24.08.2015
Erschienen in: 02/ 2015 aerokurier

NeuaufbauPiper PA-28-140 Cherokee SP – Familienangelegenheit

Renate und Klaus Heege haben ihre 50 Jahre alte Piper in der Werft in Bonn/Hangelar neu aufbauen lassen. Eine Entscheidung zwischen Emotion und Vernunft.

Zugegeben, es gibt emotionalere Flugzeuge als eine Piper PA-28, Baujahr 1965. Doch wenn ein solches Gefährt seit gut einem Vierteljahrhundert zur Familie gehört, zählen andere Werte als der letzte Knoten Geschwindigkeit oder der große Auftritt am Flugplatz. 2000 Stunden haben Renate und Klaus Heege im Cockpit ihrer D-EEHO verbracht, die meisten davon auf Reisen kreuz und quer durch Europa sowie bei etlichen Wettbewerben.

Es war im Mai 1989, als  diese ganz besondere Beziehung zwischen Mensch und Flugzeug ihren Anfang nahm. Die Mauer stand noch, in den Charts trällerte sich David Hasselhoff mit „Looking for freedom“ auf Platz eins, als in Baden-Oos Familie Heege ihr neues gebrauchtes Flugzeug in Empfang nahm. Vollgetankt, geschmückt mit einer Schleife, wechselte die D-EEHO nach zähen Verhandlungen für 42 000 Deutsche Mark ihre Besitzer.

24 Jahre und mehr als 3000 Stunden hatte die D-EEHO schon damals auf der Uhr. Vor 50 Jahren verließ die PA-28-140 Cherokee mit der Werknummer 28-20779 das Piper-Werk in Vero Beach, Florida. Der erste Eintrag ins Bordbuch erfolgte am 28. April 1965 beim Peninsula Air Service in Mount Hope, Kanada. Damals prangte die Kennung CF-RWL am Rumpf. 1971 ging’s nach Deutschland. Ein kanadischer Soldat ließ die Piper im See­container über den Atlantik bringen und in Egelsbach wieder aufbauen.

In Deutschland folgten weitere Besitzerwechsel. „In Michelstadt wurde unsere Hotel-Oscar dann mit Rundflügen gequält“, sagt Renate Heege. Um ein Haar wäre das Flugzeug dort von drei Mitgliedern der Rote Armee Fraktion für einen Erkundungsflug gechartert worden. Dem Zufall ist es zu verdanken, dass Christian Klar und Konsorten auf einen Hubschrauber ausweichen mussten – eine Geschichte, die die Republik im August 1978 bewegte.

Für Heeges war die D-EEHO das erste eigene Motorflugzeug, wenngleich die Luftfahrt längst fester Bestandteil in ihrem Leben war. Als (zwischenzeitlich pensionierter) Ingenieur hatte Klaus Heege stets beste Verbindungen, um dienstlich in die Luft zu kommen. Während er für Gyroflug arbeitete, flog er oft mit dem Entenflügler SC01 Speed Canard – bis  zu einer beruflichen Veränderung 1988. „Ein Jahr lang mussten wir chartern. Das wollten wir ändern.“

Nach der Übernahme der Hotel-Oscar stellte sich die Frage: „Was machen wir nun?“ Die Antwort hat bis heute Gültigkeit: „Viel fliegen.“ Im Sommer 1990 ging‘s in der Mitternachtssonne zum Nordkap, in den Jahren darauf zum Beispiel ins Baltikum und nach Sankt Petersburg.

Gleichzeitig lebten Heeges ihre Leidenschaft für Navigationsflug-Wettbewerbe aus. Auf Anhieb landeten sie auf den vorderen Rängen – heute sind sie mit ihrer D-EEHO Stammgäste bei Deutschlandflügen ebenso wie bei regionalen Wettbewerben und Meisterschaften. Vorläufiger Höhepunkt war Klaus Heeges Solo-Teilnahme an der WM im Präzisionsflug im Sommer 2013 in Bautzen.

680 Stunden dauerte der Aufbau

ae 02-2015 Piper - PA-28 Cherokee (09)

Die PA-28 wurde komplett demontiert – auch die Flügel mussten im Zuge des Aufbaus runter. Foto und Copyright: Flugzeugweft Möller  

 

In all den Jahren hatten die Besitzer stets ein Auge auf ihr Flugzeug. Das anfangs rustikal ausgestattete IFR-Panel wurde Schritt für Schritt modernisiert. 1994 erfolgte eine neue Lackierung in Offenburg. Der alte Lack mit dem roten Streifen musste dem heutigen Design mit blau-gelbem Streifen weichen – Heeges haben es anhand eines Modells selbst entworfen. Drei Jahre später wich der 150-PS-Motor einem 180 PS starken Lycoming. Die LBA-Zulassung samt umfangreicher Flugerprobung hat Luftfahrt-Ingenieur Klaus Heege allein durchgezogen. Seitdem trägt die PA-28 Cherokee 140 das Kürzel SP für „Special Performance“.

Trotzdem: Der Tag kam, an dem eine grundlegende Sanierung fällig wurde. Im Bereich des Hauptfahrwerks, an der Beplankung der Flügel, zeigten sich vor zwei Jahren erste Wellen und Risse. Ein Zeichen, dass fünf Jahrzehnte auch an der D-EEHO nicht spurlos vorübergegangen waren.

