01.04.2017
aerokurier

SegelflugBesser gleiten mit Schwerem Wasser

Perfekte Oberflächengüte, Grenzschichtausblasung, spezielle Rumpf-Flächen-Übergänge – die Segelflughersteller kommen in Bezug auf die Leistung sukzessive an die Grenze des Machbaren. Ein Forscherteam der Universität Helsinki versucht nun, bereits etablierte Muster weiter zu optimieren – mit Hilfe der Chemie.

SegelflugD2O

Deuteriumoxid ist völlig ungiftig. Tritiumoxid hingegen käme beim Ablassen Chemtrails gleich. Foto und Copyright: Lomo Barthobiassi  

 

Ansatzpunkt der Flugzeugkonstrukteure um Matti Mekkredi ist einmal mehr die Flächenbelastung. "Die lässt sich mit Wasserballast ja schon in gewissen Grenzen variieren, allerdings steht man immer vor dem Dilemma, dass man die Tanks nicht beliebig vergrößern kann, ohne die Struktur zu schwächen", erklärt der Wissenschaftler. Weiterhin bestehe das Problem, dass bei sehr leichten Piloten trotz voller Wassertanks die maximale Abflugmasse nicht ausgeschöpft werden könne. "Man nehme die durchschnittliche Wettbewerbspilotin, die mit einem Discus 2c starten möchte: Mit Schirm bringt sie vielleicht 70 kg auf die Waage, dazu kommen Getränke, Essen und persönliche Pilotenausstattung, vielleicht eineinhalb Kilo zusätzlich. So knackt sie knapp die Mindestbeladung im Cockpit, das ,Lebendgewicht‘ des Flugzeuges beträgt dann gute 351 kg. Bis zur Maximalen Abflugmasse des 2c von 565kg bleiben 214 kg Zuladung, durch Füllen der Wassertanks in den Flächen können 200 kg zugeladen werden. Doch auch wenn die Tanks voll sind und der Ausgleichstank in der Seitenflosse mit acht Litern voll ausgenutzt ist, bleiben sechs Kilogramm Zuladung ungenutzt. Unter Wettbewerbsgesichtspunkten ein klarer Nachteil gegenüber wohlgenährteren Teilnehmern."

Die einfache Lösung: Schweres Wasser!

D2O

Das Molekül von Deuteriumoxid ähnelt dem des normalen Wassers. Das Wassersoffatom (rot) hat allerdings ein zusätzliches Neutron im Kern.
Foto und Copyright: ColiN00B|Pixabay  

 

Mekkredi und seine Mitstreiter machen sich für ihre Optimierung die unterschiedlichen Massen verschiedener Wasserstoffisotope zunutze. "Die Idee entstand während unsere Akaflieg im Winter die Flieger für den Wettbewerb optimierte", erklärt Mekkredi. "Jussi Anorgannii, Doktorand am Institut für Physik, suchte nach einer Möglichkeit, Clubklasseflugzeuge, die nur über kleine Wassertanks verfügen, schwerer zu machen. Irgendwann kam er auf die eigentlich naheliegende Idee, es mit schwerem Wasser – Deuteriumoxid (D2O) – zu versuchen." Anorgannii, der seine Doktorarbeit über das spezifische vorkommen von Wasserstoffisotopen in der nördlichen Hemisphäre schreibt, erklärt den Hintergrund: "Die höhere Dichte von 1,106 kg/l erscheint auf den ersten Blick marginal, aber in den 60-Liter-Tanks einer LS 1-d sind das statt 60 auf einmal gut 66 Kilogramm. Je größer der Wassertank – desto größer der Effekt." Ein Rennklasseflugzeug wie die beispielsweise die polnische Diana könne so statt 240 kg insgesamt 265 kg Ballast zuladen – ganz ohne bauliche Veränderungen.

Kostenfaktor Herstellung

D2O-Anlage

Passender könnte es kaum sein: Schönste Wolkenstraßen über der Anlage zur Herstellung Schweren Wassers.
Foto und Copyright: domeckopol|pixabay  

 

Problematisch sei allerdings die Bereitstellung genügend großer Mengen schweren Wassers. "Man gewinnt es durch Anreicherung ,normalen' Wassers, in dem auch schweres Wasser enthalten ist, im sogenannten Girdler-Sulfid-Prozess", sagt Anorgannii. Das sei aber teuer. Ein unkomplizierter Zugang zu schwerem Wasser ergebe sich aber möglicherweise aus einer Zusammenarbeit mit Archäologen der Universität Oslo, kommentiert Matti Mekkredi den Stand des Projekts. "Die planen, die 1944 auf dem Tinnsee gesunkene Fähre Hydro zu heben – die rund 50 Fässer Schweres Wasser an Bord hatte." Bereits 2004 sei ein Fass gehoben worden, um zu prüfen, ob es tatsächlich Schweres Wasser enthält. "Der Befund war positiv, wir dürfen also verhalten optimistisch sein", so Mekkredi.

Ein weiteres Forschungsprojekt, in dem die Verwendung von überschwerem Wasser (Tritiumoxid, T2O) untersucht wurde, ist inzwischen eingestellt. "Die Performanceverbesserung durch die noch höhere Dichte des T2O von 1,21 kg/l wird durch den immensen Aufwand zum Strahlenschutz vor dem radioaktiven Tritium konterkariert", zieht Mekkredi ein kritisches Fazit. Außerdem wolle man den Chemtrail-Gläubigen nicht mit echtem, von Flugzeugen versprühtem Gift in die Karten spielen.




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