07.01.2010
aerokurier

Fliegen lernen...der Weg ins Motorflugzeug-CockpitDer Weg zur Motorflugzeug-Lizenz

Freizeitvergnügen oder Geschäftsreise mit IFR-Rating in einer leistungsfähigen Einmot – die persönlichen Möglichkeiten bei einer Motorfluglizenz sind breit gefächert. Der Weg zum Schein ist vielfältig.

Um unnötige Kosten und Frust zu vermeiden, empfiehlt sich vor der Anmeldung bei Flugschule oder Verein eine persönliche Checkliste mit den Anforderungen an die Lizenz.

Wer die Ausbildung vom „Fußgänger“ zum Privatpiloten starten will, hat mehrere Wege zur Auswahl. Wir stellen Ihnen auf den folgenden Seiten die ersten Schritte auf dem Weg ins Cockpit und zur Lizenz vor.

Luftfahrt muss dabei kein teures Hobby sein. In vielen Vereinen ist Flugsport zu erschwinglichen Preisen möglich. Andererseits ist die Allgemeine Luftfahrt auch ein Reisemittel. IFR Berechtigung und ein entsprechend ausgerüstetes Flugzeug machen bei Geschäftsreisen unabhängig von den Flugplänen und Tarifstrukturen der großen Airlines. 

Lesen Sie auf den folgenden Seiten die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Privatpilotenlizenz. 

Flugtraining Special Schule oder Verein

Will man sich als "König Kunde" fühlen - oder auch mal den Hangar fegen und das Zeltlager der Jugendgruppe betreuen? Bei einer Ausbildung in kommerziellen Schulen kann der angehende Pilot in der Regel auf ein straffes und gut organisiertes Lehrgangsprogramm setzen. Bei der Theorieausbildung sollten flexible Termine möglich sein, ebenso beim Flugtraining. Für Interessenten mit knappem Zeitbudget empfiehlt sich meist eine kommerzielle Schule, da hier auch unter der Woche trainiert werden kann.

In den Vereinen läuft der Schulungsbetrieb meist ehrenamtlich. Das heißt vor allem Training am Wochenende und abends. Dazu kommt ein Pensum an Arbeitsstunden, das die Mitglieder in der Regel leisten müssen. Auch wenn Piloten nachher allein oder zu zweit im Cockpit sitzen - am Boden ist Flugsport eine Mannschaftssache. Das reicht vom Organisieren des Flugbetriebs, bestimmten Wartungsarbeiten bis hin zum Rasenmähen.

Checkliste für Vereinsauswahl:

1. Eine Übersicht der möglichen Vereine festlegen, Faktoren könnten Anreise, Größe und Flugzeugpark sein.

2. Kontaktaufnahme mit den Vereinsmitgliedern - anrufen, E-Mail schicken

3. Feste oder "Tag der offenen Tür besuchen"

4. Schnupperflug oder Probewochenende absolvieren

Kein Verein gleicht dem anderen: Während in der einen Gruppe das kollegiale Miteinander gepflegt wird, setzen andere auf Hierachien und festgelegte Organisation.

Vorsichtig werden sollte der künftige Pilot bei folgenden Anzeichen:

1. Vereinsveteranen kehren schon beim ersten Gespräch ihre Überlegenheit heraus. Fliegen heißt ständiges Lernen - und auch ein erfahrener Pilot mit mehreren 10000 Stunden darf nie zu selbstsicher sein. 

2. Nach dem zunftigen Grillnachmittag bei Bier und Steak setzen sich Vereinskameraden noch für eine Runde ins Flugzeug. Alkohol hat im Flugbetrieb nichts verloren! Ebenso schlimm ist Selbstüberschätzung. Wer mit rasanten Überflügen prahlt, landet im ungünstigen Fall schnell in den Bäumen am Flugplatzrand. Ein Grasplatz ist kein Flugzeugträger! 

3. Neumitglieder sollen zunächst nur Reiningungs- und Handlangerarbeiten übernehmen: Sicherlich ist Luftfahrt ein Mannschaftssport. Nur vom Rasenmähen oder Ballholen hat aber auch noch kein Nachwuchsfußballer den richtigen Torschuss gelernt. Die Mischung muss stimmen - bei allen Organisationsarbeiten muss auch genug Zeit fürs Fliegen sein.

4. Während der Ausbildung wechseln ständig die Lehrer: Optimal für den Einstieg ist ein Fluglehrer als ständiger Ansprechpartner und kontinuierlicher Begleiter. Einzelne Flüge mit anderen Ausbildern sind kein Problem und bringen in der Regel auch neue Einblicke in den Schulungsverlauf.

