22.12.2014
Erschienen in: 02/ 2014 aerokurier

"Am Anfang war es volles Risiko" Autogyro-Chef Otmar Birkner im Interview

Otmar Birkner ist Chef und Gründer des weltweit größten Tragschrauberherstellers AutoGyro. Dass es so kam, war anfangs alles andere als sicher.

AutoGyro Otmar Birkner an zwei Tragschraubern

AutoGyro-Chef Otmar Birkner: "Wir sind ein hohes wirtschaftliches Risiko eingegangen." Foto und Copyright: Holland-Moritz  

 

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Hallo, Otmar, schön dich zu sehen. Sonst trifft man dich ja eher selten.
Ja, es ist nicht meine große Freude, im Mittelpunkt zu stehen. Der Laden ist schnell gewachsen, da bleibt keine Möglichkeit, jeden Kunden persönlich kennenzulernen. Das ist gar nicht böse gegenüber irgendwem gemeint – das ist die schiere Notwendigkeit. Wir sind weltweit mit 1700 Tragschraubern unterwegs.

Heute seid ihr die internationale Nummer eins. Wie hat das alles angefangen?
2003 kam Thomas Kiggen mit so einem komischen Ding, das an einem Rotor hing und aus irgendeinem Grund auch im Langsamflug nicht runterfallen wollte, um die Ecke. Ich kannte Tragschrauber bis dahin nicht und war mir auch gar nicht bewusst, was das alles bedeuten könnte. Thomas und ich haben angefangen, seinen Tragschrauber zu verbessern und zuzulassen. Damals war ich mit dem Bau von Trikes und einer Flugschule selbstständig. 2004 haben wir neun oder zehn Tragschrauber gebaut. 2005 waren es schon 23. Da war die nächste Halle fällig. Thomas hat sich dann um die Schule gekümmert, ich mich um die Fertigung.

Basis war ein spanisches Mus­ter, richtig?
Richtig, mit einem ELA ging’s los. Für die Zulassung mussten wir viele Punkte ändern, mit denen der Hersteller nicht einverstanden war. Also haben wir unsere eigene Fertigung aufgezogen. Die Spanier haben sich selbst die Türe zugeschlagen.

Das hört sich abenteuerlich an.
Wir sind ein hohes wirtschaftliches Risiko eingegangen. Unser Startkapital war die Bereitschaft, uns mit viel Arbeit für das Projekt einzusetzen. Bankenkredite gab‘s so gut wie keine, es musste sich alles aus dem Laufenden finanzieren. Irgendwann fällte ich die Entscheidung, nur noch Tragschrauber zu fertigen. Auch heute ist das alles jeden Tag noch ein Risiko. So haben wir im vergangenen Jahr 4,7 Millionen Euro in neue Gebäude investiert.

Stammen Cavalon und Calidus aus deiner Feder?
Ja, die Ideen für neue Muster kommen von mir. Ein gutes Team unterstützt mich, wenn es an die Details in der CAD-Planung geht. Ich selbst habe Mechatronik studiert, außerdem habe ich Spaß an gutem Design. Der Cavalon wurde ja unter anderem mit dem Red Dot Award ausgezeichnet.


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Patrick Holland-Moritz


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