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Ein ständiges Auf und Ab

Arbeitsmarkt für Berufspiloten

Der Weg ins Cockpit eines Airliners hängt nicht nur vom Können des Kandidaten ab. Auch ein gutes Timing und ein wenig Glück bestimmen darüber, ob und wann man eine Anstellung findet.

Benedikt K. freute sich, denn sein Traum von einem Job im Cockpit eines Lufthansa-Flugzeuges schien zum Greifen nahe. Im Oktober 2012 erst hatte er per Post die Nachricht erhalten, dass er nach dem DLR-Test in Hamburg auch die zweite Runde, nämlich die Firmenqualifikation, geschafft hatte. Zwei seiner ehemaligen Mitschüler, die sich ebenfalls bei der Lufthansa als Pilotenanwärter beworben hatte, waren schon in der ersten Runde gescheitert. Der Flugtauglichkeitsuntersuchung als nächsten Schritt sah Benedikt gelassen entgegen. Da erreichte ihn ein weiterer Brief der Lufthansa, in dem ihm der größte deutsche Arbeitgeber für Piloten mitteilte, dass ein Beginn seiner Ausbildung durch die Aussetzung der Schulung leider erst 2014 möglich sei.

Kandidaten, die sich jetzt für einen Platz in einem Ab-initio-Pilotenlehrgang bei der Kranich-Airline bewerben, können nicht damit rechnen, vor 2015 mit einer Ausbildung anzufangen. Benedikt K. wollte diese Wartezeit nicht akzeptieren, zumal es keine Gewissheit gibt, dass 2014 wirklich ein neuer Lehrgang startet. Also zog er die Konsequenzen und begann ein Maschinenbau-Studium: „Pilot kann ich nachher ja immer noch werden“, lautet sein Fazit.

So wie ihm geht es derzeit vielen jungen Menschen, die von einer Karriere im Cockpit eines Verkehrsflugzeugs in Deutschland geträumt haben. Der Markt für Berufspiloten ist – wie bei anderen Berufen auch – ständigen Schwankungen unterworfen. In der Vergangenheit war der Beginn eines neuen Jahrzehnts traditionell eine Zeit mit schwacher Nachfrage nach ausgebildeten Piloten, nun hat sich das Nachfragetief ein wenig nach hinten verschoben. Derzeit ist der Markt für Berufspiloten in Deutschland schwach, das heißt, der Bedarf an Piloten ist niedriger als die Zahl der bereits fertigen Verkehrsflugzeugführer.

Um eine Lizenz für Verkehrsflugzeugführer (ATPL) zu erwerben, ist man nicht auf eine Airline-Flugschule wie Lufthansa Flight Training angewiesen. Es gibt mehrere Flugschulen, die eine solche Ausbildung anbieten.

Cockpitjobs gibt’s nicht nur bei Airlines

Auch wenn bei vielen Schulabgängern mit Berufswunsch Pilot die Lufthansa als Arbeitgeber an oberster Stelle steht, existieren viele weitere Luftfahrtunternehmen, die zum Teil auch heute schon Bedarf an ausgebildetem Cockpitpersonal haben. Das Luftfahrt-Bundesamt hatte (Stand: 31. Dezember 2012) 158 Luftfahrtunternehmen mit aktiver Betriebsgenehmigung gelistet, die zusammen über 2100 Flugzeuge betreiben. Nach der Lufthansa sind airberlin, Germanwings, Condor, TUIfly und Eurowings Gesellschaften, die eine nennenswerte Zahl von Piloten beschäftigen.

Doch auch hier machen sich die Marktmechanismen bemerkbar. Die airberlin beispielsweise fährt derzeit einen strikten Sparkurs und hat im letzten Jahr ihr Streckennetz ausgedünnt und Flugzeuge stillgelegt. Bis sie wieder Piloten rekrutiert, dürfte es ein wenig dauern.

Airlines, die momentan Piloten einstellen, sind die Billigfluggesellschaften Ryanair und easyJet, wobei letztgenannte auch so genannte „Cadets“ einstellt, die noch über keine Airline-Erfahrung verfügen. Sie müssen eine gültige JAR-FCL-Berufspiloten-Lizenz mit Instrumentflug-Berechtigung und ihre ATPL-Theorie absolviert haben.

Selbst wenn es derzeit auf dem Pilotenmarkt in Deutschland für Arbeitsuchende eng ist, besteht kein Zweifel daran, dass es mittelfristig wieder zu einem Ansteigen des Bedarfs kommt. Der Luftverkehr ist eine Wachstumsbranche und wird auch in Zukunft ausgebildetes Personal benötigen. Da nicht klar ist, wann genau der Markt sich wieder aufhellt, lohnt es sich, einen Blick auf Alternativen zu werfen.

Im Gegensatz zur derzeitigen Lage auf dem deutschen Jobmarkt für Piloten besteht weltweit ein signifikanter Bedarf an Flugzeugführern. Die Airlines aus den Golfstaaten fahren einen konsequenten Expanisonskurs, den sie nur einhalten können, wenn sie ausreichend Piloten rekrutieren.

Emirates betreibt beispielsweise derzeit eine Flotte von fast 200 Großraumflugzeugen und wird sie bis 2016 auf 300 Widebodies vergrößern. Allerdings bildet die Fluggesellschaft nicht selbst aus, sondern bedient sich auf dem freien Markt. Um sich derzeit als First Officer bei Emirates zu bewerben, müssen Kandidaten eine Flugerfahrung von 4000 Flugstunden mitbringen. Und 2000 dieser 4000 Stunden müssen auf Multi-Crew-, Multi-Engine-Jets geflogen worden sein. Diese Hürde ist für die meisten, die sich heute für eine Ausbildung zum Piloten interessieren, nicht zu schaffen, denn eine solche Flugstundenzahl kann niemand selbst finanzieren. Andere Fluggesellschaften aus den Golfstaaten haben niedrigere Einstiegshürden. Gulf Air verlangt zum Beispiel derzeit für Bewerber, die A320 fliegen wollen, eine Mindestflugerfahrung von 800 Stunden, davon aber mindestens 400 auf Airbus A320. Weitere potenzielle Arbeitgeber für ATPL-Inhaber sind Executive-Charterunternehmen und Firmen, die Business Jets betreiben. Ein Job bei diesen Unternehmen ist auf jeden Fall abwechslungsreich und fliegerisch mindestens so interessant wie der Cockpitjob bei einer Airline.

aerokurier Ausgabe 03/2013

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