17.01.2010
aerokurier

Fliegen mit Kindern

Fliegen und Nachwuchs, verträgt sich das? Klare Antwort: Ja! Natürlich muss es nicht immer gleich die Hau-Ruck-Methode sein, um die eigenen Kleinen ins Cockpit zu bringen. Oft kommen auch ungewohnte Fragen: „Papa, wie schmecken Wolken?“<br />

Kinder sind in der Regel erstklassige Copiloten. Ein Headset für Kids, eine Sitzerhöhung und eine etwas
andere Flugvorbereitung – mehr braucht’s meist nicht, damit es mit der generationsübergreifenden
Cockpit-Crew klappt.

Für Flüge mit Kindern gilt: Erzwingen lässt sich nichts. Eltern sollten die Erwartungen an die Flugbegeisterung ihrer Sprösslinge deshalb nicht zu hoch schrauben. Auch wenn Mama und Papa gar nicht oft genug in der Luft sein können, so kann es durchaus vorkommen, dass Sohnemann nur ein müdes Lächeln für das geliebte Hobby der Eltern übrig hat. Ein Tipp: Vor dem ersten Streckenflug mit Kindern an Bord sollten es Eltern ruhig angehen lassen und erst die eine oder andere Proberunde drehen.

Eltern sollten von ihren Kindern auch nicht allzu viel
Sitzfleisch erwarten. Zwei Stunden am Tag sind problemlos machbar. Im Ausnahmefall können es auch mal fünf Stunden für die Anreise in den Urlaub werden.

Vorsicht ist geboten, wenn der Rundflug die Attraktion beim Kindergeburtstag sein soll. Hier empfiehlt sich ein Abflug mit leerem Magen - bevor es an das Kuchenwettessen geht. Sonst endet die Party im ungünstigen Fall in einer Putzaktion.

Fliegen mit Kindern - Flugvorbereitung

Jeder, der schon mal mit Kindern geflogen ist, wird bestätigen, dass sich die Flugvorbereitung mit Nachwuchs an Bord nicht nur auf den Strich in der Karte und das Studium der Wetterprognose beschränkt. Für den Piloten bedeutet ein Flug mit Kindern vor allem, mehr Ausweichplätze und mehr Zeit als üblich einzuplanen, um auf ein mögliches Unwohlsein der kleinen Passagiere spontan reagieren zu können.

Wichtig ist auch die Wahl des Flugziels, das Kindern etwas bieten sollte. Ein Spielplatz am Flugplatz oder
ein Badesee in der Nähe können nach einem langen Flug Wunder wirken.

Nicht zu unterschätzen ist die Vorbereitung für einen kindgerechten Aufenthalt an Bord. Es ist allerdings unmöglich, Tipps zu geben, die wirklich für jedes Kind
passen. Zu unterschiedlich sind deren Charaktere. Die einen können gar nicht genug vom Fliegen bekommen, während andere Kinder nach wenigen Minuten gelangweilt einschlafen oder erst gar nicht einsteigen möchten.

Fliegen mit Kindern

Das Phänomen des Einschlafens ist dabei übrigens eher die Regel statt die Ausnahme; schnell wird Kindern die vorbeiziehende Landschaft langweilig. Das sonore Brummen des Motors tut sein Übriges, damit die Augenlider schwer werden.

Schläft der Nachwuchs, braucht es auch kein Unterhaltungsprogramm für unterwegs. Alle anderen Kinder wollen hingegen beschäftigt werden. Sinnvoll kann es
sein, ein Ratespiel vorzubereiten, moderiert vom Elternteil auf dem Copilotensitz.

So kann man den Kleinen auf einem Überlandflug
handgemalte Bilder mit Flüssen, Burgen oder anderen markanten Landschaftsmerkmalen an die Hand geben, die
es auf der Strecke zu finden gilt. Gibt es etwas Spannendes in der Nähe zu sehen, darf dafür auch gerne mal ein Umweg geflogen werden. Ganz nebenbei kann der Pilotennachwuchs von morgen schon heute den Blick für die terrestrische Navigation schärfen.

