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Bruchlandung mit Cessna 172

Ein schwerwiegender Fehler

Foto: BFU

Eine Pilotin will mit zwei Fluggästen zu einem Rundflug starten. Spontan kommt noch eine vierte Frau an Bord. Das bringt die Beladung an einen kritischen Punkt.

Spontaneität vor dem Start kann die Flugvorbereitung ziemlich auf den Kopf stellen. Das empfindet mancher Pilot als lästig: Man muss nochmals tanken, weil der Rundflug doch etwas weiter gehen soll, oder braucht kurzfristig einen Slot, weil eine andere Strecke geflogen wird als geplant. Kommen mehr Koffer oder Passagiere an Bord, ist eigentlich eine neue Berechnung von Gewicht und Schwerpunktlage notwendig. Wer sie vergisst oder einfach auf gut Glück losfliegt, geht unter Umständen ein hohes Risiko ein. Der Untersuchungsbericht 17-0986-3X der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) zeigt, wie schmal der Grat zwischen Flexibilität auf der einen Seite und unkalkulierbarem Risiko auf der anderen Seite sein kann.

Foto: BFU
Langer Startlauf, kaum Höhengewinn: Die Cessna hob sehr wahrscheinlich mit einem hohen Anstellwinkel und niedriger Geschwindigkeit ab. Der Wald hinter der Schwelle war dadurch nicht überfliegbar.

Perfekter Sommertag Tag für einen Rundflug

Der 28. Juli 2017 ist ein warmer Hochsommertag mit guten Sichtflugbedingungen. Die Wolkenuntergrenze über dem Flugplatz Allstedt im Südharz, rund 95 Kilometer westlich von Leipzig, liegt bei 4000 Fuß, die Bodensicht beträgt über 30 Kilometer. Aus 250 Grad weht ein Wind von zehn bis zwölf Knoten.

Am frühen Nachmittag will die Pilotin einer Cessna 172N mit zwei Passagieren zu einem Rundflug starten. Mit 940 Stunden Gesamtflugerfahrung und rund 2700 Starts hat die 69-Jährige einen guten Erfahrungsstand, auch wenn sie überwiegend mit Motorseglern und Segelflugzeugen unterwegs ist. Mit der C172 N war sie zuletzt vor zehn Monaten in der Luft.

Vier Frauen und eine Cessna

Kurz vor dem Start wird spontan entschieden, noch einen dritten Fluggast mit an Bord zu nehmen. Geplant ist eine Sightseeing-Tour von etwa einer halben Stunde in der Umgebung des Flugplatzes. Die Cessna rollt schließlich mit vier Frauen an Bord zum Rollhalt der Piste 25. Die Bedingungen sind ideal: mäßiger Wind direkt von vorn bei einer Temperatur von 21 Grad.

Schwerfälliger Steigflug

Um 13:26 Uhr schiebt die Pilotin den Gashebel nach vorn und beschleunigt. Der Startlauf ist nach ihrer Ansicht normal. Nach dem Take-off steigt die Cessna zunächst auf rund 25 Meter und überfliegt dabei eine Photovoltaikanlage, die direkt in der Verlängerung der Piste an die Schwelle angrenzt. Jetzt erkennt die Pilotin, dass der Steigflug nicht normal verläuft. Die Maschine nähert sich einem in Abflugrichtung gelegenen Wald. Doch die bis zu 35 Meter hohen Bäume kann die C172 nicht überfliegen. Die Pilotin entscheidet sich daher für eine Rückkehr zur Startbahn und will eine Umkehrkurve nach links einleiten. Dann muss sie zwei Bäumen ausweichen. Wenige Augenblicke danach kracht der Hochdecker in ein von kleineren Bäumen und Büschen bewachsenes Wiesengelände südwestlich der Schwelle. Erst nach dem Aufprall ertönt die akustische Überziehwarnung.

Das Abfluggewicht als Wurzel des Übels?

Alle vier Insassen haben Glück und überleben die Bruchlandung, drei jedoch mit schweren Verletzungen. Ein Fluggast kommt mit leichten Verletzungen davon. Die Cessna wird stark beschädigt.

Die Ermittlungen der BFU konzentrieren sich zunächst auf das Abfluggewicht der Cessna, da es keine Hinweise auf Triebwerksprobleme gibt. Dabei schätzen die Experten schon das für drei Personen berechnete Abfluggewicht als sehr optimistisch ein. Wegen des zusätzlichen Gewichts eines weiteren Passagiers sei davon auszugehen, dass das Abheben aufgrund der Beladung und der hinteren Schwerpunktlage nicht wie gewohnt möglich war, so die Ermittler. Die Pilotin gibt außerdem zu Protokoll, dass der vorn sitzende Fluggast möglicherweise beim Startlauf unbeabsichtigt in die Bremsen getreten habe.

Foto: BFU
Bruchlandung: Die C172 N stürzte nur 700 Metersüdwestlich der Piste auf eine Wiese. Zum Glück gab es keine Todesopfer zu verzeichnen.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Was den Startlauf angeht, so widerspricht die Aussage der Flugleiterin jedoch den Darstellungen der Pilotin. Die 69-Jährige gibt an, der Startlauf sei normal gewesen, und die Cessna habe auf Höhe der Halbbahnmarkierung abgehoben. Laut der Flugleiterin habe die Cessna dagegen erst sehr spät abgehoben und die Photovoltaikanlage in einem flachen und taumelnden Flug überquert. Dann sei sie nach links im Sinkflug verschwunden, so die Zeugin. Die BFU-Ermittler schließen daraus, dass die C172 nach dem Abheben mit einem zu hohen Anstellwinkel und zu geringer Fahrt flog.

Startabbruch – die bessere Option

Der genaue Flugweg bis zum Unfallort konnte nicht rekonstruiert werden, da keine Radaraufzeichnungen vorlagen. Die BFU hält das von der Pilotin beschriebene Umkehrmanöver aufgrund der geringen Flughöhe und Fluggeschwindigkeit aber für „nicht plausibel“. Auch die Spuren an der Unfallstelle würden einen Anflug aus nördlicher Richtung nahelegen.

Sicher ist, dass eine Umkehrkurve unter diesen Voraussetzungen wohl kaum Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Angesichts der verminderten Leistung der C172 durch den zusätzlichen Passagier wäre ein Startabbruch eine „folgerichtige Option“ gewesen, so die BFU. Die 1200 Meter lange Betonpiste hätte jedenfalls ausreichend Platz dafür geboten.

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