04.08.2010
aerokurier

Meutsch Weltflug Etappe 4Weltflug von Reiner Meutsch - das Finale

Reiner Meutsch und Arnim Stief sind auf dem letzten Teil ihres Weltfluges für die Fly & Help Stiftung unterwegs. Das Team ist seit Januar unterwegs, damals hob die Piper Cheyenne in Siegerland ab.

Reiner Meutsch Carlsbad

Start frei zum vierten Teil der Weltumrundung von Reiner Meutsch. Foto: Stiftung Reiner Meutsch  

 

Nach der Reise durch Afrika und Asien hat das Team Amerika erreicht. Entlang der US-Westküste geht es Richtung Mexico und Süramerika. Dann führt der Weg nach Florida und weiter entlang der US-Ostküste. Via Grönland ist schließlich die Rückkehr an die Homebase Siegerland geplant.

Reiner Meutsch berichtet über die Eindrücke der Etappe von Carlsbad nach Acapulco


Carlsbad (KCRQ) – 33° 7′ 19″ N, 117° 17′ 49″ W
Culiacán (MMCL) – 24°48 ′ 17.46 ″ N 107°23 ′ 07.79 ″ W
Acapulco (MMAA) – 16° 51′ 6″ N, 99° 54′ 35″ W
Distanz: 1386 NM

Flugzeit: 7,5 Stunden

Tag 116, 28. Juli 2010
Der Jetlag hält mich in seinem Bann. Seit vier Uhr morgens ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich stehe auf und gehe noch einmal den heutigen Flug durch. Das zeitige Frühstück im Motel ist nicht der Rede wert und so kaufen wir im Starbucks nebenan einige Sandwiches für unterwegs. Wir werden heute fast acht Stunden in der Luft sein und rund 2.500 Kilometer weit fliegen.

Zum Flughafen Carlsbad sind es nur zehn Minuten Fahrt. Wir haben also ausreichend Zeit, die Piper startklar zu machen. Aufgrund des dreiwöchigen Werftaufenthalts und des Einbaus neuer Höhenmesser inspizieren Arnim und ich das Flugzeug besonders akribisch. Jeder Handgriff an der Piper Cheyenne ist mir vertraut, fast als hätte es keine Reisepause gegeben. Das Flugzeug ist uns mittlerweile ein treuer Begleiter geworden. Und dann ist es endlich wieder soweit: Wir heben Richtung Süden ab und überfliegen nach nur zehn Minuten die mexikanische Grenze. Mit einer Gesamtfläche von fast zwei Millionen Quadratkilometern ist Mexiko das fünftgrößte Land des amerikanischen Kontinents.

Kurze Zeit später erreichen wir die Sierra Madre, das Hochland in 1.200 Metern über dem Meeresspiegel. Allein der wohlklingende Name dieser Landschaft weckt Erinnerungen an Filme und Melodien in mir. Eine Vielzahl vulkanischer Kegel und Krater liegt unter uns. Wir überfliegen die Bruchstufenzone, an der das Hochland bis zu 1.000 Meter tief zum Río Balsas abfällt.

In der Ferne zeigen sich die Umrisse der höchsten Erhebungen des Landes am Transmexikanischen Vulkangürtel. Dazu zählt der höchste Berg Mexikos, der Citlaltépetl (5.636 Meter) und der noch aktive Vulkan Popocatépetl (5.462 Meter). Das Wetter ist einfach perfekt und bietet uns eine grandiose Sicht.

Auf gut der Hälfte unserer heutigen Tagesetappe landen wir nach vier Stunden zum Tanken in Culiacán. Schon beim Landeanflug spüren wir die Hitze: Außentemperatur 36 Grad. Das Betanken geht zügig und der Tankwart fragt, ob ich eine Rechnung brauche. Mit Rechnung kostet der Liter Jet-A 1 exakt 50 Cent, ohne 25 Cent. Da ich keinen Nachweis benötige, erhalten wir 1.100 Liter Sprit für unglaubliche 275 Euro. Indes gewinnt meine Tochter Jessina auf Anhieb alle Sympathien, denn sie spricht fließend Spanisch.

