26.07.2018
aerokurier

Luftfahrt-LegendeFerry-Pilotin Marry Ellis gestorben

Zu ihrem 100. Geburtstag saß Mary Ellis noch einmal im Cockpit einer Spitfire und zeigte, dass sie das, was sie als Ferry-Pilotin bei der Auxiliary Air Transport gelernt hatte, noch immer konnte. Jetzt ist die letzte noch lebende britische Pilotin des Zweiten Weltkrieges im Alter von 101 Jahren gestorben.

Mary Ellis Maxi Gainza Matt Jones

Mary Ellis geleitet von Spitfire-Besitzer Maxi Gainza (l.) und Matt Jones von der Boultbee Flight Academy kurz nach ihrem Spitfire-Flug anlässlich ihres 100. Geburtstages. Foto und Copyright: John Dibbs  

 

Matt Jones, Chef der Boultbee Flight Academy in West Sussex, war angetan von der rüstigen Dame, die zu keinem Zeitpunkt das Gefühl aufkommen ließ, dass da eine Hundertjährige die Doppelsitzer-Spitfire dirigierte. „Sie wusste zu jedem Zeitpunkt, wo wir uns befanden, und flog von Thorney Island nach Wittering, über Selsey Bill bis nach Bognor Regis, ohne auch nur einen Fuß an Höhe zu verlieren. Es war beeindruckend.“ Angesichts von Ellis`Flugerfahrung verundert das kaum.

1941 war Mary Wilkins - so ihr Geburtsname - der Auxiliary Air Transport (ATA) beigetreten. Diese Einheit hatte die Aufgabe, Militärflugzeuge von Fabriken zu den Kriegsschauplätzen bzw. beschädigte oder reparaturbedürftige Maschinen von dort zu den Werften zu überführen. Nicht wenige Piloten der ATA waren Frauen, wurden doch die Männer an der Front gebraucht. Mehr als 1000 Flugzeuge 76 verschiedener Typen flog Ellis in dieser Zeit, dazu kamen diverse Transportflüge, bei denen sie Personal der Luftwaffe von A nach B brachte.

Am liebsten war sie mit der Spitfire unterwegs. Auf einem dieser Flugzeuge, der in Deutschland registrierten D-FEUR von Maxi Gainza, verweigte sie sich handschriftlich auf der Innenseite des Cockpits. Doch nicht nur mit leichten Jägern musste die zierliche Frau klarkommen, auch schwerere Flugzeuge wie die zweimotorigen de Havilland Mosquito oder die Vickers Wellington flog sie. "Manchen Pilotinnen war die Wellington zu grob, aber nicht für mich, die Tochter eines Farmers", sagte sie bei einem Veteranentreffen. 14 Tage am Stück Flugdienst mit zwei freien Tagen im Anschluss - so sah der Alltag der ATA-Pilotinnen und -Piloten aus. Zwei Bruchlandungen, dazu Beschuss von der eigenen Flak-Artillerie, all das hat Marry Ellis während des Krieges erlebt. Nach Kriegsende wurde sie zur Royal Air Force abkommandiert und flog als zweite Frau die Gloster Meteor III, das erste einsatzfähige Strahlflugzeug der RAF.

Im Anschluss an diese Zeit flog sie privat weiter und übernahm Ende der 40er Jahre die Leitung des Sandown Airfields auf der Ilse of Wight. Mit der Unterstützung von Don Ellis, einem dort ansässigen Fluglehrer und ihrem späteren Gatten, brachte sie Leben auf den kleinen, verschlafenen Flugplatz, der während des Krieges aus Angst vor einer Invasion geschlossen worden war. Sie sorgte dafür, dass der Flugplatz für den Tag- und Nachtbetrieb zugelassen und damit für Fluggesellschaften, die Routen von den Midlands zu den Kanalinseln bedienten, attraktiver wurde.

Bis zuletzt lebt sie in dem kleinen Cottage, in das sie 1950 gezogen war und das nur einen Steinwurf hinter dem Flugplatz-Clubhaus liegt.

Der aerokurier hat Mary Ellis und Maxi Gainza, der heute die von Mary "handsignierte" Spitfire besitzt, in den aerokurier-Ausgaben 3/2018 und 4/2018 in zwei AirLeben-Geschichten porträtiert.




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