5. Die Basisausbildung soll auf besonders leistungsfähigen (und teuren) Flugzeugen beginnen: Für die Grundlagen des Fliegens ist zunächst ein einfacher Trainer völlig ausreichend. Mit wachsendem Lernfortschritt empfliehlt sich aber auch die eine oder andere Stunde am Steuer eines leistungsfähigeren Fluggeräts.

Flugtraining Special Fliegerarzt

Im Idealfall ist der Besuch beim Fliegerarzt für den Freizeitpiloten kein großer Aufwand. Es gibt aber auch zahlreiche umstrittene Entscheidungen - nicht zuletzt auch auf Grund der international unterschiedlichen Normen. Welche Sehfehler zugelassen waren - das sahen im wahrsten Sinne des Wortes zum Beispiel die europäischen und amerikanischen Luftfahrtbehörden sehr unterschiedlich.

Die Wahl des Fliegerarztes ist Vertrauenssache, ebenso wie die Suche nach einem anderen Mediziner. Im Normalfall untersucht der Arzt ein Standardprogramm, dass ihm durch die entsprechenden Regelwerke vorgegeben ist. Dazu kommen gegebenenfalls Zusatzuntersuchungen bei bestimmten Vorerkrankungen. Für die Flugmedizin gibt es keine Pauschalempfehlungen.

Das Thema Fitness sollte der angehende Pilot aber nicht nur beim Weg in die Untersuchungsräume des Fliegerarztes beherzigen. Ebenso wichtig ist die Einschätzung vor jedem Flug: Wer sich unwohl oder schlapp fühlt, hat im Cockpit nichts verloren. Selbst wenn der gemütliche Reiseflug trotz Müdigkeit noch glatt verläuft, rächt sich die mangelnde Leistungsfähigkeit vielleicht beim Durchstarten am Zielflugplatz.

Flugtraining Special ZÜP

Die Datenabfrage ist seit ihrer Einführung extrem umstritten. Kritiker bemängeln die hohe Zahl der Angaben, die Abfragen bei diversen Behörden und sehen Verstöße gegen den Datenschutz. Andererseits schafft die Zuverlässigkeitsüberprüfung für Privatpiloten den gleichen Standard wie für viele andere Mitarbeiter eines Verkehrsflughafens, der sich einer Prüfung unterziehen muss.

Eine ZÜP basiert in der Regel auf Akten. Effektive Sicherheit kann es vor allem auch geben, wenn Flugplatzbetreiber und Vereine selbst die Augen offenhalten und verdächtige Personen im Auge behalten bzw. den Behörden melden. Entsprechende Programme gibt es zum Beispiel in den Vereinigten Staaten mit dem AOPA Airport Watch.

Flugtraining Special erste Flugstunde

Wenn sich Fluglehrer und Nachwuchspilot das erste Mal ins enge Cockpit einer Schulungs-Einmot zwängen, bleibt alle Theorie schnell im Vereinsheim, Schulungsraum oder auf dem heimischen PC zurück.

Schon der Motorstart ist oft ein geheimnisvoller Ritus. Mancher Flugzeugantrieb lässt sich nur mit vielen Tricks, effektvollen Bewegungen von Choke, Gashebel und Mixture-Regler zum Leben erwecken.

Vorflugkontrolle und Funk übernimmt in den ersten Stunden meist der Lehrer - für den Schüler ist schon das Kurs halten beim Rollen eine erste Herausforderung.

Beim Start ist vor allem die richtige Koordination wichtig. Zieht das Flugzeug nach links, muss mit dem Tritt aufs Seitenruderpedal ausgeglichen werden, dann je nach Geschwindigkeit wird abgehoben. In der Luft geht es meist in ein Trainingsgebiet, wo in ausreichender Sicherheitshöhe die ersten Kurven, Steig und Sinkflüge trainiert.

Dass die größte Herausforderung beim Fliegen in der Regel in der Landung besteht, lernt der Schüler meist bei der ersten Flugstunde. Je nach Einschätzung des Lehrers endet der erste Anflug entweder mit dem Durchstarten, einem halbwegs sicheren Aufsetzen oder einem munteren Hüpfer.

Flugtraining Special Erster Alleinflug

Zahlreiche erfolgreiche Platzrunden mit dem Lehrer, nach rund 10 bis 20 Flugstunden schlägt für die meisten angehenden Piloten die Stunde der Wahrheit: Beim ersten Alleinflug gilt es eine Platzrunde zu drehen, vor den wachsamen Augen des Fluglehrers am Boden.

