in Kooperation mit
Petflo2000 Wikipedia

Neuheit

Schempp-Hirth und Tesa entwickeln Winkel-Klebeband

Seit Jahren klagen Piloten moderner Segelflugzeuge über die Schwierigkeit, ihre Flugzeuge nach dem Aufrüsen ordentlich abzudichten. Der Kirchheimer Segelflugzeugbauer Schempp-Hirth und die Tesa-Gruppe der Beiersdorf AG wollen jetzt bei der Entwicklung einer Lösung kooperieren.

Der Ärger beim Aufrüsten lässt oft nur wenige Minuten auf sich warten: Kaum sind die Tragflächen mehr oder minder gewaltfrei am Rumpf angeschlagen, steht das aufwändige Abdichten des dazwischenliegenden Spaltes auf dem Programm. Lässt sich das auf der Oberseite meist noch einigermaßen flüssig und gleichmäßig realisieren, müssen sich Piloten nahezu aller modernen Hochleistungs-Segelflugzeuge auf der Unterseite in orientalischer Faltkunst üben. Selbst akkurat mittig angesetzt, wandert der Tapestreifen regelmäßig in eine Richtung aus, bläht sich, wirft Falten und muss mehrfach wieder abgezogen und neu platziert werden. Das kostet Zeit, lässt den Blutdruck des Piloten steigen und seine Laune sinken. Regelmäßig sind Flüche zu hören, die die Unfähigkeit der heutigen Ingenieure geißeln oder an die guten alten Zeiten von Flugzeugen mit ausgeprägtem Rumpf-Flügel-Übergang wie LS1 oder PIK-20D erinnern.

Pünktlich zum Saisonbeginn gibt es für die Klebe-gefrusteten Grund zur Hoffnung. In einer gemeinsamen Stellungnahme geben der Kirchheimer Flugzeugbauer Schempp-Hirth und der zur Beiersdorf AG gehörende Klebebandhersteller Tesa bekannt, bei der Enwicklung eines speziellen Winkel-Klebebandes kooperieren zu wollen. „Die Kritik am fehlenden Rumpf-Flächen-Übergang bekommen wir seit vielen Jahren immer wieder zu hören“, sagte Schempp-Hirth-Geschäftsführer Tilo Holighaus auf aerokurier-Nachfrage. „Jetzt, wo wir aerodynamisch nahezu alles aus unseren Segelflugzeugen herausgeholt haben, wird es Zeit, diese Schwachstelle auch noch anzugehen und uns damit einen Sympathievorsprung vor der Konkurrenz zu sichern.“ Eine Verbesserung durch komplette Neukonstruktion von Duo, Arcus und Co. schied des Aufwandes wegen aus, deshalb suchte Schempp-Hirth einen Partner, mit dem man die Thematik auf andere Weise würde angehen können.

Bei Tesa freute man sich über die Anfrage, war aber nicht sicher, das Problem lösen zu können. Insbesondere das Aufrollen des Klebebandes stellte die Experten vor ein riesiges Problem, das schließlich auf unkonventionelle Art und Weise gelöst wurde. „Aktuell experimentieren wir mit hauchdünnen, starren und selbstklebenden L-Profilen, die direkt auf die passende Länge geschnitten in den Handel kommen könnten“, erklärte ein mit der Entwicklung befasster Ingenieur dem aerokurier in einem vertraulichen Hintergrundgespräch. Der Pilot bräuchte dann nur die Schutzfolien abzuziehen und könne das Profil direkt auf den Spalt aufbringen. „Eine absolute Erleichterung“, so der Fachmann.

Wann die neue Technik einsatzbereit sein soll, ist noch offen. „Wir hoffen, dass wir Mitte der Saison die ersten Versuche mit den Tape-Profilen machen können“, gibt sich Holighaus optimistisch. Eine zeitlang wird man sich also noch gedulden müssen. Von der Do-it-Yourself-Idee, im Winkel auf der Unterseite der Flächen einfach die Kartuschenpresse anzusetzen und mit Acryl oder Silikon zu verfugen, rät Tilo Holighaus indes ab. „Das rauskratzen nach dem Flug ist eine Sauarbeit“, erklärt er und verweist darauf, dass man zudem jedes Mal vor dem Flug ein Eis essen müsste, um einen Spatel für das Abziehen der Masse zur Hand zu haben. „Das macht am Ende einfach nur dick.“

Zur Startseite
Segelflug Segelflug DG Flugzeugbau DG1001 wird zum ersten FES-Doppelsitzer

Der Front Electric Sustainer bestehend aus Elektromotor in der Bugspitze,...