Fliegen mit Kindern - Angst bekämpfen

Wie nimmt man ängstlichen Kindern die Scheu vor der dritten Dimension? Josephine Buro – die PPL-Pilotin arbeitet in einer Kinderklinik, fliegt im Kölner Klub für Luftsport in Bonn/Hangelar und organisiert Flüge für junge Patienten – setzt auf kindgerechte und einfühlsame Erklärungen vor dem Start: „Ein Flugzeug will fliegen, das ist gebaut, um in der Luft zu sein.“

Je nach Alter kann es sinnvoll sein zu erklären, warum ein Flugzeug fliegt und was es mit den Instrumenten auf sich hat. An thermisch aktiven Tagen malt sie vor dem Start auch schon mal kleine bunte Pakete auf, die in die Wolken steigen und am Flügel rütteln. Schaukelt’s dann im Cockpit, ist der Fall klar: „Das war jetzt ein blaues Päckchen, das den Flügel angehoben hat.“

Diese Art der Flugvorbereitung hilft übrigens auch, ein Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Pilot aufzubauen,
falls diese sich noch nicht kennen.

Fliegen mit Kindern - Lärmschutz

Entscheidend fürs Wohlbefinden an Bord ist der Lärmschutz. Hersteller wie etwa Peltor oder Pilot Communications bieten Headsets für Kids an, die speziell für kleine Köpfe geformt sind.

Wer sein Kind hingegen mit Ohrenstöpseln vom Geschehen abkoppelt, braucht sich über lange Gesichter auf den hinteren Sitzen nicht zu wundern. Allerdings sollten die Spielregeln für Unterhaltungen schon am Boden abgesteckt werden.

Fliegen mit Kindern - Spielzeug

Etwas Zurückhaltung ist beim Spielzeug angebracht. Es ist okay, wenn die Kinder ihr Lieblingskuscheltier mit auf die Reise nehmen oder beispielsweise ein Kniebrett mit Stiften zum Malen.

Der Lego-Kasten oder die Bauklötze hingegen haben im
Cockpit nichts verloren, da sich Einzelteile
selbstständig machen könnten.

Fliegen mit Kindern - Sitz

Erstaunlich wenig gibt es zum Kindersitz zu sagen. Es liegt allein in der Verantwortung des Piloten zu entscheiden, wie die Kinder sicher unterzubringen sind.

In der Praxis haben sich Kindersitze und Sitzerhöhungen aus dem Auto bewährt. Wichtig ist vor allem eine ausreichende Sitzhöhe: Kein Kind wird Spaß am Fliegen
haben, wenn es nicht rausschauen kann.

Fliegerisch gibt es nicht allzu viel zu beachten.
Steile Steig- und Sinkflüge sind zu vermeiden, Kunstflugmanöver ebenfalls – aber das sollte ohnehin selbstverständlich ein.

Kindern fällt der Druckausgleich oft schwerer als Erwachsenen. Schlafende sollte man deshalb vor dem Landeanflug wecken. Beim Druckausgleich helfen die bewährten Hausmittelchen wie Kaugummi kauen oder trinken. Braucht man Spray, um die Nase frei zu machen, wurde der erste Fehler wahrscheinlich schon vor dem Start gemacht: Kranke Kinder gehören nicht ins Flugzeug.

Fliegen mit Kindern - Sicherheit

Vor dem Flug sollten die Kinder zudem über die Sicherheitsvorkehrungen informiert sein. Ältere Kinder sollten wissen, wie sie notfalls die Tür oder Haube öffnen können. Dabei geht es nicht um Panikmache - im Notfall können die Kinder wichtige Helfer sein.

Ebenfalls wichtig sind natürlich Sonnenbrille, vielleicht ein Sonnenhut und nicht zuletzt – wenn es wirklich mal zu viel wird – die „Notfalltüte“.

In diesem Zusammenhang ist auch Vorsicht geboten, wenn der Rundflug als Höhepunkt eines Kindergeburtstages geplant ist. Dann sollte der Flug möglichst vor dem Essen angesetzt sein.

Lässt sich der Pilot von den wissbegierigen jungen Mitfliegern überreden "...doch mal so zu fliegen wie die Space Shuttle Astronauten beim Training", endet die Party möglicherweise mit einer großen Putzaktion.




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