. 14 Euro Anfluggebühren.

Ein kurzer Fußmarsch führt uns zum Haupteingang des Flughafens und damit zum Taxistand und zur Bushaltestelle. Da uns die Zeit wegzulaufen droht, nehmen wir ein Taxi. Mit dem wahrscheinlich fröhlichsten Chauffeur Hollands geht es in die City. Die Fahrt bis zum Aussichtsturm Euromast kostet zwischen 35 und 40 Euro, je nach Verkehrsaufkommen.

Der Euromast wurde Ende der 1950er Jahre gebaut und war anfangs nur 101 Meter hoch, bevor zehn Jahre später der 84 Meter hohe Mast aufgesetzt wurde. Seitdem ist er das höchste Bauwerk in den Niederlanden. Wir steigen kurz aus und starren uns die Augen aus dem Kopf, so viel gibt es hier zu sehen. Der Turm, an dem gerade abenteuerliche Abseilaktionen stattfinden, der Fluss mit den Schiffen und natürlich all die Gebäude ringsum ziehen uns in ihren Bann. Dieser völlig eigene architektonische Stil ist wunderschön anzusehen. Die Grumman hat uns in kürzester Zeit in eine andere Welt gebeamt, eine Welt des Urlaubs und der Erholung.

Im Taxi, das auf uns gewartet hat, geht es weiter vorbei am Het Park, der Kunsthalle und der Erasmusbrücke, die sich über die Nieuwe Maas spannt. Sie wird auch "The Swan" genannt – wahrscheinlich, weil durch den abgeknickten oberen Teil des Pylons dieser Schrägseilbrücke eine Ähnlichkeit mit einem Schwan zu erkennen ist. In der knappen Zeit schaffen wir es nicht, über die Brücke in das städtebauliche Entwicklungsgebiet Kop van Zuid zu fahren, wo wir einige Sehenswürdigkeiten verpassen. Aber auch von unserem Standpunkt aus können wir die ausgefallenen Hochhäuser bewundern. Auf der Schnellstraße parallel zum Fluss fahren wir an Drehorten zum Film "Rushhour II" mit Jackie Chan vorbei, wie zum Beispiel Leuvehaven oder Willemsbrug.

Iris van den Broek
Die gelben Kubushäuser gehören bei einem Stadtrundgang einfach dazu.

An der Haltestelle "Blaak" im Viertel Stadsriehoek steigen wir aus und bezahlen für die komplette Fahrt ab Flughafen 60 Euro. Der Hunger treibt uns in die Markthalle, ein Wunder der Baukunst. In ihren Wänden sind 223 Wohnungen versteckt, und sie ist unterkellert mit drei Untergeschossen, die hauptsächlich als Parkhaus dienen. Wir können uns kaum zwischen den internationalen Speisen entscheiden, die an den zahlreichen Ständen angeboten werden. Frisch gestärkt geht es an den bekannten gelben Kubushäusern vorbei. Diese interessante Anordnung von Wohnraum sieht aus der Luft aus wie eine Bienenwabe und endet am Oude Haven (alter Hafen) mit dem Witte Huis, dem ersten "Wolkenkratzer" Hollands. Dieser Hafen und das Haus sind die letzten Überbleibsel aus der Vorkriegszeit.

Ein Muss in Rotterdam ist eine Stippvisite im Maritim Museum mit seinen Schiffen und Hightech-Exponaten. Sollten Sie mit Kindern unterwegs sein, empfehle ich Ihnen einen Besuch des "Kids Marina": In elektrisch angetriebenen Mini-Schiffen sind die Kinder selbst Kapitän, und der Tag ist gerettet. Eine Fahrt mit einem Wasserbus, der tatsächlich an Land und im Wasser fährt, sollte dann auch noch drin sein. Wir laufen über die Hauptstraße Coolsingel vorbei am Stadthaus bis zum Hofplein-Springbrunnen, biegen dann nach links ab und passieren elegante Bürogebäude. Unser Weg führt uns zum Hauptbahnhof, der ebenso ein bauliches Kunstwerk ist wie die ganze Stadt.

Jan Bijl
Der Oude Haven erinnert an alte Zeiten. Das 1898 erbaute Witte Huis gilt als eines der ersten Hochhäuser Europas.

Gastfreundschaft und Sauberkeit

Wer in Rotterdam ein Taxi ruft, muss oft mit langer Wartezeit rechnen. Am Flughafen und am Hauptbahnhof bekommt man jedoch immer eines. Alternativ gibt es Straßenbahnen, Busse oder die U-Bahn. E-Scooter kann man sich ebenfalls ausleihen, muss diese aber wieder zurückbringen. Das ist zwar umständlich, führt aber dazu, dass das Stadtbild aufgeräumter wirkt als bei uns. Überhaupt empfinde ich die Stadt als sehr ordentlich. Wir entdecken keine Baustellen, und Müll liegt auch nicht rum. Auffällig ist vor allem die positive Ausstrahlung der Menschen: Egal ob Margot vom Vliegclub, die Jungs vom Handling, der Taxifahrer oder die Polizisten, die wir nach dem Weg gefragt haben: Alle sind freundlich und hilfsbereit mit einem echten Lächeln im Gesicht.

Rotterdam ist eine moderne Stadt mit außergewöhnlicher Architektur, eine Spielwiese für so manchen Baukünstler. Leider drängt die Zeit, sodass wir es trotz geballter Frauenpower nicht schaffen, all das anzuschauen, was auf unserer Wunschliste steht. Der Abflug über die Stadt und entlang der Skyline ist dann das i-Tüpfelchen unseres Ausflugs. Ich setze die Mädels in Borkenberge ab und lande kurz vor Sunset plus 30 wieder in Bonn.

Guido Pijper
Beim Abflug liegt einem der Tiefseehafen Rotterdam zu Füßen. Im Hintergrund bietet sich ein toller Blick auf die Skyline.

Fazit

Fünf Sterne für diese Stadt, die ganz in der Nähe zu Nordrhein-Westfalen liegt und unglaublich viel zu bieten hat: Kultur, Erholung, Erlebnis, Sauberkeit und ein kulinarisches Angebot vom Feinsten. Da werde ich wohl Wiederholungstäter.

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