21.05.2017
aerokurier

90. JubiläumLindberghs Alleinflug über den Atlantik

Am 21. Mai 1927 landete Charles Lindbergh mit der Spirit of St. Louis auf dem Pariser Flugplatz Le Bourget, nachdem er am Vortag von New York aus gestartet war. Lindbergh ging damit in die Geschichte als erster Mensch ein, dem eine Nonstop-Atlantiküberquerung im Alleinflug gelang.

Charles Lindbergh NYP 01

Foto und Copyright: KdL-Archiv  

 

Mit etwas Proviant und 1704 Litern Treibstoff an Bord war Lindbergh in den USA, vom Flugplatz Roosevelt, am 20. Mai um 7:54 Uhr gestartet. Der Flug dauerte 33 Stunden und 30 Minuten. Dabei legte er eine Strecke von 5.808,5 Kilometer zurück und brach damit den bestehenden Rekord für „längste zurückgelegte Distanz ohne Zwischenstop“. In Paris sollen den jungen Piloten rund 150.000 begeisterte Zuschauer in Empfang genommen haben. Die Atlantiküberquerung wurde zu einem der größten Ereignisse der zivilen Luftfahrt.

Die Idee zu diesem Abenteuer kam wegen eines Preisausschreibens: Der Hotelbesitzer Raymond Orteig belohnte den ersten erfolgreichen Solo-Nonstopflug zwischen den beiden Städten, egal in welcher Richtung, mit 25.000 US-Dollar. Lindbergh kontaktierte 1926 den Flugzeughersteller Ryan in San Diego und fragte, ob man eine einmotorige Maschine für diese Strecke innerhalb von drei Monate bauen könne. Ryan nahm die Herausforderung an, und bereits am 28. April 1927 war das Flugzeug nach nur zwei Monaten Entwicklungs- und Bauzeit fertig. Die Maschine wurde auf den Namen Spirit of St. Louis getauft, um die Investoren, die aus St. Louis stammten, zu ehren.

Charles Lindbergh NYP 02

An Bord des Flugzeugs war auch ein Barometer, der über die gesamte Flugzeig die Flughöhe aufzeichnete. Foto und Copyright: FAI  

 

Spirit of St. Louis

Spirit of St. Louis im NASM

Charles Lindberghs Spirit of St. Louis ist einer der großen Schätze des Smithonian National Air and Space Museums. Foto und Copyright: Eric Long/NASM  

 

Die Ryan NYP mit der Kennung N-X-211 ist eine Entwicklung auf Basis des Typs Ryan M-2 von Ryan Airlines und wurde in San Diego gebaut. Es handelt sich um einen Schulterdecker aus Stahlrohr und Holz, der mit Stoff verkleidet ist. Das Flugzeug nutzt einen Wright J-5 mit 166 kW (223 PS), der selbstschmierende Kipphebelwellen und als erster Verbrennungsmotor Ventile mit Natriumkühlung hat. Der Haupttank ist etwa im Schwerpunkt des Flugzeuges vor der Pilotenkanzel eingebaut, der Pilot kann nur durch ein kleines Periskop nach vorne sehen. Lindbergh war als früherer Postflieger aber daran gewöhnt, nur durch die Seitenfenster blicken zu können, da Postsäcke die Sicht nach vorn behinderten. Insgesamt kann die Ryan NYP 1.705 Liter Treibstoff tanken, der mit ca. 1.300 kg mehr als die Hälfte des maximalen Startgewichts von 2.330 kg ausmacht. Die theoretische Reichweite der Maschine liegt bei 6.437 Kilometern. Lindbergh war am Entwurf des Flugzeugs beteiligt und überwachte auch selbst den Konstruktionsprozess. Aus Gewichtsgründen und zugunsten maximaler Treibstoffzuladung hatte er auf Funkgerät und Sextant verzichtet. Er navigierte mit Hilfe eines Kompasses, von Karten und anhand der Sterne.

Erfolgreicher Abschluss

Charles Lindbergh NYP 03

Foto und Copyright: KdL-Archiv  

 

Als Lindbergh die Küste von Irland erreichte, war er nur fünf Kilometer vom Kurs abgewichen. Es war dann für ihn relativ leicht, an der Küste von Irland und England entlang zu fliegen und über den Ärmelkanal Frankreich zu erreichen. Paris schließlich fand Lindbergh durch die weithin sichtbare Beleuchtung des Eiffelturms. Nach einem kurzen Aufenthalt in Belgien und England wurde Lindbergh vom us-amerikanischen leichten Kreuzer „Memphis“ in die USA zurück gebracht. Am 11. Juni kam das Schiff an und wurde von einer großen Flotte Kriegsschiffe und unzähligen Kampfjägern und Bombern in Empfang genommen und den Fluss Potomac bis nach  Washington eskortiert. Dort ehrte Präsident Calvin Coolidge den 25 Jahre jungen Piloten mit der Auszeichnung „Distinguished Flying Cross“.

Lindbergh gelang der erste Nonstopflug von New York nach Paris und die erste Alleinüberquerung des Atlantiks. Jedoch war er nicht, wie oft fälschlich behauptet, der Erste überhaupt, der den Atlantik überflog. Tatsächlich war er schon der 67. Mensch, der dies vollbrachte. Die erste Nonstop-Atlantiküberquerung per Flugzeug gelang bereits 1919 den beiden Briten John Alcock und Arthur Whitten Brown in einer Vickers Vimy. Wenige Tage später fuhr das englische Luftschiff R34 nonstop von England nach Mineola/New York und nach einer Landung nonstop zurück.



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