24.02.2017
Erschienen in: 02/ 2017 aerokurier

OldtimerDenkmalflugzeug: Kranich III

Im November erhielt die Flotte der in Deutschland als bewegliches technisches Denkmal registrierten Flugzeuge Zuwachs. In Ratzeburg bekam ein Kranich III diesen Status. Doch ging es bei der Auszeichnung um mehr als nur den Erhalt eines Flugzeugs.

ae 02-2017 Kranich III Denkmalflugzeug (02)

Der Kranich III beeindruckt mit seinen Dimen­sionen auch
heute noch. Foto und Copyright: Lars Reinhold  

 

Selbst auf den modernen Segelflugpiloten, der stattliches Geflügel à la Duo Discus oder ASG 32 gewöhnt ist, macht ein Kranich Eindruck. Die Spannweite von 18,20 Meter wirkt durch die große Flügeltiefe viel wuchtiger als bei anderen Seglern, und auch der Rumpf ist gefühlt deutlich länger, als die 9,12 Meter vermuten lassen. Die einzige Nachkriegskonstruktion von Hans Jacobs, der bereits zu Zeiten der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) mit Flugzeugen wie Habicht, Weihe und dem Lastensegler DFS 230 Meilensteine des Segel­flugs konstruierte, ist nicht nur optisch interessant. Auch technisch und luftfahrthistorisch gebührt ihr ein besonderer Platz, legte Jacobs das Flugzeug doch explizit auf den Leistungsflug aus.

„Der Kranich III kann als erster moderner Doppelsitzer der Nachkriegsära gelten“, sagt Alexander Willberg. Willberg ist Segelflieger, Fluglehrer und Geschäftsführer der Jugendbildungsstätte (JuBi) Ratzeburg, für die der rüstige Oldie heute auf dem Flugplatz Grambeker Heide fliegt. „Das Flugzeug war mit einer Gleitzahl von über 30 seiner Zeit um etliche Jahre voraus.“

Die JuBi hat den Kranich 2015 aus der Sammlung von Roland Strasser gekauft, berichtet Will­berg. Der Kontakt zu dem Flugzeug-enthusiasten war einige Jahre zuvor entstanden, als die Einrichtung für ihn eine Gö-4 restaurierte. Die hatte er – mit schwerem Landeschaden – in den Niederlanden erworben.

Tatsächlich liegt der Schwerpunkt der Jugendbildungsstätte, die nach dem Vorbild dänischer Produktionsschulen Jugendliche und junge Erwachsene aus schwierigen Verhältnissen für eine Ausbildung qualifizieren soll, beim Flugzeugbau. „Immer wieder kommt dieselbe Frage auf: Jugendliche-Problemfälle und ein hochsensibles Thema wie Flugzeugwartung – wie passt das zusammen?“, bemerkt Willberg. „Das passt perfekt, weil wir unseren Teilnehmern Sorgfalt, Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Teamgeist vermitteln wollen. Und wenn den Jugendlichen bewusst wird, dass sie später gegebenenfalls selbst in dem Flugzeug sitzen, an dem sie gerade schrauben, dann stellt sich genau das erfahrungsgemäß ein.“


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Lars Reinhold


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