Die Frage nach einem Neukauf stellte sich für Heeges nicht: „Die Hotel-Oscar gehört zur Familie.“ Neben den Emotionen spielte auch die Vernunft mit bei der Entscheidung, eine Werft mit dem Neuaufbau zu beauftragen. Die Piper eignet sich einerseits für IFR-Flüge, andererseits ist sie wie gemacht fürs Rallye-Fliegen: Bei Bedarf fliegt sie schön langsam, landet auf den Punkt und bietet eine akzeptable Sicht „Welches moderne Flugzeug bietet diese Kombination?“ Schließlich war da die Sache mit den Kosten: „Was hätten wir für 90 000 Euro, der Preis für den Aufbau, bekommen? Ein Flugzeug, das zwar ein paar Jahre neuer wäre, aber längst nicht so gut, wie wir es uns wünschen.“

Angebote wurden verglichen, Telefonate geführt. Am Ende machte die Flugzeugwerft Bonn/Hangelar das Rennen. Eine Win-Win-Situation: Firmenchef Martin Birkmann war  bereit, nicht jede einzelne Stunde in Rechnung zu stellen. Im Gegenzug garantierte die Arbeit seiner Werft eine Grundauslastung in den Wintermonaten 2013/2014.

Der Auftrag: Grundüberholung des Motors, Erneuerung vieler Verschleißteile insbesondere des Fahrwerks, Neubeplankung der Flügelunterseiten, Einbau neuer Polster passend zur Außenlackierung sowie neuer Scheiben und eine frische Lackierung. Letztere erfolgte im bewährten Design, das Heeges auch nach gut 20 Jahren immer noch gefällt. Die Avionik blieb bis auf ein neues Funkgerät unverändert – mit ihrer Ausrüstung von Garmin und Aspen  samt Extras wie Stormscope ist die D-EEHO voll auf der Höhe der Zeit.

Anfangs barg das Projekt durchaus ein gewisses Risiko. Erst eine eingehende Untersuchung sollte zeigen, in welchem Zustand die Zelle nach all den Jahren war – an dieser Stelle hätte Schluss sein können. Zum Glück hatte sich das Metall als widerstandsfähig erwiesen. Es zeigten sich nach erfolgter Demontage keine Schwächen. Eine Portion des Korrosionsschutz mittels ACF-50 soll dafür sorgen, dass dies auch künftig so bleibt.

Fürs 15-köpfige Team der Werft war der Aufbau ein Gemeinschaftsprojekt: Es galt, handwerkliche Arbeiten zu erledigen, Teile zu bestellen und den Papierkram zu bewältigen, der die L-Akte ordentlich aufblähte.

Renate und Klaus Heege waren zu dieser Zeit Stammgäste in Hangelar. Ein Auge aufs Projekt zu haben, empfehlen sie auch allen, die Ähnliches vorhaben. „Der Polsterer beispielsweise hätte fast das falsche Gelb für die Sitzbezüge bestellt – zum Glück haben wir das in letzter Sekunde noch bemerkt.“ Heute kennen Heeges ihr Flugzeug besser denn je: Zahllose Fotos dokumentieren jedes Detail der Piper. 680 Arbeitsstunden stecken in der D-EEHO, knapp 90 000 Euro standen am Ende auf der Rechnung.

Im Ergebnis schaut die D-EEHO nicht nur top aus, sondern macht ihrem Namen „Special Performance“ alle Ehre: Das Zusammenspiel von aerodynamisch sauberer Oberfläche  und neuen Randbögen sorgt für den einen oder anderen Extra-Knoten am Stau: Zwischen 95 Knoten bei Wettbewerben und 130 Knoten auf Strecke ist alles möglich – geflogen wird bleifreies UL91. Heeges sind jedenfalls glücklich: „Jetzt ist unser Flugzeug wirklich besser als neu!“

Technische Daten

Daten Piper PA-28-140 Cherokee 140 SP

Hersteller: Piper Aircraft Corporation, Vero Beach, Florida Sitzplätze: 2+2 Bauweise: Metall-Tiefdecker 
Verwendung: Reiseflugzeug (VFR und IFR)

Antrieb

Hersteller: Lycoming
Art: Vierzylinder-Boxermotor
Typ: O-360-A4A
maximale Leistung bei 2700 rpm: 180 PS/136 kW

Propeller

Hersteller: Sensenich
Typ: 76EM8-0-60, Zweiblatt, starr

Abmessungen

Länge: 8,90 m
Spannweite: 9,15 m
Flügelfläche: 15,00 m²

Massen und Mengen

Leermasse: 665 kg
Nutzlast: 310 kg
Maximalmasse: 975 kg
Tankinhalt: 187 l /135 kg

Flugeistungen

Startrollstrecke: 250 m
Startstr. über 15-m-Hindernis: 440 m
bestes Steigen: 1000 ft/min
Reisegeschw. bei 75 %: 132 KTAS
zul. Höchstgeschw.: VNE155 KIAS
Überziehgeschwindigkeit: VSO46 KIAS
Reichweite bei 55 %: 600 NM/1110 km

Ausrüstung

Glascockpit: Aspen EFD1000
IFR-Avionik: Garmin GNS 430W
Transponder: Garmin GTX 330EX
Stormscope: Insight Strikefinder
Motorüberwachung: JPI EDM 830
Verkehrswarnung: PowerFLARM

aerokurier Ausgabe 02/2015

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Patrick Holland-Moritz


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