DRF Luftrettung

H145 Upgrade: Nummer 5 dreht

H145 Upgrade Nummer 5 dreht

Die DRF Luftrettung rüstet ihre H145-Flotte auf den neuen Fünfblattrotor um. Was nach dem Tausch einer Komponente aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als umfangreiche Modellpflege des beliebten Mehrzweckhelikopters.

Bei 120 Knoten fühlt es sich an, wie mit einem Auto und laufendem Motor an der Ampel zu stehen", beschreibt Ralph Haiml das Flugverhalten der H145 mit dem neuen Fünfblattrotor. Er verantwortet das erste Retrofit dieses Musters mit dem neuen Rotorsystem in der Werft der DRF Luftrettung am Baden-Airpark. Nachdem der erste Umbau im Mai 2021 noch in Donauwörth bei Airbus Helicopters stattgefunden hatte, wurde nun die erste Maschine bei der DRF selbst umgerüstet. Es ist eine große Investition, sie macht das Hubschraubermuster besser und flexibler. "Mit dieser Weiterentwicklung verfolgen wir konsequent unser zentrales Ziel: morgen auch die Menschen zu retten, denen wir heute noch nicht helfen können", erklärt der Vorstandsvorsitzende der DRF Luftrettung, Dr. Krystian Pracz, die Pläne.

Während der alte Vierblattrotor eine ölgefüllten Titannabe verwendete, ist der neue Fünfblattrotor gelenk- und lagerlos und damit leichter und weniger wartungsintensiv. Der alte Kopf musste alle sechs Jahre oder 4800 Stunden aufwendig überholt werden. Die Steuerung der neuen, zweiteiligen Blätter übernimmt ein innenliegendes Drillsteuerelement.

Carl Nowak
Einen Monat dauert die Operation „am offenen Herzen“. Für die Umrüstung auf den neuen Rotor wird die H145 weitgehend zerlegt.

Neue Technik an Board

Die Modellpflege geht weit über den neuen Rotor hinaus. Aufgrund des ruhigeren und vibrationsärmeren Flugverhaltens kann der AVCS (Active Vibrations Control System) genannte Vibrationstilger ausgebaut werden, was alleine 80 Kilogramm Gewicht einspart. Dazu erhalten die Helikopter ein neues Kollisionsvermeidungssystem (FLARM), ein neues Traffic Advisory System sowie Steuerstangen mit geringeren und damit materialschonenderen Steuerkräften. Das ELT musste mit einem Nickel-Cadmium-Akku ausgerüstet werden, da die bisher verwendeten Lithium-Polymer-Akkus nicht mehr verbaut werden dürfen. Eine dritte, elektrisch betriebene Hydraulikpumpe soll den Vorflugcheck am Rotor vereinfachen. Im Cockpit wird das Instrumentenpanel an die neuen Funktionen und Aggregate angepasst, ein neuer künstlicher Horizont und ein ebenfalls neuer Steuerhebel verbaut. Die Integration von Wi-Fi ermöglicht nun eine Kommunikation zwischen Tablet und Bordcomputer. Um die zahlreichen Modifikationen zu implementieren, muss der Helikopter aufwendig teilzerlegt werden. Der hintere Rumpfteil wird dabei vollständig entfernt.

Carl Nowak
Weniger Aufwand: Der neue Rotor bringt nicht nur Vorteile im fliegerischen Betrieb, sondern ist auch wartungsfreundlicher.

Änderungen erhöhen Nutzlast

Das Airbus-Retrofit-Kit erlaubt der H145 insgesamt 150 Kilogramm mehr Zuladung. So kann entweder mehr medizinisches Personal, mehr Ausrüstung oder mehr Treibstoff für einen größeren Einsatzradius transportiert werden. "Allein bei der 800-Stunden-Kontrolle entfallen 100 Punkte", erklärt Ralph Haiml die Vorteile des neuen Rotors im Betrieb. Rund einen Monat dauert die Umrüstung eines Helikopters. Danach folgen Checkflüge sowie das Training der Besatzung. Inzwischen sind bereits vier H145 der DRF Luftrettung mit den neuen Rotoren an den Stationen Stuttgart, Villingen-Schwenningen, Hannover und Regensburg im Einsatz. Die hier gezeigte Maschine hat Mitte Dezember 2021 ihren Dienst in Nürnberg angetreten und wird als "Christoph Nürnberg" für dringende Transporte zwischen Kliniken und für die Notfallrettung zur Verfügung stehen. Zukünftig will die DRF die Umrüstung in der Werft am Baden-Airpark auch für externe Firmen anbieten.

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