24.09.2014
aerokurier

"Paketkopter"Drohne bringt Medikamente nach Juist

Die Inselflieger werden sie wohl nicht ersetzen, aber immerhin: Medikamente darf die Drohne der Deutschen Post auf die Insel Juist bringen. Nächsten Freitag geht es los.

DHL Paketkopter

Der Paketkopter bringt Medikamente und andere dringend benötigte Ware auf die Insel Juist. © Foto und Copyright: DHL  

 

In Kürze startet DHL Paket ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt auf der Nordseeinsel Juist: Erstmals erfolgt dort der Transport von Medikamenten oder anderen dringend benötigten Gütern zu bestimmten Uhrzeiten per DHL-Paketkopter. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts ist es damit zum bisher ersten und einzigen Mal in Europa möglich, ein unbemanntes Luftfahrzeug ohne direkten Sichtkontakt eines Piloten in einem echten Anwendungsfall zu betreiben. DHL Paket setzt damit das im Dezember letzten Jahres begonnene Paketkopter-Forschungsprojekt fort.

Gemeinsam mit den beiden Forschungs- und Entwicklungspartnern, dem Institut für Flugsystemdynamik der RWTH Aachen und der Microdrones GmbH, durchlief DHL Paket einen vom niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geleiteten umfangreichen Abstimmungs- und Genehmigungsprozess. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat in Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) für dieses Forschungsprojekt ein exklusives Flugbeschränkungsgebiet eingerichtet. Neben der Inselgemeinde Juist und der Stadt Norden hat auch die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer den Einsatz des Kopters genehmigt.

Der DHL-Paketkopter wurde seit seinem Jungfernflug im vergangenen Dezember speziell für diesen Anwendungsfall weiterentwickelt. Das Forschungsteam hat beispielsweise Flugdauer, Flugreichweite und Geschwindigkeit konsequent weiter optimiert, um den speziellen Herausforderungen wie Wind und Seewetter an der Nordseeküste gerecht zu werden.
Zu den technischen Neuheiten des DHL-Paketkopters zählen unter anderem eine verlängerte Flugfähigkeit sowie eine erhöhte Reichweite: Bis zur Insel Juist legt er rund 12 km für einen Weg zurück. Der Flug findet dabei erstmals vollständig autonom statt. Das heißt, in keiner Flugphase ist das Eingreifen eines Piloten erforderlich. Aus Sicherheitsgründen und entsprechend den Vorgaben der genehmigenden Behörden wird der DHL-Paketkopter während seines Flugs jedoch von einer mobilen Bodenstation in Norddeich ständig überwacht, um bei eventuellen Fehlfunktionen oder Notsituationen manuell und in Echtzeit unverzüglich eingreifen zu können. Zudem steht die Bodenstation im ständigen Kontakt zur Flugsicherung.

Damit der DHL-Paketkopter zuverlässig und sicher fliegt und stets punktgenau landet, wurde ein Autopilot mit automatischer Start- und Landefunktion entwickelt, der robust und zuverlässig arbeitet und im Vorfeld bereits umfangreiche Tests durchlaufen hat. In einer Flughöhe von etwa 50 Metern legt der Kopter je nach Wind bis zu 18 Meter pro Sekunde zurück und wird vor allem Arzneimittel an Wochentagen und Wochenenden zu ausgesuchten Zeiten vom Festland zur Insel Juist bringen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Zeiten, in denen keine alternative Infrastruktur per Flugzeug oder Fähre verfügbar ist. Die Starts vom Festland finden auf dem Hafengelände in Norddeich statt. Die Landung erfolgt auf der Insel Juist auf einem speziell für den Kopter vorgesehenen Start- und Landeplatz. Von dort wird die Ware durch den DHL-Zusteller an den adressierten Empfänger zugestellt. Damit die Ware beim Transport optimal gesichert ist, hat DHL Paket einen speziellen Lufttransportbehälter entwickelt, der extrem leicht sowie wetter- und wasserfest ist.
Die Arzneimittel für den Transport können in der Seehund-Apotheke auf der Insel Juist bestellt werden, mit der DHL Paket für dieses Pilotprojekt zusammenarbeitet. Urlauber und Inselbewohner haben die Möglichkeit, sich ab dem Start des Projektes auf www.dhl.de/paketkopter über die mit dem Forschungsprojekt verbundenen Bestellmöglichkeiten zu informieren.

Konkrete Einsatzpläne für den Regelbetrieb von DHL Paketkoptern in der Paketzustellung gibt es allerdings weiterhin nicht. Mit der Fortsetzung des Forschungsprojekts sollen aktuell die Möglichkeiten einer solchen Zustellform weiter erprobt und bewertet werden. Sofern technisch realisierbar und ökonomisch sinnvoll, ist in der Zukunft ein Einsatz von Paketkoptern für die Zustellung besonders eiliger Güter in dünn besiedelten oder schlecht erreichbaren Gebieten sowie bei der Notfallversorgung denkbar.



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