27.08.2016
Erschienen in: 05/ 2015 aerokurier

Know-HowKleine FVK-Reparaturen

Vor Reparaturen an FVK-Teilen schreckt so mancher fliegende Zeitgenosse zurück. Dabei kann man kleine Schäden an nichttragenden Teilen wie etwa Verkleidungen mit Harz, Gewebe und etwas handwerklichem Geschick durchaus selbst beheben.

ae 05-2015 FVK Reparaturen (01)

Gut sichtbar: Beim Bruch dieser Verkleidung haben sich die Laminatlagen voneinander gelöst. Foto und Copyright: Müller  

 

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Ein Riss in der Motorverkleidung, im Verkleidungsteil des Flügel-Rumpf-Übergangs oder gar ein Loch im Radschuh aufgrund einer kleinen Kollision beim Rollen? Während man Reparaturen von Schäden an tragenden Teilen aus Faserverbundwerkstoffen (FVK) selbstverständlich Fachleuten überlässt, sind solch kleinere Reparaturen, die eher unter die Rubrik „Kosmetik“ fallen, auch von Laien mit handwerklichem Geschick machbar. Wir beschränken uns in unserem Praxistipp zudem auf Arbeiten an Volllaminatteilen.

Zunächst wollen wir ein Loch im Laminat „stopfen“. Die erste Frage: Welches Material nehme ich? Es empfiehlt sich ein Epoxidharz in einer Harz/Härter-Kombination mit nicht zu kurzer Topf-, also Verarbeitungszeit, denn als Anfänger arbeitet man langsam. Man sollte sich beraten lassen. Die Produktvielfalt ist groß. Wir haben gute Erfahrungen mit Sicomin-Epoxidharz gemacht. Es wird von der Bornheimer Firma Timeout Composite vertrieben, die auch den Bereich Luftfahrt beliefert.

Als Erstes muss die Schadenstelle, zum Beispiel per Hand- oder Lochsäge, auf einen glatten Kantenverlauf aufgeweitet werden. Dann heißt es, die Kanten gleichmäßig anzuschrägen, also zu schäften. Das geht gut mit einem Exzenterschleifer oder auch per Hand mit einem Schleifklotz. Die Breite der Schäftung richtet sich nach der Materialstärke. Das Verhältnis liegt in unserem Fall im Bereich von 1:20 bis 1:40.

Ideal ist es, wenn der Faserverlauf des später eingesetzten Gewebes dem ursprünglichen der Reparaturstelle entspricht. Am Schäftbild lässt er sich in der Regel gut ablesen. Häufig sieht man ihn aber schon an den Bruchstellen, wenn sich die einzelnen Lagen voneinander gelöst haben. Ein simpler Trick ist, das aus der Schadenstelle geschnittene Teil anzuzünden. Dabei verbrennt das Harz und die einzelnen Gewebelagen und ihre Ausrichtung werden sichtbar.

Die Gewebestärke und Lagenzahl richtet sich idealerweise nach dem bei der Schadenstelle benutzten Material. Im Zweifel hilft auch hier der Ratschlag kompetenter Zulieferer.

Damit die später aufzulegenden Gewebelagen nicht in die Flickstelle einsacken, sollte man die Schadenstelle provisorisch unterfüttern. Für ebene Teile reicht ein Brettchen, bei gebogenen kann man ein Stück Hartschaum  mit dessen Radius straakend zuschleifen. Zwischen Unterfütterung und Schadenstelle gehört in jedem Fall eine Folie. Dazu reicht ein Stück aus einer Einkaufstüte. Die Folie verhindert, dass das neue Laminat nach dem Aushärten  mit der Unterfütterung eine unlösbar innige Verbindung eingeht. Sie lässt sich später einfach abziehen.

Nun geht es an die Gewebeflicken, die das Loch im Laminat verschließen sollen. Der größte entspricht dem Verlauf des Außenrandes der Schäftung und wird später zuerst eingelegt. Die folgenden Gewebelagen werden jeweils zwischen sieben und zehn Millimeter kleiner ausgeschnitten. Wer nun loslegt und munter die Gewebematten zuschneidet, wird schnell feststellen, dass sie dabei ausfransen. Außerdem können sie sich spätestens beim Einlegen verziehen.


WEITER ZU SEITE 2: Folie als Trägermaterial macht den Flickenzuschnitt einfacher

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