Unser nächstes Ziel ist die mexikanische Metropole Acapulco. Doch zuvor überfliegen wir noch die Stadt Guadalajara im westlichen Hochland. Die Landschaft unter uns ist abwechslungsreich. Mal zeigt sie sich karg und eintönig, dann folgt bergiges Gelände, aufgebrochen von grünen Flächen mit traumhaften Seen. In Küstennähe blicken wir rechter Hand auf den endlos langen Sandstrand.

Nach dreieinhalb Stunden ist Acapulco erreicht. Vor vielen Jahren, ich war gerade 20, wollte ich schon hier her kommen. Daraus ist bis zum heutigen Tag nichts geworden, aber jetzt sitze ich im Cockpit der Piper, bereit zum Landeanflug auf die Stadt. Das Funkenglisch der Lotsen ist eher schlecht und ich habe meine liebe Mühe. Beim Landeanflug offenbart sich zudem, dass die letzte Hälfte der Bahn von einem heftigen Regenschauer heimgesucht wurde. Ein plötzliches Tropengewitter, das so schnell vorüber zog wie es aufkam, hat alles unter Wasser gesetzt.

Etwa 15 Minuten vom Flughafen entfernt liegt unsere Unterkunft, das 3-Sterne-Hotel Playa Suite, direkt am feinen Sandstrand von El Morro. Der Preisvergleich vorab übers Internet hat sich in diesem Fall wieder einmal gelohnt, denn die Preisspanne für ein Zimmer mit Frühstück liegt zwischen 60 und 220 US-Dollar.

Bei 32 Grad um 23 Uhr abends lassen wir den Tag in einem mexikanischen Restaurant ausklingen und schauen dem bunten Treiben zu. Morgen erkunden wir die Stadt und machen auch einen Abstecher zu den Clavadistas, den Klippenspringern von Acapulco.

Meutsch Guatemala - Costa Rica

Reiner Meutsch beschreibt seine Eindrücke für die Leser von aerokurier.de

Guatemala City (MGGT) – 14° 37′ 54″ N, 90° 31′ 25″ W
Costa Rica (MROC) – 9° 55′ 29″ N, 84° 4′ 41″ W
Distanz: 534 NM
Flugzeit: 2 Stunden 40 Minuten

Tag 121, 2. August 2010
Heute Morgen verstauen wir einmal mehr unser Gepäck in der Piper Cheyenne und besprechen mit einem Flughafenmitarbeiter die Kosten fürs Handling, den An- und Abflug, das Parken, die Abfertigung und die Airwaygebühr. Aufgrund der aus Deutschland vorliegenden Informationen von der FSI habe ich mich schon auf die Zahlung von 750 Dollar eingestellt. Doch zu meiner großen Überraschung fallen für alles zusammen nur 165 Dollar an. So richtig glauben kann ich es noch nicht, aber der Mitarbeiter lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und so gehe ich davon aus, dass alles Rechtens ist. Ein prima Start in den Tag, wie ich finde.

Punkt 11 Uhr verlassen wir Guatemala City und nehmen Kurs auf San Jose in Costa Rica. Auf dem Weg dorthin überfliegen wir El Salvador, Honduras und Nicaragua – eine sehr abwechslungsreiche und unglaublich grüne Landschaft. Zwei Stunden lang staunen wir mit großen Augen über Seen, Vulkane, Flüsse und die Pazifikküste.

Auch in Costa Rica sind die Behördenmitarbeiter bei der Abfertigung freundlich, schnell und äußerst hilfsbereit. Der Sprit ist günstig (65 €-Cent/Liter) und wir werden sogar noch zum 15 Minuten entfernt gelegene Barcelo Hotel gefahren (Kosten: pro Nacht 55 Euro inkl. Frühstück).

