Twitter-Konto bleibt
Elon Musk lässt seinen Privatjet weiter stalken

Der neue Twitter-Besitzer Elon Musk will das Konto @ElonJet nicht sperren, mit dem ein junger Amerikaner die Flugwege von Musks Privatjet, einer Gulfstream G650ER, verfolgt.

 Elon Musk lässt seinen Privatjet weiter stalken
Foto: Gulfstream

"Mein Engagement für die Meinungsfreiheit geht sogar so weit, dass ich das Konto, das meinem Flugzeug folgt, nicht sperre, auch wenn dies ein unmittelbares persönliches Sicherheitsrisiko darstellt.", so Elon Musk .

Der Twitter-Kanal, um den es geht, ist @ElonJet. Seit 2020 lässt sich dort jede Flugbewegung von Musks Privatjet verfolgen – was den Milliardär wenig erfreut. Auch wenn es bislang noch nie zu einem gefährlichen Vorfall durch die Veröffentlichung von Musks Flugbewegungen auf Twitter gekommen ist: Der Milliardär hat tatsächlich ein gewichtiges Argument, wenn er von einer Gefährdung spricht. Es ist schließlich nicht auszuschließen, dass auch Kriminelle derartige Bewegungsprofile Prominenter für ihre Zwecke nutzen.

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Mit diesem Tweet versprach Elon Musk, den Kanal @ElonJet nicht zu sperren.

Umso mehr überrascht es die Twitter-Gemeinde, dass Elon Musk @ElonJet mit dem Post auf seinem eigenen Kanal öffentlich ein Weiterleben verspricht: Jack Sweeney, der Gründer des Tracking-Dienstes, hatte wenige Tage zuvor unter seinen Followern eine Umfrage gestartet. Er wollte herausfinden, wie viele Leute damit rechnen, dass Musk, nachdem er die Kontrolle über die Social-Media-Plattform erlangt hat, nun @ElonJet sperren lassen wird. Fast 60 Prozent waren davon überzeugt. Sie haben sich getäuscht.

Seit 2020 stalkt Sweeney, Luftfahrt-Student aus dem sonnigen Florida, den Jet des Milliardärs. @ElonJet ist auch nur eines von 15 Konten, die der junge Amerikaner erstellt hat. Alle verfolgen reiche Persönlichkeiten, Jeff Bezos und Bill Gates mit eingeschlossen. Dafür braucht es ein großes Wissen darüber, wie Fugsicherung arbeitet – und einen Datenschutz in den USA, der nicht mit dem deutschen vergleichbar ist. Eine Menge Details zu Elon Musks Flugzeug finden sich schon in der behördlichen Database, die jedermann öffentlich einsehen kann: Gulfstream G650ER, Seriennummer 6177, registriert als N628TS auf die Falcon Landing LLC in 1 Rocked Road, dem Hauptquartier von Musks Weltraumfirma SpaceX.

Öffentliche Daten

Für die Flugverfolgung nutzt Sweeney ebenfalls ausschließlich öffentliche Daten, obwohl Musk das Kennzeichen seines Jets auf Flugverfolgungsportalen wie flightradar24.com längst hat sperren lassen. Aber auch gesperrte Flugzeuge sind nicht wirklich privat. In diesen Fällen verwendet Sweeney die Daten der ADS-B-Transponder, die in den meisten Flugzeugen vorhanden sind und die Position eines Flugzeugs in der Luft in Echtzeit übermitteln. Sweeneys Bots können anhand der Flughöhe eines Flugzeugs in Verbindung mit dem Zeitpunkt des Empfangs der Daten feststellen, wann es startet oder landet. Anschließend können sie Längen- und Breitengrad mit einer Datenbank von Flughäfen abgleichen, um festzustellen, wo das Flugzeug startet oder landet. @ElonJet kann zwar nicht auf gesperrte FAA-Daten zurückgreifen, um herauszufinden, wohin ein Flugzeug fliegen will, aber Sweeneys Bots können die Echtzeit-ADS-B-Daten mit einer anderen Website abgleichen, die anonymisierte Versionen der FAA-Flugpläne veröffentlicht. Auf diese Weise kann der Bot das Flugzeug, das er in Echtzeit verfolgt, mit den anonymisierten FAA-Flugplänen abgleichen und das beabsichtigte Ziel jedes Flugzeugs ermitteln. Diese Informationen sind alle öffentlich und können für die Verfolgung der meisten Privatflugzeuge verwendet werden. "Sogar die Informationen zur Air Force One dürfen geteilt werden", schreibt Sweeney sebstbewusst.

5000-Dollar-Angebot war zu wenig

"Kannst du das rausnehmen? Das ist ein Sicherheitsrisiko", forderte Elon Musk den den 19-jährigen Jack Sweeney bereits vor einem Jahr auf und bot ihm 5000 Dollar, den Twitter-Kanal abzuschalten. Damals war das Angebot dem Luftfahrtstudenten zu gering. Musk solle eine "0" dranhängen, antwortete Sweeney, 50000 Dollar würden dem Milliardär schließlich nicht weh tun und ihm sein Studium finanzieren.

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Sweeney reagierte umgehend auf Musks Ankündigung.

Bis jetzt ist Elon Musk nicht auf Sweeneys "Gegenangebot" eingegangen. Weswegen Sweeney nochmals nachhakt: "Auch ich verurteile die Verwendung meines Kontos, um Sie aufzuspüren und jeden, der Sie persönlich sucht. Ich bin offen, über die Bedingungen für eine einvernehmliche Löschung des Kontos zu sprechen. Ich war nur nicht glücklich mit den vorherigen Bedingungen, die wir besprochen hatten."

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