03.07.2017
Erschienen in: 06/ 2017 aerokurier

Flugzeugreport (Teil 2) Reisen mit E-Power

ae 06-2017 Stemme RS10.e elfin (03)

Die elfin bietet ein großes Sichtfeld nach vorn über das Panel. Foto und Copyright: RS-AUS  

 

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Die zwei Akkupakete von je 12,5 Kilowattstunde, von denen eins fest installiert, ein weiteres austauschbar hinter den Sitzen platziert wird, machen Gewichtseinsparungen notwendig. Dennoch will man nicht auf einen Beiklappmechanismus für den Flügel verzichten. Ziel ist eine Hangarierfähigkeit vergleichbar mit der eines kompakten E-Klasse-Motorflugzeugs. Vorgesehen sind verschiedene Optionen: das Beifalten der Außenflügel von 20 auf 11 Meter Spannweite und das Eindrehen der Innenflügel über eine Rumpf-Heb-/Drehvorrichtung. Das Unterstellen in einem Transport-anhänger beziehungsweise das Aufrüsten soll mit Montagehilfen von einer Person innerhalb von 30 Minuten erfolgen können. Die Rangierfähigkeit ergibt sich durch das Zweibein-Fahrwerk. Es gewährleistet mit einer Spurweite von 1,20 Metern sicheres Rollen und verschwindet im Flug nach hinten im Rumpf, um Widerstand zu vermeiden.

Bei der Verwirklichung eines mög-lichst effektiven Antriebs setzt Dr. Stemme auf die Firma Siemens, die das komplette elektrische System für die RS10.e entwickelt. Für das Gesamt-konzept arbeitet das Stemme-Team mit dem Fachbereich für Luftfahrttech-nik der Technischen Hochschule Wildau zusammen. Dort forscht Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rüther-Kindel gemeinsam mit der Firma Enstroj an der Auslegung von Propellern, untersucht Laufspalteffekte und hat Gesamtwirkungsgrade bis hin zu Betriebsszenarien im Blick.

So wird der RS10-Bug im Bereich der Luftschraube trotz des breiten Cockpits einen nahezu kreisrunden Querschnitt erhalten. Vom kreisförmigen Laufspalt wird ein schwingungsarmer Lauf der Luftschraube erwartet. Der in Drehzahl und Drehmoment in weiten Grenzen regelbare Elektromotor macht zudem eine Luftschraubenverstellung für Start und Reiseflug überflüssig, sodass der Laufspalt mit nur 50 Millimetern Breite aerodynamisch günstig gehalten werden kann. Die Blattgeometrie wird bei der Steinbeis Flugzeug- und Leichtbau GmbH Stuttgart von Berthold Karrais optimiert. Stemme erwartet mit der Optimierung im Propellerbereich Wirkungsgrad-Zuwachs von über 25 Prozent gegenüber seiner ursprünglichen Erfindung. Ferner sollte der Propellerlärm reduziert werden. Als Reisegeschwindigkeit werden über 200 km/h anvisiert.

Die zwei Akkupakete ergeben bei einer Dauerleistung von 45 Kilowatt eine Motorlaufzeit von mehr als einer Stunde. In einer weiteren Ausbaustufe erhält die RS10.e elfin einen Range Extender. Vorgesehen ist ein Wankel-Generator von Geiger. Für die Einheit aus Verbrennungsmotor, Generator und Tank ist ein Behälter (Pod) unter dem Flügel vorgesehen. Der Extender wird die Reichweite im Motorflug bei einer Reisegeschwindigkeit von rund 185 km/h auf bis zu 1000 Kilometer steigern.

Von der Handhabung des Antriebs sollten dann auch Wenigflieger und Ungeübte nicht überfordert werden. Für die Bedienung ist nur ein Hebel auf der Mittelkonsole vorgesehen. Damit wird der Propellerdom geöffnet beziehungsweise geschlossen und die Leistung reguliert. In nur rund drei Sekunden geht es damit vom Segel- zum Motorflug und zurück. 

Geplanter Lieferbeginn des zugelassenen Flugzeugs ist 2019. Und  Preise gibt es auch schon: Nach heutiger Kalkulation werden für eine ausgerüstete RS10.e elfin rund 240  000 Euro aufgerufen.


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Gerhard Marzinzik


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