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Bombardier Global 7000 — Totgeglaubte leben länger

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Nachdem Branchenexperten das Scheitern von Bombardiers Global-7000-Programm prophezeiten und das Unternehmen allgemein auf wackeligen Beinen sahen, markiert der Erstflug des neuen Jets einen wichtigen Wendepunkt in der jüngsten Firmengeschichte der Kanadier.

Anfang Oktober 2015 nimmt der erste Prototyp der Global 7000 in Bombardiers Werkshalle in Toronto, Kanada, langsam Gestalt an. Gleichzeitig veröffentlicht man Details zur Kabine des neuen Jets: Der Innenraum soll in vier Bereiche unterteilt sein – ein Novum in dieser Klasse – und in Sachen Komfort und Unterhaltungsangebot für Langstreckenreisen von über 7000 Nautischen Meilen optimiert sein. Sogar ein separater Ruhebereich für das Flugzeugpersonal sei vorgesehen. Auf der NBAA 2016 in Orlando, USA, konnten Besucher zum ersten Mal ein voll ausgestattetes Mockup bewundern. Beim Betreten wurde schnell klar, dass es die Kanadier mit der Global 7000 auf Gulfstream G650 und Co. abgesehen haben.

Die eigentliche Sensation fand gleichzeitig und fernab des Messetrubels in Bombardiers Homebase in Toronto statt: Am 4. November startete der erste Prototyp mit der nüchternen Bezeichnung „First Flight Test Vehicle“ zu seinem Jungfernflug. Diese Neuigkeit sorgte auch auf der NBAA für Furore. Denn nachdem die Kanadier 2015 die Produktion der Business Jets Global 5000 und 6000 um die Hälfte reduzierten, zweifelten viele daran, dass das 7000er-Programm eine Zukunft hat. So war der von Bombardier gewählte Tag kein Zufall: Man wollte mit dem Erstflug während des größten Branchentreffens der USA ein klares Statement setzen: „Wir sind gesund, und es geht uns gut.“

Kapitän Ed Grabman und Copilot Jeff Karnes steuerten den Prototyp an diesem Tag. Auch Testingenieur Jason Nickel war an Bord und stand den Piloten bei technischen Fragen zur Seite. Der Flug dauerte zwei Stunden und 27 Minuten. Während dieser Zeit prüfte die Crew die allgemeine Funktionsfähigkeit der Systeme, die Bedienbarkeit und die Flug-eigenschaften. Der Zweistrahler kletterte stufenweise auf über 6000 Meter und erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 240 Knoten. Auf Belastungstests der Triebwerke verzichteten Grabman und sein Kollege bewusst – die Global 7000 absolvierte diese aber mit Erfolg wenige Tage später.

„Dieser Erstflug bündelt eine unglaubliche Menge an Wissen und Erfahrungen von unseren Mitarbeitern, Partnern und Lieferanten“, sagte David Coleal, Präsident von Bombardier Business Aircraft. „Dies ist ein stolzer Moment, der beweist, dass das Global-7000-Programm völlig im Zeitplan liegt.“ Mittlerweile akkumulierte das Testprogramm etwa 30 Stunden in mehr als 15 Flügen. Diese Werte sollten in den nächsten Monaten stark ansteigen, da weitere Testflugzeuge in Dienst gestellt werden. Insgesamt ist der Bau von vier Prototypen geplant. Der zweite ist beinahe fertiggestellt und wird in Kürze in das Erprobungsprogramm einsteigen. Bei Nummer drei wird der Fokus auf den elektronischen Bordsystemen und der Avionik liegen. Mit Fertigstellung des vierten Flugzeugs, das vollständig ausgebaut und sogar ein serienreifes Interieur erhalten wird, neigt sich die Erprobungsphase ihrem Ende zu.

