02.09.2017
Erschienen in: 08/ 2017 aerokurier

Flächen, Trikes und drei RotorenUltraleicht DM 2017 in Goch

Als Neuling unter die ersten Zehn einer Deutschen Meisterschaft zu kommen, dürfte wohl in kaum einer Sportart möglich sein. Dass es im Ultraleicht-Flugsport machbar ist, zeigte die DM im Juni in Goch.

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Rudy Winter kann sein Glück noch kaum fassen. Unter fünf Mitstreitern in der Klasse der einsitzigen Trikes – vier sind für eine Klassenwertung erforderlich – konnte sich der erfahrene Pilot durchsetzen. So gut, dass er in dieser Klasse nicht nur Deutscher Meister, sondern in der Gesamtwertung aller Klassen auch noch Vizemeister geworden ist. Das konnte nur noch Viktor Wyklicky toppen, der mit seinem Co Sven Harsch den Meistertitel sowohl in der Gesamtwertung als auch in der Klasse der zweisitzigen Trikes errang. Der Weltenbummler aus Süddeutschland verfügt aber auch über jede Menge Wettkampf-erfahrung und fliegt noch ein paar Jahre länger als Rudy Winter, der damit auch schon vor 23 Jahren begonnen hat.

Dass er die Teilnahme an der DM überhaupt wagte, liegt am Metelener UL-Landeplatz- und Flugschulbetreiber Klaus Wehrmann. Der hatte auf einer privaten Weihnachtsfeier nicht nur Winter, sondern noch eine ganze Reihe weiterer befreundeter Piloten, darunter ein paar seiner vormaligen Flugschüler, zu der DM-Teilnahme „angestiftet“. So trat die Gruppe um Wehrmann mit sieben Trikes und einer C42 mit mehr als einem Drittel aller 26 Fluggeräte zu dem Wettbewerb an. Mit dabei war auch Michael Heitkötter, der erst vor zwei Jahren seinen Schein bei Wehrmann gemacht hat – und sich dennoch in der Klasse der einsitzigen Trikes nicht nur als Vizemeister hinter Rudy Winter platzieren konnte, sondern in der Gesamtwertung immer noch einen stolzen neunten Platz belegte. Zwar hat der 29-Jährige seit Scheinerhalt beachtliche 120 Stunden auf seinem Trike zusammengeflogen, bezeichnet sich selbst gleichwohl noch als Anfänger und verfügte vor seiner Teilnahme in Goch ebenfalls über keinerlei Wettkampferfahrung.

Mit diesem Profil lag der junge Pilot exakt im Fokus von Michael Kania. Der hatte 2011 erstmals als Wettkampfleiter einer UL-DM fungiert und übernahm auf Anfrage des Vorsitzenden der UL-Bundeskommission, Wolfgang Lintl, von 2012 an die Gesamtorganisation der Meisterschaft für DAeC und DULV. Mit dem ehrgeizigen Ziel, die Teilnahmebereitschaft an dem Wettbewerb wieder zu steigern. Denn in den Jahren 2006 bis 2009 musste die DM mangels Meldungen komplett ausfallen, 2010 waren gerade mal fünf Teams dabei.

In den Folgejahren stieg das Interesse wieder an und hat sich inzwischen auf einem erfreulich hohen Niveau stabilisiert. Von den in diesem Jahr ursprünglich angemeldeten 29 Piloten waren 26 angetreten, darunter auch Newcomer wie Michael Heitkötter oder Claudia Wehrmann, die gemeinsam mit ihrer Freundin Daniela Focke das einzige Damenduo im Wettbewerb bildete. Sie starteten in einer Ikarus C42, die sie in der Gesamtwertung immerhin noch auf Platz 25 fliegen konnten.

Der Wettbewerb soll sich weiterentwickeln

„Nur so funktioniert das“, sagt Michael Kania. „Man muss den Nachwuchs für die Teilnahme begeistern, wenn man den Wettbewerb weiterentwickeln will.“ Viele, so der Wettbewerbsleiter, hätten zunächst Angst, sich zu blamieren. Dabei komme es aber nicht in erster Linie auf eine Platzierung an, sondern auf den Spaß  – und den Sicherheitsgewinn, der mit dem Training für das Abfliegen der anspruchsvollen Aufgaben verbunden ist.

Dafür hatte sich das Organisationsteam um Kania und Wolfgang Lintl auch ordentlich ins Zeug gelegt. Der LSV Goch sorgte als Platzbetreiber von Asperden mit dem örtlichen Team um Erwin Koenen für einen reibungslosen Ablauf und steuerte mit Stephan Becks, der mit Stefan Krabbe in einer Remos GX startete, auch einen Heimspieler bei. Dabei hatte es im Aeroclub NRW zunächst Vorbehalte gegen den Austragungsort gegeben. Den Duisburgern war Asperden ein bisschen zu nah am Airport Weeze, unterhalb dessen TMZ der kleine Grasplatz dicht an der Kontrollzone des großen Flughafens liegt. Überfliegt man von Asperden aus die Autobahn A57 in südlicher Richtung, droht so ein unangemeldeter Einflug in die CTR – knapp vorbei am östlich gelegenen Pflichtmeldepunkt November. In westlicher Richtung findet man sich binnen kürzester Zeit im niederländischen Luftraum wieder.

Uneinigkeit über den Austragungsort Goch

Doch Kania und sein Team hatten diesen Risiken gut vorgebeugt. Ernst Graf, der sich auch als Schiedsrichter und in der Auswertung der Ergebnisse engagierte, hatte die Navigationsaufgaben wegen der besonderen Nähe zu Weeze und der Staatsgrenze bereits über die Wintermonate ausgearbeitet. Michael Kania hatte die anreisenden Teilnehmer auf seinem privaten Blog (www.ultraleichtflug.blogspot.de) auf die Gefahren hingewiesen und sie mit der für die ersten Trainingstage geltenden PPR-Regelung vertraut gemacht. Außerdem hatte er Anfängern auf seinem Blog Tipps für eine sinnvolle Vorbereitung gegeben. Den Lohn dieser Mühen wies der Wettbewerbsleiter nach den letzten Ziellandungen vor der feierlichen Eröffnung des Buffets am Samstagabend freilich anderen zu. Er bedankte sich herzlich bei den Gastgebern für die perfekte Organisation, dank derer es – von einem marginalen Rollschaden abgesehen – während der gesamten Veranstaltungswoche nicht einen einzigen Zwischen-, geschweige denn Unfall gegeben habe.

Die Teilnehmer reagierten darauf nicht nur mit ordentlichem Applaus, sondern auch mit spontanen Entscheidungen. Für Michael Heitkötter war jedenfalls sofort klar, dass er im kommenden Jahr in Jena-Schöngleina wieder dabei sein will. Damit ist der Nachwuchspilot, der nun schon über eine fliegerische Weiterbildung Richtung LAPL- oder PPL(A) nachdenkt, sicher nicht der einzige. Rudy Winter hofft nun, Ende August Zeit für eine Flugreise zu finden – nach Ungarn zu den europäischen Meisterschaften im UL-Fliegen, für die er sich mit seinem fulminanten Auftritt in Goch qualifiziert hat.


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Frank Martini


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