29.08.2015
Erschienen in: 09/ 2014 aerokurier

Kleiner ThüringerUL-Hubschrauber COAX 2

Ursprünglich hieß er Flip 2, und seine Entwicklung stammt aus Russland. Inzwischen wurde der Koaxial-Helikopter in Thüringen unter dem Namen COAX 2 weiterentwickelt. Anja Ernst und ihr Team von edm aerotec wollen den Zwei­sitzer für die UL-Heli­kopterklasse in Serie bauen.

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Geisleden ist auf den ersten Blick ein verschlafenes Dorf am Westrand Thüringens. Ganz im Gegensatz dazu steht der Firmenkomplex von edm aerotec im Industriegebiet. Hier arbeiten unter der Geschäftsführung von Anja Ernst 22 engagierte Mitarbeiter an dem kleinen, kompakten Helikopter COAX 2, der, wenn alles nach Plan läuft, der erste echte UL-Helikopter in Deutschland sein wird. 

Aber der Reihe nach: Engelbert Dreiling, Inhaber eines Maschinenbauunternehmens in Geisleden, mit heute 130 Mitarbeitern, hat als leidenschaftlicher UL-Pilot die Idee, ein eigenes Luftsportgerät zu entwickeln. Entsprechende Werkzeuge und Formen könnten kostengünstig im eigenen Betrieb gefertigt werden. Er hat Kontakte zu Konstrukteuren aus Russland, und als 1999 erste Überlegungen reifen, in Deutschland eine eigene Klasse für UL-Helikopter zu etablieren, konkretisieren sich die Pläne in Richtung Drehflügler. Tochter Anja und ihr Mann teilen die  fliegerische Leidenschaft, auch sie sind seit 2007 UL-Piloten.

Da bereits früh feststeht, dass der Bruder einmal die Maschinenbaufirma übernehmen wird, erlernt Anja, heute 38 und Mutter zweier technisch begeisterter Söhne, den Beruf des Augenoptikers. Später arbeitet sie in der Konstruktionsabteilung und in der Verwaltung im elterlichen Unternehmen mit. Als klar wird, dass aus dem Projekt Helikopter was „Reales“ wird, gründet sie im April 2011 auf einem angrenzenden Areal von 2400 Quadratmetern ihre eigene Firma: die edm aerotec GmbH. Die Buchstaben edm stehen für Engelbert Dreiling Maschinenbau. Hauptaufgabe ist die Entwicklung und Fertigung von Leichthubschraubern, darüber hinaus werden dort auch Maschinen und Anlagen repariert und montiert. 

Die russischen Kontakte führen zum Prototyp Flip 2. Das Besondere: Der kompakte, leichte Zweisitzer hat einen Koaxialrotor mit vier Rotorblättern auf zwei gegenläufigen Ebenen. Das spart den Heckrotor, der beim klassischen Helikopter für den Ausgleich des Drehmoments zuständig ist. Die Flugtests in Russland verlaufen vielversprechend, denn die Russen haben großes Know-how im Bau von Koaxial-Hubschraubern. Im Laufe der Zeit entwickeln sich die Vorstellungen aber auseinander, und edm aerotec übernimmt die Weiterentwicklung des Fluggeräts in eigener Regie, baut Prototyp 2, unterstützt von Helikopter-Ingenieuren aus Deutschland. Chefkonstrukteur wird Markus Gebhardt. Die leichte Carbonzelle sitzt auf einem Rahmengestell aus genietetem Aluminiumblech. Das ausgereifte Koaxialsystem ist ausgesprochen eigenstabil und wird komplett übernommen. Die Carbon-Rotorblätter mit symmetrischem Profil werden im eigenen Betrieb nach einem selbst entwickelten Verfahren gefertigt. Der kompliziert aufgebaute Rotormast und das Getriebe sowie alle Formen und Maschinenteile stammen aus dem väterlichen Betrieb. Anja Ernst versichert, dass man dieses Know-how keinesfalls in fremde Hände geben werde. „Wir legen großen Wert auf die Sicherheit. Jedes Teil unserer Hubschrauber wird auch signiert und codiert. So kann man immer nachvollziehen, was in welcher Maschine verbaut ist. Damit halten wir das Risiko so klein wie möglich, dass etwas verbaut wird, was nicht durch uns autorisiert ist.“ Zudem kommen in der Erprobungsphase hochsensible Sensoren zum Einsatz, die exakt Abstände und Winkel der Blätter in der schnellen Bewegung im Fluge messen können und Aufschluss darüber geben, in welcher Situation und in welchem Ausmaß die Rotorblätter flappen, das heißt ausschlagen. 


WEITER ZU SEITE 2: COAX mit derzeit zwei Motorvarianten

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