04.10.2017
Erschienen in: 09/ 2017 aerokurier

Die Klasse lebtWM der 13,5-m-Klasse in Szatiymaz

Blieb der alten 13,5-m-Klasse mit dem Einheitsflugzeug PW-5 der Erfolg noch versagt, begeistern die neuen „Kleinen“ mit Eleganz und Leistung. Nur gibt es leider noch zu wenige Muster – so das Fazit der zweiten Weltmeisterschaft im ungarischen Szatiymaz.

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Den Titel holte sich Abonnement-Weltmeister Sebas­tian Kawa mit der neuen und bislang wohl auch einzigen GP 14 E Velo von GP Gliders. Beinahe aber hätte er das Debüt des schicken Seglers, der vorerst noch mit einer slowakischen UL-Zulassung fliegt, vermasselt. Der Meistermacher leistete sich am elften und letzten Wertungstag eine Luftraumverletzung, touchierte kurz die Landesgrenze und behielt arg zurückgestuft von seinem mehr als 200 Punkte betragenden Vorsprung vor Uli Schwenk ganze drei Punkte. Vize-weltmeister Schwenk war während der gesamten Meisterschaft mit drei Tagessiegen und stetig guten Leistungen im Spitzenfeld immer dicht an Kawa dran. Er hatte für den Wettbewerb gerade noch eine der in kleinen Stückzahlen gebauten miniLAK ergattern können. Das Flugzeug, noch mit Werknummer, hätte eigentlich gleich nach Fertigstellung in die USA gehen sollen. Der Eigentümer war aber mit einer Auslieferung erst nach der WM einverstanden.

Dieses Charterglück hatten andere Piloten nicht. Viele miniLAK- und Silent-Besitzer wollten ihre Flugzeuge für die Weltmeisterschaft nicht abgeben. So schrumpfte die Teilnehmerzahl in Szatiymaz von 20 auf letztlich 14 Piloten.

An elf Tagen alles herausgeholt

Was bei der ersten Weltmeisterschaft der  13,5-m-Klasse 2015 in Pociunai, Litauen, nach einem Ableben noch vor der eigentlichen Geburt ausgesehen hatte, stellte sich jetzt in Ungarn ganz anders dar. Es wollten nicht nur mehr Piloten dabei sein als letztlich konnten, es standen diesmal attraktive, speziell für diesen Wettbewerb entwickelte Flugzeuge am Start. Gleich sechsmal war die miniLAK vertreten, dreimal die Silent 2 Electro von Alisport. Alisport-Geschäftsführer Stefano Ghiorzo trat, wie schon 2015, mit der kupierten Diana 2 an und hatte für Landsmann Thomas Gostner gleich eine zweite Diana zur Versus umgearbeitet. Zwei Piloten starteten mit der slowenischen Albastar AS 13,5, die im Wesentlichen über den gleichen Flügel verfügt wie die Silent 2. Nur die Eigenstartfähigkeit war wegen der Begrenzung der Flächenbelastung auf 35 kg/m2 bei den meisten nicht mehr gegeben. Bei miniLAK und Versus, sonst motorisiert mit den Front-Electric-Selfstart- Systemen (FES), musste aus Gewichtsgründen auf Motor und Akkus verzichtet werden. Ins Limit passten die Silent und AS 13,5, nur hatten die mit ihren älteren Profilen keine wirkliche Chance. Einzig am zweiten Tag mit reiner Streckenwertung gelang es dem Silent-Piloten Anthony Condon, sich mit 100 Metern und einem Punkt Vorsprung als Tagessieger vor Kawa zu schieben.

Dass Ghiorzo als erster Weltmeister der 13,5-m-Klasse in Ungarn mit dem Versus nicht besser abschnitt, ist seiner Außenlandung gleich am ersten Tag mit hohem Punktverlust und einer weiteren Außenlandung bei der Aufholjagd zuzuschreiben. Auch der Vizeweltmeister 2015, der Litauer Motuza, patzte mit einer Streckenwertung infolge einer Luftraumverletzung. Gelegenheit, um aufzuholen, aber auch, um neue, teure Fehler zu machen, gab es reichlich.

Nur an zwei Tagen von 13 möglichen wurde nicht geflogen. Und immer hatte der Sportleiter das gemäß der Wetterprognose Mögliche ausgeschrieben, sehr zur Freude von Uli Schwenk: „Das war zum ersten Mal eine Meisterschaft, bei der versucht wurde, die Tage ganz auszunutzen! Die Aufgaben haben allen alles abverlangt.“ Dass dabei dreimal reine Streckenwertungen herauskamen, weil sich das Wetter anders entwickelte als vorhergesagt – mal Gewitter die Umrundung von Wenden versperrten oder es insgesamt überentwickelte –, hat keiner übel genommen.

Schwenk, der zu Hause Interessierten mit dem Gleitzahl- und Spannweitenriesen eta Einblicke in die Welt der Offenen Klasse anbietet, geriet in Ungarn geradezu in einen Begeisterungsrausch für die Minis. Am Boden wie in der Luft stechen die Kleinen mit ihrem super einfachen Handling jedes andere Flugzeug aus. Uli Schwenk freute vor allem, dass die herrlich leichten Flugzeuge wieder ein Gefühl für die Thermik vermitteln, das mit den hohen Flächenbelastungen der Flugzeuge in den konventionellen Wettbewerbs-klassen unmöglich geworden ist. Schwenk schwärmte noch lange nach der WM, wie leicht es mit der geringen Flächenbelastung möglich war, Energielinien zu erspüren und auszufliegen. 


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Gerhard Marzinzik


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