28.02.2018
Erschienen in: 02/ 2018 aerokurier

Fliegerparadies am Fuße des GrimmingAlpenflugzentrum Niederöblarn

Das Alpenflugzentrum Niederöblarn bietet alles, was Segelflieger sich wünschen: einen gut organisierten Flugbetrieb, große Hallen und – je nach Jahreszeit – satte Thermik oder solide Wellen. Das vielfältige Sport- und Freizeitangebot prädestiniert den Flugplatz darüber hinaus für Urlaubsreisen mit der ganzen Familie.

Über die landschaftlichen Vorzüge der österreichischen Steiermark noch viele Worte zu verlieren, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Dennoch: Was die Naturgewalten insbesondere im Ennstal, dem Einschnitt zwischen Tauern und Dachsteingebirge, im Laufe der Jahr­tausende geschaffen haben, gehört sicher zu den schönsten Flecken der Alpenrepublik.

Nahezu in der Mitte des Ennstals und damit je rund 130 Kilometer von den Großstädten Salzburg, Linz, Klagenfurth und Graz entfernt, liegt der Flugplatz Niederöblarn. In unmittelbarer Nähe thront der 2351 Meter hohe Grimming, und kaum eine der Bergflanken, die das Tal einfassen, ist unter 1000 Meter hoch.

Um den hier in den 1970er Jahren angelegten Flugplatz mit zunächst 500, später 738 Meter langer Betonpiste 04/22, gut ausgebauten Rollwegen und einer großen Flugzeughalle ist im Laufe der Zeit ein vielseitiges Sport- und Freizeitzentrum entstanden, das die perfekte Symbiose von fliegerischer und sportlicher Betätigung bietet. „Der Ursprung des Alpenflugzentrums Niederöblarn liegt allerdings am Flugplatz Aigen, gut zwölf Kilometer Luftlinie von hier“, sagt Dietmar Salmhofer, Geschäftsleiter des Sporthotels. „Am dortigen Militärflugplatz wurde 1950 die Union Alpenflugschule gegründet, und auch mehrere Luftsportvereine siedelten sich dort an. 1955 übernahm das Bundesheer den Platz in Aigen, und ab 1966 gab es Bestrebungen, den zivilen Flugbetrieb aus Aigen herauszunehmen. Die Flugschule und die Vereine mussten sich ein neues Domizil suchen. Die Österreichische Sportunion als Dachverband der Sportvereine unterstützte die Clubs bei der Suche nach einem neuen Platz, der schließlich in Niederöblarn gefunden wurde.“ Mit dem Bau von Piste und Hangars begann hier der Vereins- und Flugschulbetrieb, bereits Mitte der 1970er Jahre entstanden erste Übernachtungsmöglichkeiten, die sukzessive zu einem Sporthotel mit entsprechenden Trainingsmöglichkeiten ausgebaut wurden. Doch die demografische Entwicklung schlug auch in Österreich zu, die Vereine wurden kleiner und am Ende blieben die Flugschule und der Union Segelflug-Club Niederöblarn-Wörschach übrig.

Piloten wollen Service

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Flugleiter Tibor Schmidt und seine Kollegen kümmern sich um die Belange der Piloten. Foto und Copyright: Lars Reinhold  

 

„Die Tendenz ist in den vergangenen Jahren ganz klar immer mehr in Richtung Dienstleistung gegangen“, sagt Salmhofer. „Viele Leute wollen einfach bei schönem Wetter herkommen und fliegen, und sie sind auch bereit, dafür einen angemessenen Betrag zu zahlen.“ Dementsprechend gut laufe die Flugschule.

Die Fäden für alles, was sich am Boden und in der Luft bewegt, hat Flugbetriebsleiter Tibor Schmidt in der Hand. „Das Stammteam besteht aus mir und drei Kollegen, je nach Bedarf können wir zusätzlich auf Freelancer zurückgreifen, die uns beispielsweise bei der Ausbildung von Flugschülern unterstützen“, sagt Tibor. Für Fußgänger bietet die Schule pro Jahr fünf dreiwöchige Intensivkurse an, in denen man die nationale österreichische Segelfluglizenz erwerben kann. „Motorflug wird individueller geschult, da machen wir nur die Theorie in Kursform.“

Für Motorflugpiloten und zum Schlepp von Segelflugzeugen stehen eine DA40, zwei DR400 und eine DA20 zur Verfügung, Segelflieger können wahlweise mit einer DG-1001 Club, einer LS4, einem Astir oder einer der beiden K 8 in die Luft gehen. Geschult wird auf einer K 7. Wer Segel- und Motorflug kombinieren will, kann das mit der Super Dimona oder
einem der beiden C-Falken. „Durch die Kooperation mit dem USFC Niederöblarn können wir auch auf dessen Flotte zugreifen und zusätzlich eine Aviat Husky, eine DG-1000S, eine LS8 sowie einen Ventus anbieten.“ Ferner gebe es dank einer privaten Fox-Haltergemeinschaft auch die Chance, Segelkunstflug auf professionellem Material zu trainieren. Die Chartergebühren bewegen sich im für kommerzielle Anbieter üblichen Rahmen. „Man kann wählen zwischen klassischer Charter ohne Basispreis oder einem Mitgliedsmodell mit Grundgebühr und ermäßigten Stundenpreisen“, sagt Tibor. Zudem gibt es für die Nutzung der Segelflugzeuge Pauschalen, in denen gegen eine Gebühr zwischen 482 und 1039 Euro sämtliche Charterentgelte enthalten sind. Es kommen dann nur noch die Startgebühren dazu.

