14.04.2016
Erschienen in: 02/ 2016 aerokurier

Vergleichstest F-SchleppWas können UL-Schlepper?

Die Robin DR400R Remorqueur gilt vor allem in Westdeutschland als das Schleppflugzeug schlechthin, insbesondere für den Start schwerer Doppelsitzer. Wie gut hier stark motorisierte ULs mithalten können, zeigt der Versuch.

ae 02-2016 UL-Schlepper (01)

Das entscheidende Kriterium für einen sicheren F-Schlepp ist der schnelle Höhengewinn in Bodennähe. Foto und Copyright: Marzinzik  

 

So gut die Remorqueur auch schwerste Segelflugzeuge in die Luft bringt – ihr hängt der Nachtteil an, mit ihren 180 Lycoming-PS sehr durstig und in der Wartung sehr aufwendig zu sein. Das macht ihren Betrieb richtig teuer. Für viele Vereine ist ihr Unterhalt nicht mehr finanzierbar.

Auf der Mönchsheide machte man sich deshalb auf die Suche nach einer Alternative und initiierte Vergleichsschlepps der eigenen Remo mit zwei Ultraleichtflugzeugen von Aerospool, einer 115 Turbo-PS starken Dynamic WT9 und dem gleichen Muster  mit 100 Pferdestärken. Ihre Aufgabe bei annähernd gleichen meteorologischen Bedingungen auf der Graspiste des Segelfluggeländes über Bad Breisig: Sie mussten ihr Schleppvermögen mit einer ASK 13 (630 kg), einer ASK 21 (585 kg) und einem Duo Discus T (630 kg) zeigen. Die Startmassen der Segelflugzeuge waren über die Testreihe für alle Schlepper gleich.
Bei dem Vergleich Anfang Oktober vergangenen Jahres interessierten vor allem die Startroll- und Startstrecken sowie der Anfangssteigflug. In diesem Zusammenhang galt auch der Lärmbelastung der Flugplatzumgebung besonderes Augenmerk. Ob ein UL-Schleppzug nach Erreichen der Sicherheitshöhe vielleicht langsamer steigt, war weniger interessant.

Die Temperatur (13 oC) spielte keine Rolle. Der Wind allerdings stand meist fast quer zur Piste, hauptsächlich kam er mit fünf bis zehn Knoten aus Nordost bis Ost. Die Graspiste in rund 672 ft Höhe war schon kein kurzer, glatter Teppich mehr, dazu aber jahreszeitgemäß etwas weich und nass. Als Piste standen in der Startrichtung „10“ 700 m plus weitere 190 m hinter der Schwelle zur Verfügung.

Idealbedingungen, die sich für die ULs als vorteilhaft hätten erweisen können, herrschten also keineswegs bei diesem Test. Und trotzdem schnitten die beiden Ultraleichten sehr gut ab – für viele überraschend. Wolfgang Schneider, Pilot der ASK 13, fasste es zu zusammen: „Anzug und Startlauf bis zum Abheben waren nahezu identisch, wobei lediglich der Anzug mit der DR 400 ein wenig zügiger war. Das Anfangssteigen war bei allen drei Flugzeugen gleich. DR400 und WT9 Turbo waren auch im anschließenden Steigen mit zirka 3 m/s gleich. Das Steigen mit der 100 PS starken Dynamic lag zwischen 2 und 2,5 m/s. Nach meinem persönlichen Eindruck waren die Schlepps hinter den beiden WT9 wesentlich ruhiger als hinter der DR400.“

Martin Wagner, der mit Copilot den deutlich schwereren Duo Discus T steuerte, beschrieb seine Erfahrungen so: „Die 115 PS starke Dynamic zeigte im Anzug, Abheben und Steigflug kaum einen merklichen Unterschied zur Remo. Steigwerte im Geradeausflug betrugen etwa 2,5 m/s. Die 100-PS-Dynamic war bei minimalem Rückenwind langsamer im Anzug und hob später ab. Danach zeigte sich kein Unterschied mehr. Steigwerte im Geradeausflug waren etwa 0,2 m/s geringer als mit der Turbo-Dynamic. Bei allen drei Flügen hatte ich 120 bis 130 km/h auf dem Fahrtmesser.“

„Ich hätte nicht gedacht, dass die WT9 mit 100 PS den Duo Discus T so problemlos mit Rückenwind rausschleppt“, sagte Auswerter Stefan Willnat, der die Schlepps vom Boden aus beobachtete. Willnat schränkte aber ein: „Dennoch glaube ich, dass bei stärkerem Wind und die dadurch am Platz entstehenden Abwindfelder die WT9 mit 115 PS besser ist, vor allem an sehr warmen Tagen.“

Bestätigt werden die subjektiven Eindrücke durch die Leistungskurven, die mittels schneller GPS-Aufzeichnungen erstellt wurden. Rollstrecken und Steigverläufe werden dort objektiv wiedergegeben. Die Daten erlaubten Stefan Willnat ein sehr zuversichtliches Fazit: „Die Schleppleistungen der WT9 Turbo mit 115 PS sind mit der Schleppleistung der DR400R/180 vergleichbar. Sowohl die Beschleunigungswerte als auch die Steigwerte sind nahezu identisch.

Genug Reserve über den Bäumen?

ae 02-2016 UL-Schlepper (02)

Äpfel und Birnen im Vergleich? Leistungs- und gewichtsmäßig sicher, aber keinesfalls in Bezug auf die Schleppleistung. Foto und Copyright: Marzinzik  

 

Die Schleppleistung und die Beschleunigungswerte der WT9 mit 100 PS sind minimal schlechter als die der Robin DR400R/180, die Steigwerte um rund 0,5 m/s geringer. Alle F-Schlepps hatten über den Bäumen genügend Sicherheitsreserven und verliefen zur vollsten Zufriedenheit.

Für die größte Überraschung sorgte die AeroSpool Dynamic WT9 mit 100 PS, die trotz aufkommenden Rückenwinds den Duo Discus T sicher über die Hindernisse schleppte.“ Gegenüber der eingesetzten Turboversion hatte die 100-PS-Version der Dynamic beim Startgewicht einen Vorteil von rund 60 kg. Beim Propeller gab es keinen Unterschied, beide ULs wurden von einem elektrischen Constant-Speed Woodcomp CS gezogen. An der Remo drehte sich ein starrer 54er Sensenich, ein idealer Schlepp-Prop für die DR 400. Im Vergleich der Leermassen drückte die 625 kg schwere Remo besonders stark auf die weiche Piste, während die WT9 Turbo 329 kg und die WT9 mit Saugmotor 296 kg auf die Waage brachten.

Bei der relativ geringen Temperatur und den niedrigen Schlepphöhen konnte die Dynamic die Vorteile ihres Turbos gegenüber dem schwächeren Schwestermodell und der Remorqueur allerdings nicht ausspielen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass bei höheren Temperaturen der Unterschied zu den Vergleichsmodellen deutlicher ausfällt. Im Vergleich der Geräuschpegel waren die ULs während der Schlepps nicht zu schlagen. Ihre Schleppflüge waren um ein Vielfaches leiser als die der Remo.

Dem LV Mönchsheide hat der Test Klarheit gebracht: Für den Grasplatz und für das dort mit 630 kg schwerste stationierte Segelflugzeug sind die WT9/100 und die WT9/115 als Schleppflugzeuge geeignet.

aerokurier Ausgabe 02/2016

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Gerhard Marzinzik


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