01.06.2016
Erschienen in: 05/ 2016 aerokurier

Wenn’s weiter gehen sollFliegerschule Wasserkuppe

Eine Bergflugschule beginnt die Saison natürlich in den Bergen. Während sich auf der Wasserkuppe noch Snowkiter vergnügten, startete die Fliegerschule das neue Flugjahr mit einer Exkursion in die französischen Alpen.

Als das Viererteam der Trainer um Schulleiter Harald Jörges mit den zwei Duo Discus und der ASG 29E der Schule Ende März von Gap-Tallard zurückkehrte, herrschte auf der Wasserkuppe noch Winter. Die Asphaltbahn musste erst einmal freigeschoben werden.

Die Exkursionsteilnehmer hatten in der südfranzösischen Außenstelle aber schon ausgiebig fliegen können. In diesem Jahr, freute sich Harald Jörges, waren es vor allem junge Piloten, die den Frühstart in die Saison genutzt haben. Sie waren nahezu an jedem Tag fünf bis sechs Stunden in der Luft und kamen dabei im Mistral auch hoch hinaus: bis auf 6000 Meter. Bei 80 Starts wurden nach den zwei Exkursionswochen für die drei Schulflugzeuge 200 Flugstunden und 15 000 Streckenkilometer zusammengerechnet.

Das Gebirgsflugtraining ist nur ein Angebot, mit dem sich die Fliegerschule Wasserkuppe an ausgebildete Piloten wendet. Während sich die Anfänger auf der Kuppe mit den Grundlagen des Fliegens vertraut machen, können sich Lizenzinhaber dort wichtiges Rüstzeug für Streckenflüge vermitteln lassen – da einsteigen, wo der Segelflug als Sport erst richtig anfängt. Das Coaching umfasst die professionelle Vorbereitung und auf Basis der guten Ortskenntnis des Trainerteams – in den französischen Alpen wie in der weiten Region um die Rhön – eine sichere Praxis.

Neben dem Segelflug gehört heute auch die Motorflugausbildung zum Angebot. Wer auf die Kosten achtet, hat die Möglichkeit, erst einmal in die günstige Variante des Motorfliegens, die Ultraleichtfliegerei, einzusteigen. Ein UL, eine Super Dimona und drei DR400 stehen für diesen Schulbereich zur Verfügung.

Abheben, wo der Segelflug „erfunden“ wurde

Für die Segelflugsaison in Deutschland ist die Fliegerschule bestens gerüstet. In diesem Jahr verfügt sie über die bisher größte und modernste Flotte. Von sieben Doppelsitzern stehen vier Schleicher ASK 21 und eine eigenstartfähige ASK 21Mi für die Anfängerausbildung und zwei Duo Discus für die Fortbildung zur Verfügung. Spitzenflugzeug unter den Einsitzern ist das 18-m-Klasse-Flugzeug ASG 29E mit Heimkehrhilfe. Es wird flankiert von zwei ASW 28, eine davon ebenfalls mit Turbo, und einer Ka 6E. Mitte des Sommers soll ein weiteres neues Standardklasse-Flugzeug dazukommen.

Mit der modernen Flotte stellt die Fliegerschule eine wichtige Ergänzung zum Ausbildungsangebot der Luftsportvereine dar. So kann auf der Kuppe die Eigenstartberechtigung Segelflug im Kompaktkurs innerhalb von zwei Tagen erworben werden. Mit der Klapptriebwerk-Einweisung wird die richtige und sichere Benutzung des Flautenschiebers vermittelt.

Unsicher im Thermikflug? Wenn das Kreisen mit mehreren Flugzeugen im Pulk oder eine mögliche Außenlandung Bauchgrimmen verursacht, steuert die Schule mit speziellen Trainingsflügen dagegen. Praktisches und theoretisches Streckenflugtraining wird in festen Kursen geboten, kann aber auch individuell vereinbart werden. Mit den Duo Discus kann man gemeinsam mit Fluglehrern auf Strecke gehenund sich zeigen lassen, wie die Termik am besten aufzufinden und zu nutzen ist.

Wohl nur wenige Anfänger werden sich bei ihrer Ausbildung allein auf eine professionelle Segelflugschule stützen wollen. Eine Komplettausbildung ist hier im Vergleich zur Schulung im Verein deutlich teurer. Das Starterpaket Segelflug der Fliegerschule Wasserkuppe kostet für Jugendliche bis 18 Jahre 1290 Euro, für Erwachsene 1390 Euro. Bezahlt sind damit 9 bis 14 Tage Anfängerschulung, inklusive aller anfallenden Flugkosten und Gebühren bis zu den ersten drei Alleinflügen.

Dieses Angebot lässt sich auch die Bundeswehr nicht entgehen. Zusammen mit der Segelflugschule Oerlinghausen wurde die Fliegerschule Wasserkuppe für die Grundlehrgänge der Luftwaffen-Offiziersanwärter ausgewählt. Für die angehenden Offiziere ist die Segelflugausbildung ein Bestandteil der Berufslaufbahn.

Kurse beschleunigen die Ausbildung

Das Angebot einer professionellen Schule wie der Fliegerschule Wasserkuppe ist eine wichtige Ergänzung zur Vereinsausbildung. Sparen lässt sich damit jedenfalls Zeit, wenn es zum Beispiel möglichst schnell zum Alleinflug gehen soll. Mit dem Kompaktkurs lässt sich da schon einmal eine große Hürde nehmen. Oder man lernt weiterführende Ausbildungsabschnitte oder Theorie im Block. Zur Kundschaft der Fliegerschule zählen auch Vereine selbst. Gruppen, die sich für ein Ferienlager auf der Kuppe interessieren, sind bei der Fliegerschule willkommen. Die Rhön liegt mitten in einer thermisch günstigen Region – nicht weit von der Rennstrecke Thüringer Wald – und ist ein guter Ausgangspunkt für Streckenflüge. Die Schule betreut auch immer wieder Einzelpiloten mit eigenen Flugzeugen. Sie finden auf der Kuppe eine gute Infrastruktur vor und erhalten bei der Fliegerschule ein gemeinsames Briefing mit Wetter- und Thermikinfos. Am Wochenende wird keineswegs pausiert, ausgebildet wird auf der Wasserkuppe sieben Tage in der Woche.

Die Fliegerschule Wasserkuppe ist die älteste Segelflugschule der Welt, 1924 wurde sie als Martens Flugschule gegründet. Heute gehört sie zu den modernsten. Sichtbar wird das nicht zuletzt am neuen Luftsportzentrum. Hier bietet das schuleigene Restaurant Weltensegler den zentralen Treffpunkt für alle Flieger auf der Wasserkuppe.

aerokurier Ausgabe 05/2016

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Gerhard Marzinzik


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