03.05.2017
Erschienen in: 04/ 2017 aerokurier

Wirbel um die Wirbel (Teil 2) Vergleich: ASW 27 und Mü 31

IN DIESEM ARTIKEL

Die Mü 31 bekam daraufhin im Nahbereich des Rumpfes eine Aufschränkung und eine geänderte Profilierung, um so eine annähernd elliptische Auftriebsverteilung über den gesamten Flügel zu erreichen.
Im unmittelbaren Rumpfbereich erhielt der Mü-31-Flügel zusätzlich ein turbulentes Profil. Im Vergleich mit einem Laminarprofil wirkt die auf eine turbulente Strömung ausgelegte Profilierung in diesem Bereich widerstandsverringernd. Die Strömung schlägt ja am Rumpf bereits vor Erreichen des Tragflügels von laminar auf turbulent um und verlässt den Flügelwurzelbereich in Form von Wirbelzöpfen.

entlang und erzeugen weiteren Widerstand. Bei der Mü 31 strömen sie wie beim Windkanalmodell oberhalb des Rumpfes ab. Bei der Kombination von Flügel und Rumpf musste zudem darauf geachtet werden, dass die Verschneidung der beiden Bauteile möglichst rechtwinklig erfolgte. Bei der Hochlage des Flügels war das in den Windkanalmodellen erst einmal nicht gegeben – Rumpf und Flügel schnitten sich in kleinem Winkel. Diese Verschneidung wirkte auf der Unterseite wie ein Kanal und ergab einen Düseneffekt. Dem starken Druckabfall an der Flügelnase folgte darin ein starker Druckanstieg, der widerstandsträchtige Ablösungen begünstigte.

Bei der Mü 31 schnürt der Rumpf schon im hinteren Haubenbereich kurz vor dem Flügel etwas ein und setzt diese Einbuchtung unter diesem fort. Der Flügel sitzt somit auf einer Art Halbpylon. Nachteile dieser Konfiguration sind der geringe Platz für die Steuerungsübergabe und die aufwendige Holmkonstruktion aufgrund der Verschneidung. Die Mü 31 wurde deshalb wie der Albatros mit einem Mittelflügel gebaut.

Beim Schulterdecker JS3 Rapture ist im Rumpfbereich ebenfalls ein deutlich anderes, starres Flügelprofil zu erkennen. Die Flügelhinterkante der JS3 endet allerdings im oberen Drittel der Rumpfröhre, sodass hier zu erwarten ist, dass die Wirbel anders als bei der Mü 31 den Rumpf entlang abfließen und dort die Umströmung stören werden. Gewinnen dürfte die JS3 im Kampf gegen allen vermeidbaren Widerstand vor allem durch ihren minimalisierten Rumpf und den vielen  Widerstand sparenden Details.
Die Standard-Klasse-Flugzeuge LS1 bis LS1-c von Rolladen-Schneider tragen den Flügel ähnlich wie die JS3 als Schulterdecker. Der Jantar fliegt mit einem recht hoch angesetzten Flügel und auch die Motorsegler der Stemme-Reihe. Die Flügelhinterkanten schneiden bei diesen Flugzeugen im Gegensatz zur Mü 31 immer noch die Rumpfröhre. Auch wurde bei diesen Konstruktionen der Flügel im Bereich der Wurzelrippe nicht anders profiliert oder aufgeschränkt. In welchem Maße das Mü-31-Konzept die Leistung steigern kann, wird sich nach Vermessungen ergeben, die direkt mit denen einer ASW 27 verglichen werden können – wahrscheinlich beim Idaflieg Sommertreffen im August in Aalen-Elchingen


WEITER ZU SEITE 3: Daten Mü 31

    1 | 2 | 3 |     
Mehr zum Thema:
Akaflieg München/Gerhard Marzinzik



aerokurier 12/2017

aerokurier
12/2017
22.11.2017

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Pilot Report: TAF3 Flamingo
- Messebericht: NBAA-BACE
- Übungen Flugpraxis
- Sicherheit von Elektroantrieben
- Segelfliegertag 2017
- Schulgleiter SG38 am Gummiseil
- Konferenz zur Flugsicherheit

Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:

aerokurier Online-Markt