12.10.2009
aerokurier

Intro Flugausbildung USA EUPilotenlizenz in USA oder Deutschland - die Unterschiede

Flugtraining und Praxis in Deutschland und den Vereingten Staaten unterscheiden sich nicht nur am November oder Delta auf dem Flugzeugrumpf. Ausbildung und Flugbetrieb haben landesspezifische Eigenheiten.

Meist stellt sich die Frage für Flugschüler: Training in Deutschland oder während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in den Vereingten Staaten? Die einzelnen Systeme haben ihre Eigenheiten, sind in vielen Punkten nicht vergleichbar.

Die amerikanische General Aviation ist ein etabliertes Transportmittel im Alltag. Entsprechend sind aber auch die Ansprüche: Hier ist Routine gefordert, zum Beispiel im Funk. Schon an mittelgroßen Plätzen erinnert der Ablauf eher an einen Verkehrsflughafen als an das mehr oder weniger professionelle Gerede auf mancher deutschen Info-Frequenz.

Auch bei der Ausbildung hat sich das amerikanische System vor allem auf Praxis orientiert. Solides fliegerisches Handwerk steht im Mittelpunkt von Ausbildung oder Refresher-Aktionen.

Für die Eigenheiten des deutschen Luftraumes ist aber eine genaue Kenntnis der Abläufe notwenig. Wer sich nur mit einer US Lizenz ins November-registrierte Flugzeug setzt und losfliegt, erlebt möglicherweise böse Überraschungen.

PPL USA Deutschland Auswahl

Für einen Anfänger ohne Vorkenntnisse empfiehlt sich in der Regel eine Schule mit deutschen Kooperationspartnern. So wird eine Vorbereitung bei Theoriethemen und Visafragen sichergestellt. Meist gibt es auch Unterstützung bei der Quartiersuche.

Um die Frage, ob ein Ausbildungsvisum notwenig ist, werden viele Diskussionen geführt. Mauscheleien gegenüber amerikanischen Behörden sind aber nicht zu empfehlen. Einerseits besteht das Risiko, bei der Einreise zurückgeschickt zu werden.

Andererseits können die US-Behörden auch noch nach mehreren Jahren nachvollziehen, wer eine Lizenz erworben hat und gegebenenfalls gegen Bestimmungen der Einreisebehörde verstoßen hat.

Oft ist die Empfehlung von Fliegerkameraden oder Freunden ein guter Weg zur geeigneten US-Flugschule.

Planen Sie für den Aufenthalt zur PPL-Schulung je nach Lerntempo vier bis sechs Wochen ein - wenn Sie die Theorie zuvor in Deutschland gelernt haben.

Bei der Auswahl der Region sind meist die "Sunshine"-Staaten der USA ein Vorteil. Aber auch in Florida kann es mehrere Tage regnen oder neblig sein.

USA PPL Medical

In Deutschland gibt es mehrere Fliegerärzte mit einer Zulassung durch die amerikanische FAA. Die Untersuchung sollte schon vor der Reise erfolgen, so lassen sich gegebenenfalls Sonderfälle klären und es drohen keine bösen Überraschungen nach der Einreise.

Für das Klasse III Medical ist die Untersuchung im Normalfall schnell und schmerzlos. Der Arzt stellt das Medical gleich aus - es ist auch das Student Pilot Certificate.

PPL USA Deutschland Funk

Das Flugfunksystem auf unkontrollierten Plätzen in USA ist simpel und effektiv. Der Platzverkehr gibt regelmäßig Positionsmeldungen wie etwa "Palatka Traffic - Cherokee November One Two Three - left downwind runway 27, Palatka" So können sich Neulinge ein Bild über die Situation machen und Ausschau halten. Im Vergleich zu manch deutschen Plätzen, wo mitunter schweigend durcheinandergeflogen wird, ist das US-System sehr angenehm.

An Plätzen mit Kontrollturm und Flugsicherung funktioniert der Betrieb dann wie an einem Verkehrsflughafen. Ground und Tower-Frequenzen - Rollfreigaben, ATIS und Start- sowie Landefreigaben gehören zum Standardprogramm.

Bei Flügen über längere Distanzen bietet sich das so genannte Flight Following an. Hier wird das Flugzeug während seiner Reise von einem Controller zum nächsten weitergereicht und professionell betreut.

Unterschiede bestehen in den Vereingten Staaten bei der Freigabe für den Einflug in bestimmte Lufträume. Deshalb ist hier ein Blick in die Karten und Verfahren unverzichtbar. 

PPL USA Ablauf Ausbildung

Die entsprechenden Vorschriften der FAA geben einen Rahmen für die Ausbildung vor. Vieles bleibt aber auch dem Engagement des Lehrers überlassen - hier kommen meist wertvolle Ergänzungen.

In der Regel beginnt der Ausbildungsweg mit Flügen in einem Basistrainer wie Cessna 152, 172 oder Piper Warrior. Größeres oder leistungsfähigeres Gerät ist für die Grundausbildung eher nicht erforderlich. Später sollte sich der Schüler aber durchaus auch an leistungsstärkeres Fluggerät trauen.

Für die ersten Flugstunden gibt es kein Pauschalsystem. Je nach Aufnahmefähigkeit und Konstitution des Schülers sind zwei bis drei Stunden das Maximum.

So spielt zum Beispiel die Gewöhnung des Gleichgewichtssinns eine große Rolle. Vielen Flugschülern wird in den ersten Stunden übel, wenn es der Lehrer mit heftigen Manövern übertreibt oder Turbulenzen das Flugzeug durchschütteln.

Weiterhin sind die Umweltbedingungen entscheidend: Wer in Kalifornien, Arizona oder Florida bei Temperaturen oberhalb von 30 Grad Celsius ins Flugzeug steigt, ist in der Regel nach wenigen Minuten schon durchgeschwitzt, ganz ohne Stress bei der Ausbildung.

Für eine durchschnittliche PPL Ausbildung empfehlen sich daher 5 bis 6 Wochen am Ort des Geschehens.

Nach ein bis zwei Wochen oder 15 bis 25 Stunden ist der Schüler meist bereit für den "First Solo". Die erste Platzrunde allein ist ein Höhepunkt der gesamten fliegerischen Ausbildung. Der Lehrer bleibt mit Funkgerät am Boden zurück und gibt gute Wünsche - dann geht es los.

Nach den ersten Solo-Platzrunden folgen Überlandflüge mit dem Lehrer. Hier geht es um Orientierung, Kontakt mit Fluglotsen und Entscheidungsfindung.

Dann folgt auch die Einweisung in den Nachtflug, eine in USA selbstverständliche Angelegenheit innerhalb der PPL-Lizenz.

Nun stehen die ersten Solo-Überlandflüge auf dem Programm. Diese führen zu Plätzen, die der Schüler schon zuvor mit seinem Lehrer angesteuert hat, sind also auch keine Reise ins Ungewisse.

Je nach Lernfortschritt sind 50 bis 60 Stunden notwendig, um Prüfungsfit zu sein.




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