01.11.2016
aerokurier

SchweizDübendorf — Ein Flugplatz als Welterbe?

Der Flugplatz Dübendorf ist die Wiege der Schweizer Luftfahrt und einer der ältesten zivil gegründeten Flugplätze der Welt. Nun engagieren sich mehrere Akteure für eine Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe.

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Die Aufnahmekriterien für die UNESCO-Welterbeliste sind klar definiert. Schützenswert, so besagen es die Richtlinien, ist beispielsweise ein Typus von Gebäuden, architektonischen und technologischen Ensembles, die bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen. „Die Bernina-bahn wurde als Meisterleistung des Schweizer Bahnbaus in das Weltkulturerbe aufgenommen“, erklärte Architekt Pit Wyss in einem Interview, „was liegt da näher, als den Flugplatz Dübendorf, der bekanntlich die Wiege der schweizerischen Luftfahrt ist, ebenfalls aufzunehmen?“

Der einstige Präsident der Stadt- zürcherischen Vereinigung für Heimatschutz setzt sich seit geraumer Zeit für den Erhalt des Dübendorfer Flugplatzes ein. Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen, reichte er beim Kanton Zürich eine Einzelinitiative ein: Der Erhalt des Flugplatzes soll künftig durch einen kantonalen Verfassungsartikel garantiert und die Aktivitäten zum Schutz des Areals als UNESCO-Weltkultur-erbe aktiv gefördert werden.

ae 02-2017 Flugplatz Duebendorf (02)

Ziviler und militärischer Verkehr existierten in Dübendorf lange Zeit parallel nebeneinander. 2005 zog sich das Militär endgültig zurück. Foto und Copyright: ETH-Bibliothek Zürich  

 

Ideelle Unterstützung erhielt er von Adolf Flüeli. Der Zürcher reichte beim schweizerischen Bundesamt für Kultur einen Antrag zur Aufnahme des Flugplatzes Dübendorf als UNESCO-Weltkulturerbe der Luftfahrt ein. Im Zentrum des Antrags steht das Argument, dass der Dübendorfer Flugplatz der vermutlich älteste zivil gegrün-dete, nahezu vollständig erhaltene sowie permanent genutzte Flugplatz der Welt ist, der mit einer bogenförmigen Anordnung historisch wertvoller Gebäude die Gründungsepoche einzigartig repräsentiert. Der Flugplatz soll vollum­fänglich erhalten und in seiner ganzen Vielfältigkeit weiter betrieben werden – im Gegensatz zum Berliner Flughafen Tempelhof, den die Bürger des Bezirks Tempelhof-Schöneberg zwar als UNESCO-Weltkulturerbe unter Schutz stellen wollten, der aber dennoch geschlossen wurde.

Kritiker werfen ein, dass einzelne Gebäude auf dem Militärflugplatz bereits unter Denkmalschutz stehen und weitere Auf-lagen künftige Entwicklungen beeinträchtigen könnten. Flüeli sieht keinen Grund zur Sorge: „Der ‚Historic Arc‘, der den westlichen Teil des Flugplatzes umfasst, würde als Ensemble geschützt und museal ausgestaltet. Der östliche Teil böte als ‚Future Space‘ ausreichend Raum für weitere Entwicklungen.“ Der Zürcher Kantonsrat ließ sich davon nicht überzeugen und lehnte die Initiative von Pit Wyss ab. Inzwischen haben weitere Sympathisanten wie etwa der Fluglehrer Hans-Ulrich Binz das Wort ergriffen und setzen sich für die Gründung eines Vereins und die Lancierung einer Volksinitiative ein.


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