22.08.2018
aerokurier

Rekord-SchleppMit der Grob Egrett in die Stratosphäre

Den Begriff Rockfeller-Schlepp kennen vor allem Segelkunstflieger, die sich regelmäßig für reichlich Geld auf 1200 Meter oder mehr schleppen lassen. Mit dem Stratosphären-Start des Schleppzugs aus Grob Egrett und Perlan 2 auf FL440 muss der Begriff neu definiert werden.

Perlan Project Egrett Schlepp Stratosphaere

Die Egrett brachte die Perlan 2 auf mehr als 13000 Meter Höhe. Foto: Perlan Project  

 

Seit dem 11. August steht eine Grob 520 "Egrett" im argentinischen El Calafate bereit, wo die besonderen Wellenaufwinde herrschen, die das Perlan Project für seine Höhenrekordversuche benötigt. Der deutsche Höhenaufklärer dient bei Perlan als Schleppflugzeug, um das Segelflugzeug direkt in die Wellenaufwindgebiete zu bringen, sobald die in der benötigten Stärke seltene und immer nur kurzzeitige Wetterlage auftritt. Perlan 2 will mit dem speziell konstruierten Segelflugzeug den Welt-Höhenrekord für sämtliche Flächenflugzeuge brechen und auch die vergangenen Höhenrekorde von U-2 und SR-71 übertrumpfen.

Am 17. August wurde Perlan 2 beim 48. Flug mit Jim Payne und Miguel Iturmendi im Cockpit hinter der Egrett auf über 13400 Meter (FL440) Höhe geschleppt. Dieser höchste Schleppflug diente dem Höhentraining beider Besatzungen, deren Ruderausschläge in der extrem dünnen Höhenluft nur mit starker Verzögerung wirken. Der Steigflug dauerte 45 Minuten, wobei die kräftige Egrett im Schlepp eine Steigrate von nahezu 1000 Fuß pro Minute erreichte. Die Perlan 2 war bei dem jüngsten Höhentraining insgesamt drei Stunden in der Luft.

Bei Temperaturen von minus 50 Grad Celsius in dieser Höhe hatte die Crew der Perlan 2 Probleme, die druckkabinenbedingt absichtlich sehr kleinen, seitlichen Bullaugenfenster eisfrei zu halten. Mit dem Fortschreiten der Höhenflüge perfektioniert das Perlan-Team sein Höhenflugzeug. Neben Testreihen zum Flatterverhalten gehört dazu auch ein neuer, elektrischer Heizkreislauf für die Heckkamera an Bord, von der auch unser Foto stammt.

Egrett Farnborough

Die als Höhenaufklärer entwickelte Grob Egrett dient bei Perlan als Schleppflugzeug. Foto: Schwarz  

 

Die Grob G 520 ist ein Höhenforschungs- und Aufklärungsflugzeug mit Turbopropantrieb, das in den 80er Jahren von Grob Aircraft in Zusammenarbeit mit Raytheon und Garret entwickelt wurde. Das vollständig aus Verbundwerkstoffen gefertigte Flugzeug ist 13,8 Meter lang und hat eine Spannweite von 33 Metern. Die Leermasse beträgt 3300 Kilogramm, das MTOW liegt bei 4700 Kilogramm. Die Propellerturbine leistet 560 kW und macht die G 520 knapp 470 km/h schnell. Die Dienstgipfelhöhe wird mit 15240 Metern angegeben. Wegen ihrer Größe muss die Grob Egrett in Argentinien, wo die Perlan-Flüge starten, im Freien parken. Deshalb wurden auf dem Vorfeld des AeroClub Lago Argentino eigens Ankerpunkte installiert, um die kostbare Einmot sturmsicher verzurren zu können.

Der Erstflug erfolgte 1987, die Zulassung erhielt das Muster 1991. Ursprünglich als Überwachungsplattform konzipiert, geriet das Projekt in den Strudel der Amigo-Affäre Anfang der 90er Jahre, die Bundesehr stornierte den Auftrag. Bislang wurden fünf Einsitzer und ein Doppelsitzer gebaut. Auf der Farnborough Airshow 2014 künfigte die neu firmierte Grob Aircraft an, das Muster aufgrund seiner noch immer einzigartigen Eigenschaften als G 520NG neu aufzulegen.

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Sebastian Steinke



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