13.05.2017
Erschienen in: 05/ 2017 aerokurier

ReiseLewitz: Mecklenburgisch-preußisches Refugium

Dass Preußens Glanz und Gloria sich bisweilen auch mit verhältnismäßig bescheidenen Unterkünften zufriedengab, zeigt ein Ausflug in die Lewitz.

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Das Gebiet ist eine von vielen künstlich angelegten Wasserläufen und riesigen Karpfenteichen durchzogene, eiszeitliche Senke. Nach Ablaufen des letzten Schmelzwassers entstand eine Moorlandschaft, an die heute das Friedrichsmoor erinnert. Den Namen verliehen ihm mecklenburgische Herzöge, die genau an der Südspitze des dort später entstandenen Waldgebietes ihre Jagdrefugien errichten ließen. Zunächst war es Friedrich Wilhelm I., Herzog zu Mecklenburg, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine kleine, vertäfelte und bemalte Blockhütte nach schwedischem Vorbild dort ansiedelte, ehe der Bau des heutigen Jagdschlosses 1791 durch Friedrich Franz I. veranlasst wurde. Bis in die Zeit dazwischen war die Lewitz weitgehend durch den Bedarf an Bauholz in den in der Hansezeit gewachsenen umliegenden Städten – darunter Neustadt-Glewe im Süden – entwaldet worden. Der Holzbedarf Neustadts, Zentrum damaliger Eisenverhüttung, tat sein Übriges. Nach der erfolgreichen Wiederaufforstung durch die Friedrichsmoorer Förster im 18. Jahrhundert blieb das Schloss bis zum Ende des Ersten Weltkrieges weitgehend unbewohnt.

Nur für die etwa sechswöchige Zeit der Hirschbrunft, zu der sich die wilhelminischen Kaiser und Otto von Bismarck einfanden, wurde es herausgeputzt. Heutiges, an die höfische Jagd erinnerndes Prunkstück ist eine nach dem Motiv von Charles Vernets „La Chasse de Compiègne“ gedruckte Tapete, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts das Schloss Friedrichsthal zierte. Erst 1964 wurde sie ins Jagdschloss nach Friedrichsmoor geschafft – da fungierte die Liegenschaft längst als „Volkseigener Betrieb Meliorationsbau“ und Jugendlager der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Von 1991 an wurde der Bau schließlich sukzessive zum Restaurant- und Hotelbetrieb umgewidmet.

Von den einst sternförmig auf das Fachwerkensemble zulaufenden Waldalleen ist die wichtigste als Radwanderweg erhalten – die etwa 15 Kilometer lange, schnurgerade Strecke zum Residenzschloss Ludwigslust. Kein Wunder also, dass die heutigen Hoteliers auf Anfrage Leihfahrräder für ihre Gäste beschaffen. Auch nördlich führen mehrere gut befestigte Wege, darunter der Walderlebnispfad „Sagenhafte Lewitz“,  durch den von zahlreichen Entwässerungsgräben durchzogenen Wald vom Schloss weg. Dort kann man sich mit dem „Lewitz-Ranger“ Ralf Ottmann für eine dreistündige Wanderung zu den Beobachtungspunkten für Fisch- und Seeadler verabreden.

Eine riesige Teichwirtschaft östlich des Schlosses zieht selten gewordene Vogelarten nämlich magisch an. Kraniche brüten hier, und zahlreiche nordische Wildgänse nutzen das Vogelschutzgebiet als Rastplatz. Die Schlossgastronomie ist daher ein gut frequentiertes Naherholungsziel, auch das Preis-Leistungs-Verhältnis für Übernachtungen in einem der zehn Zimmer und Suiten kann sich sehen lassen. Günstige Arrangements mit verschiedenen Freizeit-aktivitäten bieten die Schlossherren ebenfalls an.

In gleicher Entfernung wie Schloss Ludwigslust liegt östlich der Flughafen Parchim (EDOP). Aufgrund des geringen Flugbetriebs dort erhält man problemlos die Freigabe für den Einflug in die Kontrollzone. Für elf Euro Landegebühr mit einem Echo-Flieger ohne erhöhten Lärmschutz wird man fürstlich empfangen: Ein Shuttle holt die Ausflügler am Vorfeld ab. Vom Abfertigungsgebäude geht es mit dem Taxi oder einem Leihwagen weiter, beides muss indes zuvor bestellt werden.

Vom Schloss selbst kommt man gut mit dem Leihrad weg, auch Distanzritte zum Burgfest ins südlich gelegene Neustadt-Glewe gehören zu den angebotenen Arrangements. Wer sich also ganz stilecht im Sattel auf die Zeitreise zu dem mittelalterlichen Spektakel begeben will, sollte sich das Wochenende vom 9. bis 11. Juni für einen Aus-Flug in die Lewitz vormerken.

Wer es gern bequemer hat und überdies Verkehrsflughäfen eher scheut, kann auch den Grasplatz in Neustadt-Glewe (EDAN) anfliegen. Der liegt in etwa gleicher Entfernung zum Jagdschloss Friedrichsmoor wie Parchim. Ein kostenloser Shuttle-Bus pendelt am Festwochenende in halbstündigem Takt zwischen Flugplatz und Festplatz. Auch während des Burgfestes herrscht dort Flugbetrieb, allerdings gilt nach 17 Uhr Lokalzeit die PPR-Regelung. Ein Flug dorthin lohnt sich übrigens auch in der Zeit vom 26. August bis 2. September, denn dann finden auf dem Platz die Deutschen Meisterschaften im Fallschirmspringen statt.

Auch flughistorisch ist der Neustädter Grasplatz interessant. Nur wenige Fußminuten nördlich des Platzes hatten die Nazis ein Jahr vor Kriegsende ein Außenlager des KZ Ravensbrück zur Fertigung von Teilen für die Focke-Wulf 190 eingerichtet. Zwar ist das Tanken in EDAN nur eingeschränkt möglich, zumindest Avgas und Jet Fuel erhält man aber jederzeit im nahen Parchim.

Und fliegerisch bieten beide eine gute Ausgangsbasis für ganz Westmecklenburg. Mit dessen vielen kleinen Flugplätzen lassen sich alle Attraktionen der Region von hier aus gut mit kurzen Hüpfern aus der Luft erkunden.


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Frank Martini


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