San José liegt in der Hochebene Costa Ricas, dem Valle Central. Die Ebene ist eine von fünf geographischen Großräumen des mittelamerikanischen Staates neben der Bergkette der Kordilleren, den Schwemmlandebenen der Karibikküste, der zentrale Pazifikküste und der Halbinsel Nicoya. Auch aktive und erloschene Vulkane machen den Reiz Costa Ricas aus. Ziele vieler Reisender sind vor allem die Vulkane Poás (2.704 Meter), Arenal (1.633 Meter) und der Irazú (3.432 Meter). Höchster Berg des Landes ist der Chirripó Grande mit über 3.800 Metern.

Der Name Costa Rica bedeutet so viel wie „reiche Küste" und wird mit der Entdeckung durch Christoph Columbus im Jahr 1502 in Verbindung gebracht. Er vermutete, Bodenschätze zu finden. Der etwas mehr als vier Millionen Einwohner zählende Staat wird heute auch gern als die „Schweiz Mittelamerikas“ bezeichnet. Was zum einen mit der politisch stabilen Lage zusammenhängt, die für diese Region eher ungewöhnlich ist, und zum anderen sicher auch an der vergleichbar bergigen grünen Landschaft liegt.

Nach der Ankunft im Hotel verlieren wir nicht viel Zeit und fahren mit einem Taxi Richtung Stadtzentrum, ins Viertel El Pueblo. Wie schon in Guatemala, sollen wir uns in Acht vor kriminellen Banden nehmen. Unser Taxifahrer ist seriös und wir kommen nett ins Gespräch. Leider weiß auch er Geschichten von Blitz-Entführungen und dergleichen zu erzählen. Trotzdem bin ich guter Dinge und so erleben wir einen stimmungsvollen Abend in einem kleinen lauschigen Lokal.

Tag 122, 3. August 2010
Schon recht früh sind wir drei auf den Beinen, damit es pünktlich um 8 Uhr auf eine Tour zum Vulkan Poás gehen kann. Die Gipfelregion des noch aktiven Koloss liegt in fast 3.000 Metern Höhe und besteht aus drei Kratern. Gut 90 Minuten dauert die Anfahrt mit dem Auto. Die letzte Eruption liegt 7.500 Jahre zurück und so ist das Gelände rund um den 400 Meter breiten Kratersee Laguna Botos dicht von Regenwald überzogen. Sein Wasser ist kalt, klar und trinkbar. Ganz anders als das des zweiten Sees, der türkisblau schimmert und aus dem sehr heißer Wasserdampf mit hochkonzentriertem Schwefeldioxyd und Chlorgas empor steigt. Die Luft ist dünn und wolkenreich. Ich bin vollends fasziniert von unserer Wanderung entlang des Vulkans. Auch Jessina und Arnim kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Auf dem Rückweg machen wir Rast in einem Kaffeeanbaugebiet. Im Doka Estate, einer der größten Kaffeeplantagen des Landes, bekommen wir einen Einblick in die harte Arbeit der Menschen. Bei der Kaffeeernte packen unzählig viele Arbeiter aus Nicaragua für ein paar Dollar pro Tag mit an. Wir erfahren, dass der Kaffee dieser Plantage unter anderem in Filialen von Starbucks verkauft wird.

Zurück in San José machen wir noch eine anderthalbstündige Stadtrundfahrt mit dem 36-jährigen Fabian. Er ist stolz auf seine Heimatstadt und zeigt uns Museen, das Parlament, bedeutende Kirchen und schöne Plätze -  es ist wird eine ganz persönliche Tour. Nach fast neun Stunden kehren wir müde, aber glücklich zurück zum Hotel.

Morgen fliegen wir über Panama und den Panamakanal nach Medellín in Kolumbien.

