15.10.2018
aerokurier

FlugunfallKeine Fremdanflüge auf die Wasserkuppe

Einen Tag nach dem schweren Unglück am Wochenende, bei dem eine Cessna über die Landebahn hinaus rollte und drei Menschen tötete, hat die Fliegerschule Wasserkuppe den Flugbetrieb wieder aufgenommen. Bis die Ursachen des Unfalls geklärt sind, werden Anflüge von platzfremden Luftfahrzeugen bis auf weiteres nicht genehmigt.

ASK 21B Wasserkuppe

Der Flugplatz Wasserkuppe verfügt über eine 670 Meter lange Asphaltbahn (06/24). Knapp 100 Meter hinter dem westlichen Ende der Piste verläuft eine Landstraße, die die verunglückte Cessna am Wochenende überrollte und mehrere Menschen auf dem Gehweg erfasste. Das Foto entstand während des aerokurier-Testfluges der ASK 21B gut eine Woche vor dem Unfall. (Foto und Copyright: Lars Reinhold)  

 

Die Bilder des Unfalls, die viele Zeitungen und Nachrichtenportale veröffentlicht haben, lassen erahnen, welch dramatische Szenen sich am Sonntagnachmittag auf dem Berg der Flieger abgespielt haben müssen. Nach übereinstimmenden Medienberichten war eine Cessna nach einem missglückten Landeanflug mit anschließendem Durchstartmanöver auf die Piste 24 der Wasserkuppe über das Ende der Bahn hinausgerollt, hatte die angrenzende Landstraße überquert und auf dem Gehweg eine 39-jährige Frau und ihre beiden Kinder erfasst. Danach durchbrach sie eine Schranke und kam wenige Meter weiter zum Stehen. Die drei Fußgänger verstarben noch an der Unfallstelle, die Insassen des Flugzeugs erlitten einen Schock.

Noch am Sonntag nahmen Polizei und die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung die Ermittlungen zum Unfall auf. In diesem Zusammenhang bitten die Behörden Augenzeugen, Hinweise sowie Bild- und Videomaterial, dass den Hergang des Unfalls zeigt, an flugunfall-wasserkuppe@polizei-hessen.de zu senden und damit die Ursachenforschung zu unterstützen.

Auf der Wasserkuppe wurde heute der Flugbetrieb wieder aufgenommen. "Für unser Team ist es wichtig, so schnell wie möglich ganz normal weiter zu machen", sagte Harald Jörges, Leiter der Fliegerschule, im Gespräch mit dem aerokurier. Seit 2001 ist er für den Betrieb auf dem Flugplatz verantwortlich und habe seitdem keinen schweren Unfall erlebt. "Wir haben einschließlich der Vereinsaktivitäten mehr als 20.000 Flugbewegungen im Jahr und bisher zum Glück keine derartigen Ereignisse erleben müssen", sagt Jörges und verweist auf die Hauspolitik, Piloten, die im Dienste der Fliegerschule als Schleppflugzeugführer oder Fluglehrer aktiv werden, sehr gründlich in die Besonderheiten des Platzes einzuweisen. Die Fliegerschule sei nur durch den glücklichen Umstand nicht direkt in den Unfall involviert gewesen, weil der Segelflugbetrieb bereits beendet und die Flugzeuge zur Halle gebracht worden waren. "Normalerweise stehen da, wo die Cessna langgerollt ist, unsere Segler und bereiten sich auf den Start vor. Wir haben großes Glück gehabt, aber das, was sich wenige Meter weiter kurz hinter der Flugplatzgrenze abgespielt hat, ist entsetzlich. Wir sprechen den Angehörigen der Opfer unser Mitgefühl aus."

Die Wasserkuppe trägt seit jeher mit ihren speziellen Betriebsverfahren den Besonderheiten des hiesigen Flugplatzbetriebs Rechnung. Grundsätzlich gilt für jedes platzfremde Flugzeug, das die Wasserkuppe anfliegen will, PPR. Zudem dürfen Gastflugzeuge nur dann landen, wenn die Landerichtung 24 ist. "Landungen auf unseren anderen Bahnen wie der 15/33 oder auch auf die 06, also Hauptbahn bergab, werden nur Flugzeugen genehmigt, die auf der Wasserkuppe stationiert sind und deren Piloten entsprechend Erfahrung haben", so Jörges. Bis die Hintergründe des jüngsten Unfalls geklärt sind, würden bis auf weiteres Anflüge von platzfremden Flugzeugen untersagt, ein enstsprechendes NOTAM werde zeitnah veröffentlicht.

An den Spekulationen zur Ursache wollte sich Jörges, der zum Zeitpunkt des Unfalls nicht am Flugplatz war, verständlicherweise nicht beteiligen. "Meine Leute haben mir berichtet, dass sich die Cessna ordnungsgemäß angemeldet und im Gegen- und Queranflug normal ihre Positionsmeldungen abgesetzt hat. Die Wetterbedingungen waren völlig problemlos. Warum das Durchstartmanöver misslang, das muss die BFU klären", so der erfahrene Pilot. Allerdings wies er darauf hin, dass ein Durchstarten auf der 24 durchaus möglich sei, wenn man sich rechtzeitig dafür entscheide. "Das müssen ja auch die Locals immer mal wieder tun, und das wird hier auch geübt."




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