08.12.2015
Erschienen in: 07/ 2015 aerokurier

Digitale RevolutionAvionik im Wandel der Zeit

Nie mehr verfliegen: Vor allem das GPS hat die Luftfahrt gehörig umgekrempelt. Wir haben uns auf eine Zeitreise begeben und zeigen den Weg von den ersten Navigationssystemen hin zum topmodernen Glascockpit.

Garmin G1000. Klingt immer noch topmodern, oder? Nach Airliner-Feeling in der Einmot, nach einer neuen Dimension des Fliegens. Dabei hat Garmins Avionik-Suite schon ganze elf Jahre auf dem Buckel. Im Juni 2004 wurde das G1000 erstmals in der DA40 TDI ausgeliefert. Weitere Muster folgten. Rückblickend darf das G1000 als Pionier der modernen Glascockpits gelten – zusammen beispielsweise mit dem Avidyne, das der aerokurier im März 2006 im Probeflug mit einer Piper PA-28 Arrow vorstellte.

Heute sind Glascockpits aus modernen Ein- und Zweimots kaum mehr wegzudenken. Selbst im UL gehören Bildschirme von Dynon, Flymap und Co oft zum Standard. Glascockpits erleichtern nicht nur die Navigation enorm, sondern haben mit ihren Multifunktions- und Primary Flight Displays den konventionellen Uhrenladen komplett abgelöst. Ein entscheidender Sprung auf dem Weg dorthin war das Garmin GNS 430, ein inte-griertes Avioniksystem für IFR-Flüge. Unter anderem Diamond Aircraft setzte es ein.
Seine Wurzeln hat das amerikanische Global Positioning System in den 1970er Jahren. Seine volle Betriebsbereitschaft erreichte es schließlich 1995 – bis dahin waren Karte und Kompass sowie VOR und NDB das Maß aller Dinge im Cockpit.

1993 erklärte der aerokurier, wie die satellitengestützte Navigation funktioniert, schrieb über Signallaufzeiten zwischen Erde und Weltraum, über Korrekturen und prangerte die „willkürliche Verfügungsgewalt“ des Pentagons über das System an. Erste GPS-Anflüge in Bremen wurden erprobt, und im Segelflug eröffnete das System neue Horizonte. Übrigens ließ der damalige Präsident Bill Clinton erst im Jahr 2000 die künstliche Ungenauigkeit des Signals abschalten.

Moving Maps waren Anfang der 1990er Jahre zwar noch Zukunftsmusik, doch bereits Ablageanzeige, Positions- und Entfernungsangaben sowie eine Flugplatz-Datenbank erleichterten das Pilotenleben enorm.

1991 erschien das Garmin GPS 100 – in manchen Charterflugzeugen ist es noch heute eingebaut. Es kostete, ausgestattet mit Features wie „Single-Channel-GPS-Sensor, Flüssigkristallanzeige und Hochgeschwindigkeitsprozessor“, rund 3000 US-Dollar. Wettbewerber, die der aerokurier ebenfalls vorstellte, waren etwa das Arnav FMS 5000 oder das B4 von B.F. Goodrich.

Auch Handheld-GPS hielten Einzug ins Cockpit. Erste Knochen, etwa von Trimble, waren sperrig, teuer und konnten nicht viel – und dennoch halfen sie, entspannt auch entlegene Grasplätze zu finden.

Ende der 90er erschien das Garmin GPS III Pilot. Kompakt war es, hatte eine einfache Moving Map, und findige Köpfe schafften es sogar, mit inoffiziellen Datenbanken die Platzrunden einzuspeisen. Obwohl Geräte dieser Generation nicht mehr mit Updates versorgt werden, wissen viele Piloten ihre Qualitäten noch immer als Backup zu schätzen – falls iPad oder Android-Tablet mit leerem Akku abschalten.

aerokurier Ausgabe 07/2015

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Patrick Holland-Moritz


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