Meist verabschiedet der Lehrer seinen Schüler noch mit einem aufmunternden Händedruck - dann schließt er die Tür - in diesem Fall erstmals von außen. Haben Schüler und Lehrer in den vergangenen Wochen gut traininiert, dann läuft alles wie am Schnürchen: Weg zur Startbahn, Checks, Run-Up und dann der Startlauf. Platzrunde nach vertrautem Muster, Eindrehen zum Quer und Endanflug - Aufsetzen, Ausrollen. Meist folgt dann eine mehr oder weniger zünftige Taufe.

Respekt vor der ersten Runde allein ist durchaus angebracht - aber keine Furcht. Wer sich noch unsicher fühlt, sollte dies mit dem Lehrer besprechen und keine falsche Zurückhaltung üben. Ein guter Fluglehrer mit entsprechender Menschenkenntnis hat aber in der Regel auch im Gefühl, wann der Schüler fit für den ersten Soloflug ist.

Flugtraining Special BZF

Im Idealfall kombiniert eine Flugschule oder der Verein die Funkausbildung mit dem praktischen Training. Der Schüler hört den Funk mit, lernt die entsprechenden Sätze am praktischen Beispiel. Dazu kommt der ergänzende Theorieunterricht - und dann ist meist auch die Prüfung bei der Regulierungsbehörde kein Problem.

Schwierig wird es für den absoluten Anfänger, wenn er das BZF im "Trockenschwimmkurs" erwerben muss. Einerseits kommen die Fachbegriffe auf ihn zu - andererseits sind die Übungen im Lehrsaal ungefähr so praxisnah, wie eine Auto-Fahrstunde mit dem Finger auf dem Stadtplan.

In den Vereingten Staaten ist die Funkausbildung Bestandteil der PPL-Schulung, hier gibt es keine gesonderte Prüfung.

Meist beginnt der Flugfunk für einen Schüler auf dem Verkehrslandeplatz in der Nachbarschaft. Je nach Ausbildungsfortschritt sollte aber auch ein Flug durch Kontrollzonen oder ähnliches folgen.

In aller Regel ist der Funkverkehr mit Lotsen auf den Info Frequenzen oder beim Flug durch Kontrollzonen eine unkomplizierte, hilfreiche und sichere Sache. Wer sich die entsprechenden Inhalte kurz notiert und das Sprechen übt, gewöhnt sich schnell an die Verfahren. Absprachen mit Lotsen lernen sich am besten zunächst bei wenig Verkehrsdichte zum Beispiel auf den Info-Frequenzen.

Auch ein Flug durch die Kontrollzone größrerer Airports sollte mit etwas Übung kein Problem sein. Grundlagen und etwas Routine gehören aber dazu. Mit einem "Delta-Echo-Ähhh" macht man sich wenig beliebt bei einem Lotsen, der das Kleinflugzeug zwischen den Airlinern eines Verkehrsflughafens einfädeln muss.

Flugtraining Special Die TheoriePrüfung

Die Prüfung ist eine Mischung aus dem Abfragen von Auswendigwissen und den Ergebnissen von Rechenaufgaben. Wer sich Navigation, Flugleistung und ähnliche Themen in den Wochen vor der Prüfung intensiv erarbeitet und auch verstanden hat - wird diesen Teil der Prüfung ohne Schwierigkeiten absolvieren.

Das Auswendiglernen von Zahlenwerten oder Luftrechtsfragen ähnelt dem Lernstoff für Autoführerscheine oder schulischem Vokabelpauken. Mit Trainingsprogrammen für den PC ist dies aber auch zu bewältigen.

Flugtraining Special Die praktische Prüfung

Auch wenn die Luftfahrtgesetze für die Prüfung genaue Standards vorschreiben - die Menschenkenntnis eines guten Flugprüfers lässt sich in Paragraphen nicht exakt definieren.

In der Regel läuft ein Prüfungsflug wie eine ganz normale Reise mit der Einmot ab. Der Prüfer lässt sich eine Flugvorbereitung zeigen, schaut beim Check zu und fragt kräftig nach.

In der Luft geht es dann um Standardverfahren und Notfallübungen. Das Urteil des Prüfers ist ein Gesamtbild - wer während des Fluges einen Fehler macht und dies auch sofort anmerkt - hat meist bessere Chancen.

