03.10.2017
Erschienen in: 09/ 2017 aerokurier

SicherheitKohlenmonoxid: Die Giftgefahr im Cockpit

Nicht wenige Flugunfälle sind auf Vergiftungen durch Kohlenmonoxid zurückzuführen. Gasmessexperte Jörg Stickler hat bei Versuchsflügen mit Motorflugzeugen der Gefahr durch CO nachgespürt. Die Ergebnisse sind nicht wissenschaftlich – geben aber dennoch Anlass, das Thema ernst zu nehmen.

Als die PA-24 von Wolfgang Dallach am 18. Januar 2015 gegen 16 Uhr Ortszeit in Rechberghausen nahe Göppingen abstürzte, waren der bekannte Kunstflieger und Flugzeugkonstrukteur und seine Mitfliegerin mutmaßlich noch am Leben. Allerdings, so stellten Gerichtsmediziner fest, waren sie infolge einer Kohlenmonoxid-Vergiftung nicht mehr handlungsfähig. Ein Riss in der Abgasanlage im Bereich des Heizungswärmetauschers seines Flugzeugs ist als Quelle für die CO-Belastung im Cockpit wahrscheinlich.

Zahlreiche ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren nahm der Autor zum Anlass, der Gefahr, die von Kohlenmonoxid in den Abgasen von Flugmotoren ausgeht, auf den Grund zu gehen.

Kohlenmonoxid – das nicht wahrnehmbare Gift

Kohlenmonoxid, kurz CO, entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von Kraftstoffen in Kolbenmotoren. Es ist ein farb-, geruchs- und geschmackloses Gas. Für den Menschen ist es aus diesem Grund auch in gefährlich hohen Konzentrationen nicht wahrnehmbar. CO ist sehr giftig, da es viel stärker an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen anbindet als Sauerstoff und so den Sauerstofftransport durch das Blut unterbindet. Eine Konzentration von 1000 ppm (parts per million) würde die Hälfte aller roten Blutkörperchen deaktivieren! In der Arbeitsmedizin ist der maximale Arbeitsplatzgrenzwert aus diesem Grund auf niedrige 30 ppm festgelegt. Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung ist aufgrund der unspezifischen Beschwerden nur schwer zu erkennen. Je nach Konzentration kann es laut medizinischer Fachpublikationen zu verschiedensten Symptomen kommen: ab 150 ppm  Kopfschmerzen nach ein bis zwei Stunden, bei 200 ppm zusätzlich Schwindel, bei Exposition von zwei bis drei Stunden Übelkeit; bei 400 ppm starke Kopfschmerzen nach ein bis zwei Stunden, ab drei Stunden Lebensgefahr; bei 800 ppm Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Krämpfe nach 45 Minuten, Bewusstlosigkeit nach zwei Stunden; ab 1600 ppm nach 20 Minuten wie 800 ppm, Tod innerhalb ein bis zwei Stunden. Eine Konzentration von 6400 ppm führt innerhalb von ein bis zwei Minuten zu Kopfschmerz und Schwindel und innerhalb von zehn bis 15 Minuten zum Tod; bei 12 800 ppm tritt der Tod nach ein bis drei Minuten ein. 12 800 ppm – das entspricht lediglich einem Anteil von 1,28 Prozent in der Raumluft!


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Jörg E. Stickler



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