09.08.2015
Erschienen in: 07/ 2013 aerokurier

Gegen den Trend (Teil 3) Gleiten und geniessen

IN DIESEM ARTIKEL

Nach den ersten Erprobungsflügen im zurückliegenden Winter sieht sich Walter Binder bestätigt, dass auch eine Heizung der Akkus nicht erforderlich ist. Binder: „Die modernen Akkus sind nicht mehr so empfindlich gegenüber tieferen Temperaturen.“ Selbst in Gefrierpunktnähe standen bei den Tests noch 48 kW zur Verfügung.

Vieles hat in der EB 29 schon vor der „Elektrifizierung“ elektrisch funktioniert: die Trimmung und das Fahrwerk und natürlich das Ein-/Ausfahren des Propellerturms. Die Avionik wird auch bei der EB 29DE über einen eigenen Akku im Leitwerk versorgt. Dort gibt es auch einen Ausgleichstank zur Vermeidung von Schwerpunktverschiebungen für den Fall, dass ein schwerer Pilot alleine fliegt.

Richtig angenehm überrascht mich, wie leise und vibrationsarm die EB 29DE im Kraftflug ist. Auf Headsets kann getrost verzichtet werden. Einzige Lärmquelle ist der Propeller, dessen Geräusch für Bodenbeobachter nach dem Start rasch im Umgebungslärm untergeht. Probleme an Flugplätzen mit Umweltbeschränkungen sollte es für den Elektroflieger nicht geben.

Die EB 29DE hat nicht nur im Kraftflug ein sehr geringes Lärmniveau, in der Segelflugkonfiguration überzeugt sie mit Stille im Cockpit bis in den hohen Geschwindigkeitsbereich hinein. Da pfiff weder die gut abgedichtete Haube, noch kam Lärm von den Motorraumklappen.

Mit Gleiten und Genießen lässt sich wohl am besten das Segelflugerlebnis mit der EB 29DE beschreiben. Bei dem müden Wetter über triefnasser Landschaft, in der sich sonst unscheinbare Bachläufe zu breiten Flusslandschaften aufgebläht hatten und sich zwischen den Cumuli große thermiklose Distanzen auftaten, war es einfach ein Genuss, mit hoher Geschwindigkeit, dabei kaum abgesenkter Nase, immer wieder in ausreichender Höhe unter den Wolken für einen Wiederaufstieg anzukommen. Und das über Strecken, die bei einem 15-m-Flugzeug schon zu Bedenken geführt hätten, die Distanz überhaupt bewältigen zu können.

In der Thermikfühligkeit und der Steuercharakteristik hat die vergrößerte EB 29 nichts von den guten Eigenschaften des Einsitzers eingebüßt. Beim ersten Eindruck hat der etwas verlängerte Rumpf vor dem Flügel der Harmonie der Ruderabstimmung sogar eher gut getan als geschadet.

Selbst bei den recht mäßigen Bedingungen während des Fluges für diesen Bericht machte sich die hohe Flächenbelastung nicht negativ bemerkbar. Immer waren die Bärte zu packen. Und im Schwachen ließ sich die EB 29DE mit geringer Querlage noch mit 85 km/h kurbeln. Im Langsamflug erwies sie sich als so gutmütig wie die einsitzige Schwester. Die räumliche Begrenztheit des 1,5-Sitzers machte sich für mich einzig durch die aufs Notwendigste reduzierte Instrumententafel in der Kopfstütze des Piloten bemerkbar. Sie sitzt sehr nah vor der Nase des Copiloten. Die Sicht um die Kopfstütze herum ist dagegen durchaus ausreichend und lässt auch die Kontrolle der Instrumente vorn zu. Das Auge braucht nicht ständig von fern auf nah umzustellen.

Etwas Arbeit gibt es noch für den Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau. So verdient der hintere Sitz eine eigene Belüftung, und es müssen noch die Mückenputzergaragen ausgeformt werden.

Nach der Landung kommt die EB 29DE an die Steckdose. Ein einfacher 220-Volt-Netzanschluss mit einer mit zehn Ampere abgesicherten Leitung reicht. Der Laderegler sitzt im Motorraum und ist gegen Überhitzung flüssigkeitsgekühlt. Über die Fortschritte beim Ladevorgang informiert das EDM. Bei einer Entladung bis zum Minimum beträgt die Ladezeit acht Stunden. Geladen wird zellenschonend auf nur 2,7 anstelle der möglichen mehr als 3 Ampere.

aerokurier Ausgabe 07/2013


WEITER ZU SEITE 1: Gegen den Trend

    1 | 2 | 3 | 
Mehr Infos zu:
Mehr zum Thema:
Gerhard Marzinzik


Weitere interessante Inhalte
Erlkönig gesichtet Binder EB29 mit neuem superschlankem Flügel

02.04.2016 - Das werden die Renner für die Offene Klasse. Für EB29 und EB29D von Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau in Ostheim in der Rhön gibt es jetzt neue, hoch gestreckte Flügel mit 28 Meter Spannweite. Bei … weiter


Pilot Report Elektro EB 29DE

08.07.2013 - Jetzt gibt es den „Sport-Doppelsitzer“ von Binder Flugmotoren- und Flugzeugbau: die EB 29DE mit Elektroantrieb – ein Doppelsitzer mit wenig mehr Ausmaß als ein Einsitzer. Die Idee dahinter: … weiter

Laukkujärvi-See in Nordschweden Fliegen auf dem Eis

23.11.2017 - Zwei Wochen bei 20 Grad unter null auf einem zugefrorenen See zu verbringen – das traut man allenfalls den härtesten Anglern auf der Jagd nach dem ganz großen Winterfang zu. In Nordschweden hingegen … weiter

Segelkunstflug Impressionen vom 1. Bayern-DoSi

10.11.2017 - Loops, Rollen und Turns mit Dickschiffen wie ASK 21 oder DG 1000 - da mag mancher Profi die Nase rümpfen. Für den Einstieg in Akro-Wettbewerbe bieten die Doppelsitzer aber zwei handfeste Vorteile: Es … weiter

Drohnen als Chance Segelfliegertag 2017

09.11.2017 - Am 4. November empfing der der Aeroclub Hagen Piloten aus ganz Deutschland zum 76. Segelfliegertag. Neben Sport- und Verbandspolitik und der Ehrung erfolgreicher Wettbewerbsteilnehmer stand ein Thema … weiter


aerokurier 12/2017

aerokurier
12/2017
22.11.2017

Abonnements
Digitalabo
Heft-Archiv
Einzelheft bestellen


- Pilot Report: TAF3 Flamingo
- Messebericht: NBAA-BACE
- Übungen Flugpraxis
- Sicherheit von Elektroantrieben
- Segelfliegertag 2017
- Schulgleiter SG38 am Gummiseil
- Konferenz zur Flugsicherheit

Gebrauchtflugzeuge, Luftfahrtzubehör, Reiseangebote und vieles mehr:

aerokurier Online-Markt