30.05.2011
aerokurier

PPL Theoriewissen DrehmeierTheorie aufgefrischt - Runder Rechner

Flight Computer, E6-B, oder "Drehmeier" - der runde Rechner gehört zur Grundausstattung eines jeden Piloten. Auch im Smartphone-Zeitalter hat das kompakte Gerät noch seine Qualitäten.

Ob sich der Navigationsrechner in der Einschätzung des Piloten zum altmodischen Folterinstrument oder sinnvollen Backup entwickelt, hängt von diversen Faktoren ab.

Wer schon einmal in der Flugplatzgaststätte die Schimpftiraden am Nebentisch angesichts fehlender Batterien für den elektronischen Kalkulator mitgehört hat, rechnet Flugdurchführungspläne per Drehmeier mit einer ganz anderen Wertschätzung.

Klugschwätzer kritisieren gerne die "mangelnde Genauigkeit" des mechanischen Rechners. Das mag in der heutigen Großluftfahrt noch zutreffen, doch auch diese bediente sich jahrzehntelang mechanischer Rechenhilfen.

Völlig absurd wird es, wenn Performance-Berechnungen für den Abflug eines Motorseglers oder einer Einmot bis auf die Nachkommastelle elektronisch genau berechnet werden.

In der Übersichtlichkeit des Navigationsrechners liegt für  Einsteiger eher noch ein Vorteil. Er vermittelt auf einen Blick optisch die Zusammenhänge, kann auch über die Karte gehalten werden, wenn es um Kurse und Windrichtungen geht. 

Andererseits verlangt der Drehmeier insbesondere vom Anfänger regelmäßiges Training. Das Aha-Erlebnis, wenn wirklich alle Skalen verstanden sind, ist ungefähr genauso beeindruckend wie der erste Alleinflug.

PPL ATPL Theoriewissen Drehmeier Winddreieck

Für manchen Piloten sind Winddreiecke eher späte Versöhnung mit Schulmathematik: Geht es nun nicht mehr darum, Berührungspunkte fünfdimensionaler Körpern in zwölfdimensionalen Vektorräumen theorietisch zu betrachten - sondern den Weg von A nach B inklusive Korrektur für den Wind aus C zu bekommen!

Der Navigationsrechner ist nichts weiter als mechanischer Ersatz für den kombinierten Einsatz von Geodreieck, Papier, Lineal und Stift! Statt jedes Mal ein neues Blatt zu nehmen, Kurs, Windreichtung und Heading zu ermitteln und einzuzeichnen - macht dies der Drehmeier.

Meist gibt es folgende Szenarien:

Kurs und TAS bekannt, Windrichtung und Stärke ebenfalls - dies ist die Planungsversion. Wichtig hierbei für Einsteiger: TAS und Heading gehören zusammen, GS und Track. Mit der TAS bewegt sich das Flugzeug im Vergleich zur umgebenden Luft. Wohin es seine Nase zeigt, gibt das Heading an. Wie sich das am Boden auswirkt, dokumentieren Ground Speed und Track beziehungsweise Kurs.

Verwirrend ist beim Drehmeier insbesondere für Anfänger die Frage, was unter welche Markierung gesetzt werden muss. Wichtig dabei: TAS und Heading sowie GS und Track dürfen nicht durcheinandergebracht werden - dann klappen die meisten Aufgaben korrekt.

Beispiel:

Von A nach B wird aus der Karte der Kurs 90 Grad entnommen. Das Flugzeug hat eine True Air Speed (TAS) von 120 Knoten. Die Wetterdaten liefern in der Flughöhe einen Wind aus 20 Grad mit 30 Knoten.

Schritt 1:

- Unter dem True Index wird der True Course gesetzt. Den findet man in der Regel bei der Flugplanung in seiner Karte.

Schritt 2:

Jetzt wird mit dem transparenten Zeiger der Wind eingestellt. Dabei beachten: Die Windangabe 230/40 sagt aus, woher der Wind kommt - nicht wohin er bläst.

Schritt 3

Jetzt wird auf den Bögen der Drehmeier-Grundplatte die TAS gesucht. Dabei wird der Schieber solange bewegt, bis die Windgeschwindigkeit über der TAS steht. Der Mittelpunkt zeigt jetzt die Groundspeed. Der Winkel zwischen Mittellinie und dem genannten Schnittpunkt ergibt das Heading.

Mehr zum Thema:
aerokurier.de / Heiko Stolzke



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