Meutsch Costa Rica Medellin

Seine Eindrücke auf dem Weltflug für die Stiftung Fly & Help beschreibt Reiner Meutsch für die Leser von aerokurier.de

San José (MROC) – 9° 55′ 29″ N, 84° 4′ 41″ W
Medellín (SKRG) – 6° 14′ 44.66″ N, 75° 34′ 55.92″ W
Distanz: 543 NM
Flugzeit: 3 Stunden

Tag 123, 4. August 2010
Heute verlassen wir Costa Rica und nehmen Kurs auf Kolumbien. Nicht ganz unbefangen, denn auch hier ist allgemein bekannt, dass die Sicherheitslage angespannt und die Gewaltbereitschaft hoch ist. Arnim, Jessina und ich sind jedoch gespannt auf dieses faszinierende Land.

Nach dem Start in San José überfliegen wir noch einmal riesige Kaffeeplantagen und aktive Vulkane – wie auf einem Pulverfass leben die Menschen hier. Wir fliegen in 11.000 Fuß Höhe und schon bald zeigen sich links das Karibische Meer und sehr weit rechts der Pazifik. Die Berge im Grenzgebiet zu Panama sind über 3.000 Meter hoch. Die Landschaft unter uns ist so gut wie menschenleer – nur unwegsames Gelände und braunfarbende Flussläufe.

Nach rund anderthalb Stunden Flug kommt der Panamakanal in Sichtweite. Wir erhalten die Erlaubnis auf 4.000 Fuß zu sinken und links vom Kanal unter Sichtflugbedingungen zu fliegen. Der Kanal ist eine künstliche, knapp 82 Kilometer lange Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik für die Schifffahrt verbindet. Die Inbetriebnahme erfolgte im August 1914. Überlegungen zum Bau eines Kanals gehen jedoch schon bis in das 16. Jahrhundert zurück, als die Landenge Panamas erstmals durchfahren wurde. Heute zählt die Passage zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Drei Mal kreisen wir über Teilen des monumentalen Bauwerks und beobachten die vielen dahin ziehenden Schiffe. Am Ende des Kanals liegen unter uns die monumentale Schleuse zum Pazifik und die Stadt Panama. Wolkenkratzer beherrschen das Stadtbild und die Flugsicherung erlaubt auch hier zwei  Vollkreise.

30 Minuten später treffen wir auf die Pazifikküste und erreichen Kolumbien. Die Luft ist klar und wir können 100 Kilometer weit in die Ferne schauen. Eine weitere Dreiviertelstunde vergeht, bis wir uns auf die Landung in Medellín vorbereiten können. Die Stadt liegt auf 1.600 Meter in einem Talkessel und der Flughafen selbst in einer Höhe von 2.500 Meter. Dank Jessinas Übersetzung geht die Abfertigung zügig vonstatten. Mit einem Lächeln beobachte ich, wie das Militärpersonal mit ihr flirtet. Es werden gegenseitig Erinnerungsfotos gemacht.

Medellín ist mit mehr als 2,2 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Wie der Beiname „Capital de las Flores“ unschwer erahnen lässt, ist sie vor allem für ihre Gartenanlagen und Blumen berühmt. Besonders die Vielfalt der Orchideen wird hoch geschätzt. Sie werden extra für den Export in die USA, Europa und Asien gezüchtet. Dieser Tage wird das Blumenfest, die „Feria de las Flores“, gefeiert. Alles ist geschmückt und die Stadt strahlt vor Glanz und Schönheit. Seit 1957 gibt es das Fest. Es steht für die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges.
 
Am Abend besuchen wir den Parque Cultural Nocturno. Tausende Menschen feiern ausgelassen bei kostenfreiem Eintritt bis tief in die Nacht. Zig Folkloregruppen treten auf und sorgen für Stimmung und wir sind mittendrin im Volksfestgetümmel.

Spät nachts kehren wir zurück ins Hotel Porton Medellín (81 US-Dollar pro Nacht inkl. Frühstück). Eine der besten Adressen der Stadt.

Tag 124, 5. August 2010
Taxifahrten sind in Medellín sehr günstig. Für eine Stunde zahlt man zirka 20.000 Pesos, um die 12 US-Dollar. Ich finde diese Fahrten eignen sich am besten zum Kennenlernen einer Stadt. Oftmals bewegt man sich dabei abseits der touristischen Pfade und kann die Ursprünglichkeit, das Alltagsleben ungefiltert mitbekommen.

