03.07.2017
Erschienen in: 06/ 2017 aerokurier

FlugzeugreportStemme RS10.e elfin — Meisterstück

Schon in einem Jahr soll der Hybrid-Tourer RS10.e elfin von Reiner Stemme Utility Air Systems fliegen. Das Flugzeug ist für die Doppelsitzerklasse konzipiert.

ae 06-2017 Stemme RS10.e elfin (01)

Cockpit der Stemme RS10.e elfin. Foto und Copyright: RS-AUS  

 

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Bescheiden mit seinen Zielen war Dr. Reiner Stemme noch nie. Die Vorläuferfirma der heutigen Stemme AG gründete er zu einer Zeit in Berlin, als der Westteil der Stadt noch eingemauert und dort eigentlich von den zuständigen Alliierten kein Flugzeugbau erlaubt war. Er schaffte das schier Unmögliche: Die Stemme S10 mit neuartigem Antriebskonzept – Mittelmotor, Fernwelle und einklappbarem Propeller im Bug – entstand.

Rund 30 Jahre später, 2013, unternahm Dr. Stemme mit der Reiner Stemme Utility Air Systems (RS-UAS) in Wildau bei Berlin einen Neuanfang und entwickelte für Katar das Beobachtungsflugzeug Q01 – mit einem maximalen Abfluggewicht von 2,7 Tonnen ein Flugzeug einer ganz anderen Klasse als die bisher von Stemme bekannten Sport-Tourer. Sein Faible für den Segelflug hat Dr. Reiner Stemme darüber aber nicht verloren. Mit der Fertigung des Aufklärungsflugzeugs in seinem 50 Köpfe starken Unternehmen am Wissenschaftsstandort Wildau ist der finanzielle Rückhalt für die Entwicklung der elfin gesichert.

Die RS10.e soll ein etwas anderer Beitrag für die 20-Meter-Doppelsitzerklasse werden, allerdings auch ein durchaus konkurrenz-fähiger in dieser FAI-Wettbewerbsklasse. Während in allen Konkurrenzmodellen (ASH 32, Arcus, DG-1001, Duo Discus und hph Twin Shark) die Piloten zwecks eines möglichst schlanken, widerstandsarmen Rumpfs im Cockpit hintereinander sitzen, werden sie in der neuen Stemme Seite an Seite platziert. Piloten mit einer Körperlänge von höchstens zwei Metern sollen bei einer Cockpitbreite von 1,20 Meter in Schulterhöhe bequem Platz finden. Hier legt Dr. Stemme viel Wert auf eine gute Cockpitergonomie, die langes ermüdungsfreies Fliegen ermöglicht. Den Ein-/Ausstieg erleichtert ein weit heruntergezogener Haubenausschnitt, der Rahmen liegt in komfortablen 95 Zentimetern Höhe.

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Foto und Copyright: RS-AUS  

 

Bei den hochgesteckten Leistungszielen werden trotz des breiteren Rumpfs keine Abstriche gemacht. Als beste Gleitzahl soll die 50 erreicht werden. Die RS10.e wäre auch keine Stemme, wäre sie nicht eigenstartfähig und mit einem im Bug einklappbaren Propeller konzipiert. Ganz im Trend der Zeit setzt Dr. Stemme auf einen elektrischen Antrieb. Im Vergleich zum komplexen Antrieb der S10 und dem neuen High-End-Tourer S12 gestaltet sich die Konstruktion der RS10.e damit weniger aufwendig. Der flüssigkeitsgekühlte E-Motor mit einer Startleistung von 75 Kilowatt wird im Bug untergebracht, sodass keine Fernwelle im Cockpit Platz raubt.

Die Segelflugleistung soll der dreiteilige 20-Meter-Flügel mit modernem Profil liefern. Aerodynamik-Professor Dr. Karl-Heinz Horstmann hat es auf Eignung und Leistungsfähigkeit gecheckt. Um schädlichen Widerstand im Flügel-Rumpf-Übergang des Schulterdeckers so weit wie möglich zu vermeiden, wurde die Verschneidung dieser Flächen besonders optimiert.

Die Tragflügelfläche von 16 Quadratmetern wird Flächenbelastungen von 34 bis 55 kg/m2 erlauben. Rund 180 Kilogramm Wasserballast sollen die Tanks in den Flügeln aufnehmen können.

Der Elektroantrieb steckt mit mehr als 100 Kilogramm in der Gesamtmas-se des Systems – für die Konstrukteure eine Herausforderung. Sie müssen einen Großteil dieser Masse durch hochfeste und neue Materialien in der Struktur auffangen. Dazu soll die Verwendung von Niedrigtemperatur-Prepregs beitragen, die nicht in kostenintensiven Autoklaven verarbeitet werden müsssen. Mit diesem Material wurde unter anderem auch die Perlan II bei Windward in den USA gebaut, die speziell für Höhenflüge bis in die Stratosphäre ausgelegt wurde. Zugelassen wird die RS10.e nach den europäischen Standardbestimmungen CS-22 für ein maximales Fluggewicht von 900 Kilogramm.


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Gerhard Marzinzik


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