21.11.2013
aerokurier

Volocopter VC200 fliegtElektro-Fluggerät mit Helikoptereigenschaften

Vibrationsfrei und mit einem satten Sound präsentierte sich das innovative und völlig neue Elektro-Fluggerät VC200 Volocopter in Karlsruhe zum ersten Mal im Fluge.

Thomas Senkel, Stephan Wolf und Alexander Zosel waren die drei Nebendarsteller. Der glänzend weiße „Star“ stand etwa 20 Meter hinter ihnen in der Mitte der 12500 Quadratmeter großen dm-arena. Die drei Männer hatten den „Star“ namens Volocopter vor rund zwei Jahren gemeinsam entwickelt, das Unternehmen e-volo gegründet, und den Prototyp unter der Bezeichnung VC1 zum viel beachteten Erstflug gebracht. Ihre grüne Entwicklung hatte ihnen viel internationale Anerkennung, Fördergelder und die Unterstützung von Unternehmen und Institutionen eingebracht, unter ihnen auch die Hochschule Karlsruhe oder die Uni Stuttgart.

Jetzt war es Zeit für die Premiere des echten Fluggeräts, so wie es später auch in Serie gehen könnte - wenn alles nach Plan verläuft. Aber das sah am 20. November in Karlsruhe schon ganz gut aus: Da e-volo derzeit noch die vorläufige Verkehrszulassung (VVZ) fehlt – sie soll in Kürze mit Unterstützung von DULV, DAeC und dem LBA folgen - entschied sich das Team aus Sicherheitsgründen für einen unbemannten Erstflug in der Karlsruher dm-arena vor Publikum. Die Elektronik wurde ferngesteuert aktiviert und die Rotoren des Volocopter drehten. Nach nur wenigen Minuten hob das Gerät vom Boden ab, schwebte in einer Höhe von zirka fünf Metern durch die große Halle, dabei leicht nach rechts und links drehend, bevor es wieder sanft auf seinen Kufen aufsetzte. Der Klang der Motoren war erheblich leiser als der eines klassischen Helikopters, zudem konnte schon beim ersten unbemannten Flugversuch am 17. November bewiesen werden, dass das Vibrationsniveau des VC200 nahezu gegen Null ging. Man hätte zwar ein gutes Ergebnis erwartet, berichtete Geschäftsführer Alexander Zosel, aber dass es überhaupt keine Vibrationen gebe, sei sensationell. 

Volocopter - Einfach konstruiert und leicht zu bedienen

Der Volocopter kommt in seinen Flugeigenschaften denen des Helikopters am nächsten, ist aber erheblich einfacher konstruiert und entsprechend leicht zu bedienen. Er kann schweben sowie senkrecht starten und landen. Unter einem starren Carbonkranz mit insgesamt 18 Zweiblatt-Propellern (sechs auf einem Innenring und zwölf auf einem Außenring), die elektrisch von einem Akku gespeist werden, hängt eine kleine Zelle. Sie bietet zwei Personen Platz. DG-Flugzeugbau aus Bruchsal hat die leichte Carbonzelle und das Kufenlandegestell für e-volo gebaut. Der Pilot bedient einen Joystick, mit dem er Richtung und Leistungsbedarf je nach Fluglage bestimmen kann. Pedale oder ein separater Leistungshebel wie bei konventionellen Drehflüglern Standard, sucht man beim Volocopter vergebens. Als Panel dient ein Tablet, auf dem alle relevanten Parameter ablesbar sind. Fliegen soll mit dem Volocopter kinderleicht sein, abgesehen davon, dass der Pilot natürlich eine entsprechende, noch zu definierende Lizenz erwerben muss. Auch daran arbeitet e-volo schon gemeinsam mit dem DULV.

Der 50 kg schwere Akku, der im Heck der Zelle untergebracht ist, kann derzeit eine Flugzeit von rund 20 Minuten generieren, später soll das natürlich ausgedehnt werden. Der Volocopter soll nach Aussage seiner drei Erfinder das sicherste Fluggerät der Zukunft werden. Dazu wird auch das in der Mitte über der Zelle untergebrachte Gesamtrettungssystem beitragen, das, wenn einmal alle Redundanzen versagen sollten, gezündet werden kann und den gesamten Volocopter inklusive Insassen per Fallschirm sicher zur Erde bringt. Die ersten bemannten Flüge des Volocopter VC200 sind für April 2014 geplant, eine Präsenz auf der AERO dürfte dann sicher auch wieder für Furore sorgen.




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