Noch in den 1980er Jahren litt das öffentliche Leben unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm. Doch die Lage hat sich in den letzten Jahren verbessert. Zumindest wir fühlen uns hier und heute sicher.

Mit dem Taxi steuern wir zunächst den Botanischen Garten an und besuchen das Orquideorama. Eine Sammlung von über 1.600 verschiedenen Orchideenarten: davon eine schöner als die andere. Dann geht es weiter zum Museo de Antioquia und der Plaza Botero, vorbei an historischen Kirchen und moderner Gebäuden. Viele Grünflächen ziehen sich durch die Stadt und alles ist sauber und gepflegt. Besonders schön ist es in Cerro Nutibara, dem “alten“ Medellín, mit seinen unzähligen gut erhaltenen Bauwerken. Für mein Empfinden lässt sich die Stadt in Teilen durchaus mit San Francisco vergleichen.

Am Ende des Tages bummeln wir durch das moderne Einkaufzentrum „Santa Fe“ und kehren in ein typisch kolumbianisches Restaurant ein. Die Aussicht auf die Stadt ist zauberhaft. Ein lauer Wind weht und wir sitzen draußen, was sich bei 23 Grad um 22 Uhr recht gut aushalten lässt.

Morgen geht’s in Ecuadors Hauptstadt Quito. Wir sind gespannt, wie wir die Höhe von 4.000 Meter dort verkraften werden.

Meutsch Medellin Quito

Seine Eindrücke auf dem Weltflug für die Stiftung Fly & Help beschreibt Reiner Meutsch für die Leser von aerokurier.de

Medellín (SKRG) – 6° 14′ 44.66″ N, 75° 34′ 55.92″ W
Quito (SEQU) – 0° 13′ 7″ S, 78° 30′ 35″ W
Distanz: 456 NM
Flugzeit: 2 Stunden 10 Minuten

Tag 125, 6. August 2010
In kürzester Zeit bringt uns Taxifahrer Pedro Pablo Rivillas Garzon heute Morgen vom Hotel zum 30 Kilometer entfernt liegenden Flughafen von Medellín. Wie ein Michael Schumacher der Landstraße fegt er über den Asphalt. Was wir auf der Fahrt an Zeit herausgeholt haben, macht jedoch die zähe Abfertigungsprozedur wieder zunichte. Zig Formulare müssen ausgefüllt werden. Währenddessen komme ich mit Zollbeamtin Sandra ins Gespräch, die mich fragt, ob ich nicht einen deutschen Mann für sie hätte? Und ihr etwa 25-jähriger männlicher Kollege hört sich bei Jessina um, ob sie einen Freund hat. Hat sie! Er würde sie trotzdem gerne als Freundin haben. Daraus wird wohl nichts.

Nicht nur wir und unsere Papier werden gründlich geprüft, auch die Piper Cheyenne wird von Beamte und einem Drogenspürhund abgesucht: sogar die Deckenwände! Gegen 13 Uhr haben wir die Starterlaubnis und können das kolumbianische Hochland überfliegen. Der Flug heute wird nur etwas mehr als zwei Stunden dauern und uns rund 750 Kilometer weit bringen. Als wir Ecuador erreichen, müssen wir auf 19.000 Fuß steigen, um den hohen Gipfeln der Anden auszuweichen. Die Gebirgskette entstand durch den Zusammenprall zweier tektonischer Platten: der Nazca- und der Südamerikanischen-Platte. Dabei schiebt sich die Nazca-Platte von Kolumbien bis nach Patagonien mit etwa neun Zentimetern pro Jahr ostwärts, während die Südamerikanische Platte mit fünf Zentimetern im Jahr nach Westen wandert und sich über die Nazca-Platte schiebt.