Erfahrene Prüfer merken oft in der ersten Platzrunde, wie der Schüler fliegt: Behält er den Überblick, klappt die Beobachtung der Instrumente, läuft der Funkverkehr sicher. Klappt die Prüfung reibungslos - dann ist nach ungefähr einer Stunde alles absolviert.

Flugtraining Special - Übelkeit

Das Gleichgewichtsempfinden des Menschen speist sich aus den Bogengängen im Innenohr, den Infomationen der Augen sowie den Impulsen des Tastsinns in Füßen und Sitzfleisch. Dass diese Informationen in der Luft unterschiedlich sind, als auf dem Boden, muss das Gehirn in den ersten Flugstunden lernen. Der Prozess läuft bei jedem Menschen anders ab.

In der Regel gewöhnt sich das Gehirn schnell an die neue Situation - vor allem wenn der Schüler auch selbst steuert. Führt der Fluglehrer meist die Regie - dann kommen zu den Bewegungen durch Turbulenzen und Thermik noch die unerwarteten Reaktionen des Flugzeuges - und nicht selten eine prall gefüllte Spucktüte bei der Landung.

Wenn Sie unsicher sind und bei den ersten Stunden Übelkeit verspüren - dann sagen Sie es dem Fluglehrer direkt und deutlich. Geheimrezepte wie Sauerkrautsaft oder Medikamente sollte der angehende Pilot vermeiden. Ein mittelmäßig gefüllter Magen (zum Beispiel mit Bananen und Butterkeksen) bleibt eher ruhig. Außerdem ist es wesentlich angenehmer, wenn der Magen im ungünstigen Fall etwas von sich geben kann. Spucktüten gehören in die Fliegertasche - und sollten vor dem Abflug griffbereit sein.

Fliegen lernen...Überlandflug

Gerät der Heimatflugplatz außer Sicht, dann beginnt für den Flugschüler ein umfangreiches Programm. Das Flugzeug zu steuern ist inzwischen schon ins Unterbewusstsein übergegangen, ebenso der Blick auf Instrumente und Anzeigen.

Für den Weg zum ersten Zwischenziel empfiehlt sich eine Route entlang sicherer Bodenmerkmale wie zum Beispiel einer Autobahn oder einem Fluss. Selbst wenn dies einen kleinen Umweg bedeutet, führt es meist zuverlässiger zum Ziel.

Wenn das Flugzeug mit einem GPS ausgestattet ist, liefert dies ebenfalls Kurs- und Positionshinweise. Wichtig ist aber das Gesamtbild: Die Position aus Bodenkulisse und Karte passt - dann das GPS als Bestätigung - so verläuft der Flug sicher ans Ziel.

Scheuen Sie sich nicht, beim ersten Alleinflug dem Lotsen auf der Info Frequenz ihre Situation bei der Anmeldung kurz zu erklären. Je nach Arbeitsbelastung gibt er oder sie meist noch wertvolle Tipps und behält den Anfänger ebenfalls sorgfältig im Radarblick.

Kommt es zu Unregelmäßigkeiten oder wird das Wetter kritisch - sollte der Schüler sich nicht scheuen, umzukehren oder einen Ausweichflugplatz anzusteuern.

Selbst wenn der Fluglehrer seinen Schüler auf Grund einer raschen Wetterverschlechterung mit dem Auto abholen muss und das Flugzeug eine Nacht am Ausweichplatz steht - Sicherheit geht vor.

Flugtraining Special - Platzrunden

In den Platzrunden lassen sich Starts und Landungen komprimiert üben. Die Runden um den Flugplatz laufen nach dem immer gleichen Schema ab. Dieses soll zunächst die wichtigsten Abläufe ins Unterbewusstsein einprägen.

Dann folgen im Laufe der Zeit auch Abwandlungen wie zum Beispiel Anflüge ohne Klappen oder bei unterschiedlichen Seitenwindverhältnissen.

Das Schema ist je nach Flugzeugtyp leicht abgewandelt. Meist besteht die Platzrunde aus dem Startlauf, Abheben, Einfahren der Klappen, Rechts- oder Linkskurven bis in den Gegenanflug. Dort austrimmen, kommt dann die Landebahn in der Sieben-Uhr-Position in Sicht: Leistung reduzieren, Klappen setzen, Sinkflug einleiten. Zwei Kurven bis in den Endanflug. Flugzeug zur Landebahn ausrichten und im Idealfall direkt zum Aufsetzpunkt schweben. Abfangen, Aufsetzen - und wieder von vorn.




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