10.12.2014
Erschienen in: 07/ 2011 aerokurier

Helikopter - Matthias Dolderers neue HerausforderungSenkrechtstarter

Als Pilot ist Matthias Dolderer eine Ausnahmeerscheinung. Aufgewachsen mit Flug­zeugen, sitzt im Cockpit, seit er an die Pedale kommt. Beim Red Bull Air Race war er der eindrucksvollste Newcomer aller Zeiten, und inzwischen hat der Profi aus Tannheim ein für ihn völlig neues Fluggerät entdeckt: den Helikopter.

Komm, fliegen wir noch eine Runde!“ Eigentlich wollten Matthias Dolderer und ich längst gelandet sein. Der Fotograf am Boden hatte seine Bilder schon im Kasten. Aber Matthias wäre nicht Matthias, wenn er sich mit dem Pflichtprogramm zufriedengäbe. Das Fluggerät, in dem wir noch eine schnelle, tiefe Runde über den Flugplatz Tannheim drehen, ist allerdings nicht eines der agilen Kunstflugzeuge, mit denen der Ausnahmepilot häufig unterwegs ist. Das Fluggerät heißt Cabri G2 und ist ein kompakter, zweisitziger Helikopter, den Dolderer seit Februar 2011 ganz offiziell fliegen darf. Zu den zahlreichen Lizenzen und Berechtigungen des 44-jährigen, gebürtigen Oberschwaben ist eine weitere hinzugekommen: der PPL-H.

Von 420 km/h auf null Fahrt? Wie „verkraftet“ einer wie Matthias das? Und wie erlebt ein Profi mit annähernd 7500 Flugstunden den „Umstieg“? Er erzählt es und demonstriert es fliegerisch. Ich bin beeindruckt nach unserer Landung, denn Matthias hat erst sieben Stunden nach der Prüfung geloggt, jedoch bewegt er die kleine Cabri, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Bei seinem Fluglehrer hatte ich mir ein paar Vorab-Infos verschafft. „Der Matthias hat nach vier Stunden schon Verfahren fliegen können, die andere erst nach acht oder zehn Stunden fliegen können. Da hat man das Talent sofort gemerkt." Allerdings musste er auch mal ermahnt werden, als er beim Alleinflug noch eine tiefe Runde über den Platz zog, was für einen Flugschüler schon etwas frech ist.

Den Schein hat er, bestanden mit Bravour in den drei erforderlichen Theoriefächern Luftfahrzeugkenntnisse, Flugleistungen/Flugplanung und Aerodynamik (inklusive Betriebliche Verfahren). Nach 20 Minuten war er aus dem Prüfungsraum wieder raus; normalerweise hat man pro Fach 45 Minuten Zeit. Seine optimale Ausbeute: dreimal 100 Prozent. Bei Inhabern von PPL-A, CPL oder ATPL entfallen in der Theorie sechs der insgesamt neun Prüfungsfächer, die praktische Flugzeit verkürzt sich für einen Scheininhaber auf 35 Stunden.


WEITER ZU SEITE 2: Am Anfang wollte Matthias zu schnell zu viel

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