Wunderschön zu sehen: Der Gipfel des knapp 6.000 Meter hohen Cotopaxi ragt aus den Wolken. Er ist einer der höchstliegenden aktiven Vulkane der Welt. In Ecuador befinden sich insgesamt 55 Vulkane, von denen 18 als aktiv eingestuft werden.

Quitos Verkehrsflughafen liegt über 10.000 Fuß hoch und zählt zu den anspruchsvollsten der Welt. Kurz vor den Bergen müssen wir auf den Gleitpfad, der uns direkt über die Stadt führt. Und knapp vor dem Aufsetzpunkt stehen noch Hochhäuser, weshalb ich sehr angespannt bin. Die Luft ist so dünn, dass ich ständig mehr Schub geben muss, um nicht unter „Blueline“, das heißt die Mindestgeschwindigkeit für den Anflug, zu sinken. Über drei Kilometer zieht sich die Landebahn hin. Ich nähere mich langsam mit der Cheyenne dem Boden und setzte ganz sanft auf. Arnim, Jessina und ich klatschen uns ab: geschafft!

Mit ihrem Charme handelt Jessina den Handlingagenten auf 150 Dollar inklusiver der Fahrt zum Hotel runter. Es soll eine der schnellsten Abfertigungen werden, die ich bisher mitgemacht habe. Tanken (50 Cent pro Liter), Formulare ausfüllen, Ausreisen und Abstimmen dauert kaum 35 Minuten. Es gibt weder Pass- noch Zollkontrolle.

Wir haben 18 Grad Außentemperatur, die Luft ist dünn und das Atmen fällt uns schwer. Ecuadors Hauptstadt liegt rund 20 Kilometer südlich des Äquators in einem 2.850 Meter hohen Becken der Anden. Aufgrund dieser Lage trägt die zwei Millionen Einwohner zählende Stadt den Titel der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt – noch vor der bolivianischen Hauptstadt Sucre.

Meutsch Quito - Lima

Seine Eindrücke auf dem Weltflug für die Stiftung Fly & Help beschreibt Reiner Meutsch für die Leser von aerokurier.de

Quito (SEQU) – 0° 13′ 7″ S, 78° 30′ 35″ W
Lima (SPIM) – 12° 2′ 6″ S, 77° 1′ 7″ W
Distanz: 810 NM
Flugzeit: 4 Stunden

Tag 127, 8. August 2010
In Quito erleben wir heute Morgen die schnellste Abfertigung seit Beginn unserer Weltumrundung: Vom Erreichen des Flugplatzes bis zum Start der Motoren vergehen nur 17 Minuten. Unschlagbar!

Schnell steigen wir auf 18.000 Fuß. Unter uns liegen der über 5.800 Meter hohe Cotopaxi und der mehr als 6.300 Meter hohe Chimborazo. Das Wetter ist traumhaft, so dass wir einen klaren Blick auf die Anden haben, deren Gipfel immer weiter empor ragen. Die 7.000er-Marke ist erreicht, höher als wir selbst fliegen. Alles ist unglaublich imposant und beeindruckt mich sehr. Wenig später sehen wir kleine Dörfer auf gut 5.000 Meter Höhe, von denen aus sich steile Bergpässe hinunter in die Täler schlängeln. Nach rund zwei Stunden ist die Pazifikküste erreicht: rechts blicke ich auf das weite Meer und links auf die schneebedeckten Berge.

Nach knapp vier Stunden setzen wir zur Landung auf Lima an. Die peruanische Hauptstadt empfängt uns mit grauem Dunst, die Sicht ist schlecht, da Seenebel schwer über der Metropole liegt. Gleich nach der Abfertigung treffen wir auf Carlos, einen 62-jährigen Reiseleiter mit guten Deutschkenntnissen. Er zeigt uns die sechs Millionen Einwohner zählende Stadt mit viel Witz und guter Laune.