Die neue Global 7000 soll laut Coleal Bombardiers Umsatz ab Indienststellung bis Ende 2020 um drei Milliarden Dollar steigern. Die Auslieferungen der ersten Maschinen sind für die zweite Hälfte 2018 vorgesehen.

Enorme Reichweite und hohe Geschwindigkeit

Zu den ersten Kunden, deren Namen von Bombardier bekannt gegeben worden sind, zählt das amerikanische Unternehmen NetJets, das Inhaberanteile von Geschäftsreiseflugzeugen verkauft und Maschinen vermietet. Der Schweizer VIP-Charter Comlux bestellte zwei Flugzeuge, um
damit seine bestehende Bombardier-Flotte auszubauen. Auch Formel-1-Legende Niki Lauda gehört zu den ersten Kunden. Lauda, der bereits seit vielen Jahren als Markenbotschafter von Bombardier aktiv ist, unterschrieb auf der EBACE 2015 den Kaufvertrag für seinen Jet.

Das Interesse an der Global 7000 kommt nicht von ungefähr: Der Jet besitzt eine enorme Reichweite von 13 700 Kilometern (7400 NM) bei Mach 0.85 und acht Passagieren an Bord. So wären Direktflüge von New York nach Dubai, von Sydney nach San Francisco oder von London nach Singapur möglich.
Der 72,8-Millionen-Dollar-Jet nutzt das Vision Flight Deck mit Fly-by-Wire-Steuerung, das zum ersten Mal in den Modellen von Bombardiers C Series zum Einsatz kam. Es bietet unter anderem ein Enhanced Vision System, das Flugdaten wie zum Beispiel aktuelle Wetterinformationen interaktiv in die Routenführung einkalkuliert.

Die Maximalgeschwindigkeit des kanadischen Jets beträgt Mach 0.925. Den Antrieb bewerkstelligen zwei Passport-Triebwerke von General Electric. Die Entwicklung fand in Kooperation mit den französischen Spezialisten von Safran statt. Das Passport soll acht Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstoßen als die Global Express XRS mit Rolls-Royce-Triebwerken, die GE-intern als Maßstab dient.

Die Zertifizierung des GE-Passport erfolgte am 23. Mai 2016 durch die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA. Die Erprobung an der Global 7000 begann im September, also nur kurze Zeit vor ihrem Erstflug.
Der 4. November markiert für die Kanadier einen doppelten Meilenstein: Neben dem lang-ersehnten Jungfernflug der Global 7000 zeigte man der Branche auch, dass Bombardier allen Unkenrufen zum Trotz Durchhaltevermögen und – viel wichtiger – eine Zukunft besitzt.

Technische Daten: Global 7000

Die Höchstgeschwindigkeit, die Bombardiers neuer Business Jet mit den beiden GE Passport erreicht, liegt bei beachtlichen Mach 0.925. Foto und Copyright: Bombardier

Daten Bombardier Global 7000

Hersteller: Bombardier
Sitzplätze: maximal 17
Verwendung: Geschäftsreiseflugzeug

Antrieb

Hersteller: General Electric
Typ: Passport
Anzahl: 2
Schub: 73 kN (16 500 lbs)

Avionik
Hersteller: Bombardier
Typ: Vision

Abmessungen
Länge: 33,9 m
Höhe: 8,2 m
Spannweite: 31,7 m
Innenlänge: 16,64 m
Innenhöhe: 1,91 m
Innenbreite: 2,11 m

Massen und Mengen
Leermasse: 25 764 kg
maximale Startmasse: 48 194 kg
maximale Landemasse: 38 918 kg
Tankinhalt: 21 523 kg

Flugleistungen
Startstrecke: 1814 m
Landestrecke: 856 m
Reisegeschwindigkeit: Mach 0.85
Höchstgeschwindigkeit: Mach 0.925
Dienstgipfelhöhe: 51 000 ft (15 545 m)
Reichweite: 7400 NM (13 705 km)

aerokurier Ausgabe 03/2017

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