15.10.2012
aerokurier

G650 Unfall NTSB BerichtG650-Unfall: „Aggressiver Zeitplan“ trägt Mitschuld

In einem Bericht zu dem Unfall eines G650-Testflugzeugs im April 2011 geht die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB hart mit dem Hersteller Gulfstream ins Gericht. Seine Eile, den Zeitplan einzuhalten, habe zu dem Unglück beigetragen. <br />

Am 2. April 2011 verunglückte eine G650, das zweite von fünf Testflugzeugen, während eines Starts auf dem Flughafen von Roswell in New Mexico. Die zwei Testpiloten und die beiden Ingenieure an Bord kamen dabei ums Leben. Das Flugzeug geriet während eines „planned one-engine-inoperative takeoff“, eines simulierten Triebwerksaufalls im Startlauf, mit der rechten Tragfläche in einen Strömungsabriss und drehte um die Hochachse. Nach der anschließenden Bodenberührung fing es Feuer.

Das NTSB, die nationale Behörde für Transportsicherheit, erhebt in einer jetzt veröffentlichten Stellungnahme Vorwürfe gegen den Hersteller Gulfstream. Nach Auffasung der Behörde habe es Gulfstream versäumt, die Geschwindigkeiten während des Startlaufs eingehend zu untersuchen und korrekte Schlussfolgerungen aus Beobachtungen während vorangegangener Testflüge zu ziehen. Das NTSB kritisiert, dass es vor dem Unfall zwei ähnliche Vorfälle während des Startlaufs gegeben habe, Gulfstream aber nicht erkannt habe, dass ein Strömungsabriss an der rechten Fläche die Ursache war. Wäre Gulfstream diesen Vorkommnissen hinreichend auf den Grund gegangen, wären die falschen Annahmen zu den Geschwindigkeiten und dem Anstellwinkel während des Starts zutage getreten.

Das NTSB sieht in dem „aggessiven Zeitplan“ des Herstellers ein Glied in der Fehlkerkette, die schließlich zu dem Unglück geführt habe. Dieser Zeitdruck, in Verbindung mit einem unzureichenden Testprogramm-Management, habe Gulfstream dazu verleitet, zentrale Annahmen nicht infrage zu stellen und unvorhergesehene Beobachtungen zu vernachlässigen. Diese Faktoren hätten dann zu Schlüsselfehlern beigetragen, zu denen auch die Festsetzung unrealistischer Startgeschwindigkeiten gehörten. Zudem habe Gulfstream die zwei vorangegangenen Vorfälle nur oberflächlich ausgewertet.

Im Hinblick auf die Piloten hält das NTSB fest, dass der Strömungsabriss mit der anschließenden Rollbewegung für sie nicht kontrollierbar gewesen sei. Aufgrund der in die Technik eingegangenen falschen Annahmen des Herstellers hätten sie weder durch den Stick Shaker noch durch ihre Instrumente eine Warnung erhalten.

Der NTSB-Bericht findet sich hier:

http://www.ntsb.gov/news/events/2012/gulfstream/index.html




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