Im 16. Jahrhundert kamen die Spanier nach Lima. Die kolonialen Bauten zeugen noch heute von der Geschichte. Viele Häuser spiegeln den Glanz vergangener Zeiten wieder wie zum Beispiel das Haus Aliaga. Es wurde über dem Göttertempel des Kaziquen Taulichusco errichtet und ist prächtig anzusehen. Die Gegenwart Limas sah bis vor 15 Jahren noch relativ düster aus. Carlos erzählt, dass Menschen auf dem zentralen Platz der Stadt ausgeraubt wurden und auch Morde sollen keine Seltenheit gewesen sein. Mittlerweile sei die Kriminalität stark zurückgegangen. Nachwievor müsse man sich jedoch vor Kleinkriminellen und Blitzentführungen in Acht nehmen.

Wir staunen über die schönen Kirchen wie die Iglesia San Francisco, die monumentalen Plätze und all die Bauwerke mit ihren riesigen jahrhundertealten Holzbalkonen. Zu unserer Überraschung können wir vor dem Präsidentenpalast einer Parade mit über 100 Musikern beiwohnen. Vor einem Publikum aus tausenden von Menschen spielen sie unter anderem „Alte Kameraden“ und ich rufe  „Viva alemania, viva Peru“, woraufhin die Leute um mich herum lachen und mir freudig zunicken. Es ist ein glücklicher Moment. Die Menschen strahlen, sind stolz und lebensfroh. Liebespaare umarmen sich und überall empfängt uns eine fast überbordende Farbenpracht. Ich bin hin und weg von diesem Land, diesem Kontinent.


Lima (SPIM) – 12° 2′ 6″ S, 77° 1′ 7″ W
Cusco (SPZO) – 13° 31′ 6″ S, 71° 58′ 41″ W
Distanz: 324 NM
Flugzeit: 1,5 Stunden


Tag 128, 9. August 2010

Um 8 Uhr holt uns Carlos für die Fahrt zum Flughafen ab. Das Handling geht auch hier schnell von der Hand und meiner Tochter Jessina fliegen währenddessen erneut die Herzen der Flughafenmitarbeiter zu. Schon wieder ein Heiratsantrag – ich sollte wohl langsam aufpassen. Gut gelaunt starten wir überpünktlich gen Südwesten und müssen zügig auf 23.000 Fuß steigen, da die Berge 21.000 Fuß hoch sind, umgerechnet etwa 7.000 Meter. Auf dem Weg nach Cusco liegen die schneebedecken Gipfel der Anden unter uns.

Das Landeanflugverfahren auf Cusco ist wirklich sehr gefährlich. Immer wieder höre ich Jessina hinter uns rufen „Oh  nein, oh nein“. Wir müssen rasch aus 23.000 Fuß absinken und immer wieder in Schluchten eindrehen. Die Tragflächen der Piper Cheyenne sind nur wenige Meter von den Bergen entfernt. Arnim gibt mir in Sekundenschnelle Richtungsanweisungen und ich bin so konzentriert wie noch nie zuvor. Mit steilen Rechts- und Linkskurven geht es von einer Schlucht in die Nächste über Berggipfel hinweg.

Endlich liegt Cusco vor uns. Die Luft ist glasklar. Ich reduzierte den Speed, setze die Landeklappen, das Fahrwerk fährt aus und ich setzte punktgenau auf. Jessina klatscht und ist sichtlich heilfroh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ich kann es noch gar nicht realisieren und brauche einige Minuten für mich. Das Atmen fällt mir schwer, denn wir sind von Meersspiegelhöhe in Lima nun auf 3.400 Meter Höhe angelangt.

Von der Inkastadt Cusco geht es morgen nach Machu Picchu. Seit 30 Jahren trage ich diesen Wunsch in mir einmal dort zu sein. Schon um fünf Uhr müssen wir aufstehen. Es wird mit Sicherheit ein weiterer spannender Tag für uns.

Soeben ist auch Kameramann Andreas Meißner von n-tv im Hotel angekommen. 24 Stunden Flug liegen hinter ihm. Die nächsten 14 Tage reisen wir gemeinsam durch Lateinamerika.




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