1000 Meter AGL für den Anschluss

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Per F-Schlepp geht es auf mindestens 1000 Meter AGL, um Thermikanschluss zu finden. Foto und Copyright: Christoph Graif  

 

Apropos Start: Der erfolgt überwiegend im F-Schlepp. „Das ist einfach notwendig, um die für den Anschluss an die Thermik notwendige Ausgangshöhe zu bekommen, zumeist etwa 1000 bis 1200 Meter AGL“, erklärt Tibor. Allerdings sei bei guten Wetterlagen aus dieser Höhe das Wegkommen vom Platz sicher, die Thermik reiche regelmäßig bis über 3000 Meter MSL. Doch nicht nur thermisches Fliegen funktioniere; Hang- und Wellenaufwinde – darunter die lokale Grimmingwelle bei Nordwestwind – könnten bei passenden Wetterlagen ebenso genutzt werden. „Für Segelflieger mit ein bisschen Ortskenntnis sind 300er absolut kein Problem, 500 oder 600 Kilometer sind auch schnell geflogen.“ Motorflieger seien da etwas eingeschränkter und müssten ihre Routen durch die Täler planen.

Für die Gäste bieten sich in Niederöblarn zwei Möglichkeiten des Unterkommens: mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt auf dem Campingplatz oder im Sporthotel direkt neben dem Hangar. In schlichten, aber komfortablen Zwei- und Dreibettzimmern bietet es insgesamt 127 Übernachtungsplätze, gut die Hälfte davon mit Blick auf die Flugbetriebsflächen. Der Aufenthalt kann wahlweise mit Frühstück, Halb- oder Vollpension gebucht werden. In den Preisen für die Übernachtung ist die Nutzung sämtlicher Sport- und Wellnessangebote inbegriffen. „Lediglich spezielle Kurse sind aufpreispflichtig“, so Hotelchef Salmhofer.

Doch selbst ohne Kurse dürfte es dem Piloten bei Schlechtwetter oder seinem nichtfliegenden Familienanhang über den Tag kaum langweilig werden. Insgesamt fünf Tennisplätze – davon drei in einer beheizten Halle – stehen den Gästen zur Verfügung. Die Mehrzweckhalle lässt sich entweder für Hallenfußball und Basketball nutzen oder mit Badminton- bzw. Volleyballfeldern ausstatten, außerdem gibt es hier eine zehn Meter hohe Kletterwand. Der Außenbereich wartet mit zwei Beachvolleyball-Feldern, einem Basket- und Fußballplatz sowie einer Leichtathletikanlage mit Sprint- und Weitsprungbahn auf. „Die Möglichkeiten zur Sport- und Freizeitgestaltung enden freilich nicht an der Objektgrenze“, macht Salmhofer deutlich. „Die Umgebung ist prädestiniert für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer, auch Canyoning und Rafting sind möglich. Schließlich bieten die umliegenden Orte manch interessantes Museum, und wem nach ein paar Tagen doch die Großstadt fehlt, der ist in einer guten Autostunde in Salzburg, Linz oder Graz.“ Wer am Ende des Tages noch Power übrig haben sollte, der könne sich im Fitnessraum austoben, alle anderen seien in der Sauna sicherlich besser aufgehoben, so Salmhofer.

Anrufen, absprechen, fliegen

Einzelne Piloten – egal ob mit oder ohne Flugzeug – können in Niederöblarn jederzeit spontan vorbeikommen, für Gruppen ist eine Anmeldung notwendig. „So können wir sicherstellen, dass genug Betten frei sind und ausreichend Personal vor Ort, um die Gäste zügig in die Luft zu bringen. Fürs Selbstbriefing stehen mehrere Räume zur Verfügung, darüber hinaus helfen Tibor und seine Kollegen vom Flugplatzteam mit Rat und Tat. „Wer möchte, kann sich von uns individuell in den Alpenflug einweisen lassen, am besten natürlich im Doppelsitzer“, sagt Tibor. „Am besten ist es, uns einfach eine Mail zu schreiben oder anzurufen. Dann können wir klären, was der Gast sich von seinem Aufenthalt erhofft, und überlegen, wie wir das am besten umsetzen.“

Mit der Kombination aus Flugplatz, Hotel und Sportanlage sei das Alpenflugzentrum ziemlich einzigartig in Europa, schließt Salmhofer. „Allerdings geling es uns noch nicht, das so richtig zu vermarkten.“ Ein Problem sei dabei der Name, denn wenn man vom „Club Sportunion“ spreche, dann würden viele Piloten denken, man müsse hier Mitglied werden, um fliegen zu können. „Und deswegen werden wir bald unter dem neuen Namen ,Sports Area Grimming‘ auftreten. Einen modernen, kundenorientierten Flug- und Sportstättenbetrieb haben wir bereits. Ein zeitgemäßer Name wäre dann nur konsequent, um auch nach außen hin so aufzutreten.“


Alpenflugzentrum Niederöblarn

Niederöblarn 83
8960 Niederöblarn, Österreich
Tel. +43 3684 / 6066-0
E-Mail: flugplatz@club-sportunion.at
Web: www.club-sportunion.at

aerokurier Ausgabe 02/2018



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