16.08.2016
Erschienen in: 07/ 2015 aerokurier

Sicher abgedecktSchutzbezüge – mehr als nur ein Stück Stoff

Schutzbezüge für Flugzeuge müssen vielen Forderungen gerecht werden. Material und Design von Qualitätsbezügen sind daher wohldurchdacht.

Für manche Flugzeugeigner scheint es eine hoch emotionale Angelegenheit zu sein: Sie erwecken den Eindruck, als könnten sie nicht ruhig schlafen, wenn sie ihr Flugzeug ohne seinen Schutzüberzug auf dem Abstellplatz zurücklassen. Und es sind keineswegs nur die Laternenparker, die ihr Fluggerät mit einer Abdeckhülle versehen, bevor sie den Flugplatz verlassen. Auch in Hallen sieht man Flugzeuge stehen, die teilweise oder vollständig unter einem textilen Mantel verborgen sind.

Schutzbezüge für Flugzeuge gibt es in sehr unterschiedlichen Formen. Manche decken nur den Cockpitbereich ab, andere den Rumpf oder nur die Cowling. Natürlich gibt es auch Ganzkörperanzüge, die bis hin zu den Antennen praktisch jeden Quadratzentimeter der Flugzeugoberfläche verhüllen. Diese haben, wenn sie alle Bauteile einschließen, nicht selten eine recht komplexe Form.

An sich schützt ja die Lackierung die Oberfläche vor allen Umwelteinflüssen, die auf das Fluggerät einwirken mögen. Warum also noch eine zweite Haut für die Dauer des Abstellens?

Die Oberfläche eines Flugzeugs hat viele natürliche Feinde, könnte man sagen. Da ist zunächst einmal die Sonneneinstrahlung.  Diese greift vor allem die Kunststoffteile im Cockpit und die Sitzbezüge an und lässt sie schneller altern. Ist der Kabinenbereich ungeschützt, kommt es dort zu einem Wechsel von hohen und tieferen Temperaturen, was die Kondensation fördert, die wiederum vor allem der Avionik schaden kann. Ein großes Thema ist das Wasser, das in Form von Niederschlägen auf das Flugzeug herabfällt und allzu gerne in jede  ungeschützte Ritze eindringt, um dort unheilvoll zu wirken. Auf andere Art, aber nicht weniger unheilvoll, kann Hagel wirken, wenn ihm das Flugzeug im Freien schutzlos ausgeliefert ist. Zu den herabfallenden Schädigern gehört auch der Vogelkot. Die Hinterlassenschaften der gefiederten Freunde sind säurehaltig  und verätzen den Lack, und dies bereits nach kurzer Einwirkzeit. Steht das Flugzeug in der Sonne, verstärkt sich der Effekt sogar noch. Alle anderen Arten von Dreck und Staub, die sich auf dem Flugzeug niederlassen, sind nicht nur unschön anzusehen, auch sie schaden der Oberfläche, zum Beispiel durch Verkratzen. Auch der Performance tun die ungebetenen Partikel nicht gut.

Zu den natürlichen Feinden müssen letzten Endes auch die Fliegerkameraden gezählt werden, die unachtsam sind und dem abgestellten Flugzeug beim Hantieren mit Gegenständen Macken verpassen.

Hagel- und Schlagschutz

Es sind also Beschädigungsversuche von sehr unterschiedlicher Art, die ein Schutzüberzug abwehren können sollte. Dementsprechend vielfältig und hoch angesetzt sind die Anforderungen an das Material, die Verarbeitung und die Gestaltung. Hinzu kommen Anforderungen zum Beispiel an die Handhabung oder das Gewicht. Qualitätsbezüge sind daher aus mehreren Lagen mit jeweils eigener Aufgabe aufgebaut und bestehen aus speziellem Material.

