09.08.2015
Erschienen in: 07/ 2013 aerokurier

Gegen den Trend (Teil 2) Sauber, geruchsfrei, zuverlässig

ae 07-2013 Binder Elektro (01)

Kaum mehr Ausmaß als ein Einsitzer: Die EB 29DE in der Modifikation als sportlicher 1+1-Sitzer. Foto und Copyright: Marzinzik  

 

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Mit meinen 1,75 m Körpergröße finde ich auf beiden Sitzen bequem Platz, alle Bedienelemente sind ergonomisch gut erreichbar, und selbst hinten habe ich uneingeschränkte Sicht zu den Seiten. Bei der Unterbringung der Rettungsfallschirme musste allerdings getrickst werden, vorn verschwindet das Kohnke-Päckchen in einer Ausbuchtung der Rückenlehne und hinten im Gepäckraum, der noch zwei Sauerstoffflaschen aufnehmen kann.

Die Triebwerksbedienung gibt es in dem 1,5-Sitzer nur vorn. Entwickelt hat die kombinierte Steuer- und Kontrolleinheit EDM Utz Schicke, in dessen Werkstatt auch die Steuerautomaten für die Motorsegler von Glaser-Dirks/DG-Flugzeugbau entstanden. Mit dem EDM ist die Bedienung des Antriebs an Einfachheit nicht zu überbieten. Nach Umlegen eines Schalters fährt der Motor-/Propellerturm mit integriertem Kühler aus, dann kann mit einem Drehschalter der Motor in Betrieb genommen und die Leistung reguliert werden. Maximal stehen mit der aktuellen Softwareversion der Steuerung 52 kW (70 PS) zur Verfügung, ausgelegt ist der Motor für Leistungen bis 60 kW.

Zurück in die Segelflugkonfiguration geht es ebenso unkompliziert. Der Propeller wird von der Steuereinheit in der senkrechten Position abgebremst, gehalten und eingefahren – hier hat sich bei den Erprobungsflügen herausgestellt, dass die Binder- Konstruktion für die  Motorsegler mit Solo-Motor auch für die mit dem Elektromotor gut funktioniert. Ein externer Aus-/Einfahrschalter dient Wartungsmaßnahmen und Kontrollen, zu denen der Motor nicht betrieben wird.

Mit den 70 PS erwies sich die EB 29DE für unser Fluggewicht von rund 850 kg (F/G= 51,5 kg/m2) als gut motorisiert. Als wir auf dem Segelfluggelände Büchig das Ende des kurzen Asphaltstreifens erreichten, hob die EB 29DE ab, so wie zuvor die Solo-bestückte und ebenfalls mit zwei Piloten besetzte EB 29D. Die volle Motorleistung brachte den 1,5-Sitzer gleich mit rund 3,5 m/s himmelwärts. Ab rund 200 m Höhe ging es mit kapazitätssparender, auf 40 kW zurückgeregelter Leistung immer noch mit 2 m/s aufwärts. Danach verriet das EDM: Für die 750 Steigmeter hatten wir gerade einmal 17 Prozent der verfügbaren Energie verbraucht.

Später nutzten wir den Antrieb noch einmal für einen großen Hub. Die danach am EDM angezeigte Restkapazität bekräftigte Walter Binders Statement, dass die insgesamt „eingepackten“ 25 kWh für vier Steigflüge à 1000 Höhenmeter ausreichen. Nach einem Start auf 1000 m verbleibt der EB 29DE mithin noch eine Reichweite von deutlich über 200 km.

Zur Motor- oder Akkuschonung braucht im Steigflug die Leistung nicht einmal heruntergeschraubt zu werden. Der Entladestrom betrug im Maximum (2C) weniger als 50 Prozent des Limits (4C) für die Panasonic-Zellen. Dank der Flüssigkeitskühlung blieben auch die Temperaturen von Motor und Regler im grünen Bereich. Bei 40 kW stagnierte die Anzeige der Motortemperatur bei 65 Grad. Die modernen Akkus, deren eigentliches Einsatzgebiet Notebooks sind, kommen ohne Kühlung aus. Bei der Belastung stieg ihre Temperatur nicht über 35 Grad. Ihren besten Wirkungsgrad erreichen sie erst bei 40 Grad.


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Gerhard Marzinzik


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