Da nicht jeder Materialmix für jeden Einsatzzweck gleich gut geeignet ist, haben spezialisierte Hersteller für die unterschiedlichen Einsatzbedingungen eigens konzipierte Überzüge im Angebot. ISS-Protect aus Donzdorf zum Beispiel unterscheidet zwischen Allwetter-, Staub- und Reiseüberzügen. Letztere sind besonders leicht und daher ideal für ULs und den Reisesegelflug. Ein Schlüsselmerkmal eines jeden Schutzbezugs ist die Herstellung von ausreichender Belüftung, um die  sehr nachteilige Bildung von Kondensation unterhalb des Überzugs zu vermeiden. ISS-Protect setzt daher auf ein Polyester-Distanzgewebe mit antistatischer Ausrüstung, das im Gegensatz zu Baumwolle keine Feuchtigkeit bindet. Selbst bei Windstille soll das antistatische Netzgewebe für ausreichende Luftzirkulation sorgen und so Kondensation ausschließen.

Besonders stolz sind die Donzdorfer auf ihren „Space Flex Protector“, eine Zwischenlage, die ein hohes Maß an Hagel- und Schlagschutz gewährleisten soll.

Seit 1992 auf dem Markt sind die Produkte der Firma Jaxida, die heute von Uli Schwenk in St. Johann-Würtingen geleitet wird. Jaxida hat sich ein breites Angebot an maßgeschneiderten Schutzbezügen für alle Arten von Fluggerät aufgebaut.  Im Programm sind unterschiedliche Materialzusammensetzungen, der Verkaufsschlager bei den Allwetterbezügen ist die Serie „Air Pro“. Für dieses Material sichert Jaxida unter anderem UV-Beständigkeit, Salzwasserbeständigkeit und Resistenz gegen Vogelkot zu. Die Bezüge der Serie „Air Plus“ sind besonders leicht und sollen trotzdem harten Anforderungen standhalten.

In Großbritannien beheimatet ist die Firma Cambrai. Auch sie ist schon recht lange auf dem Markt  und kann mit  Schnittmustern für mehr als 500 Flugzeuge aufwarten. Für die Bestellung muss niemand auf die Insel reisen, das geschieht ganz entspannt per Formular. 

aerokurier Ausgabe 07/2015



Weitere interessante Inhalte
Neue Uhr und neue Avionik-Features Garmin zündet Update-Feuerwerk

18.07.2018 - Drei Modelle, interner Speicher für Musik und ein Sensor zur Sauerstoffmessung im Blut: Garmin hat seine Pilotenuhr D2 aktualisiert. Auch bei seiner Avionik und der App Garmin Pilot präsentiert der … weiter

Daniel Scharfenberger steigt ein ScaleWings mit neuem Investor

16.07.2018 - Mit einem neuen Investor an Bord möchte der österreichische Flugzeughersteller ScaleWings die Produktion der SW-51 Mustang schneller als geplant hochfahren. … weiter

8. ulForum.de Treffen am 18./19. August 2018 UL-Piloten treffen sich in Oerlinghausen

11.07.2018 - Andere Piloten kennenlernen, neue Ultraleichtflugzeuge entdecken und fliegerische Erfahrungen austauschen: Diese Möglichkeiten bietet das 8. ulForum.de-Treffen am 18. und 19. August 2018 in … weiter

Unfall in Finnland Atol stürzt bei Testflug in den Wald

10.07.2018 - Der Prototyp des finnischen Amphibiums Atol 650 LSA ist bei einem Probeflug in einen Wald gestürzt. Die beiden Piloten überlebten, erlitten aber Verbrennungen. Die Unfallursache ist bereits bekannt. … weiter

Trockene Wetterlage Waldbrände aus dem Cockpit erkennen

09.07.2018 - Piloten des Luftsportverbands Rheinland-Pfalz sind angesichts der anhaltend trockenen Wetterlage aufgerufen, als fliegende Feuermelder unterwegs zu sein. Es gilt, Brände frühzeitig zu erkennen und zu … weiter


aerokurier 06/2018

aerokurier
06/2018
23.05.2018

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- PA-22 Pacer: Pipers frühe Shortwing
- Segelflug: 50 Jahre ASW 15
- Pilot Report: Niki Kallithea und Lightning
- Praxis: Mit dem UL zwischen Boeing und Airbus
- Luftrecht: Luftsportgeräte im gewerblichen Betrieb